Test – Battlefield Hardline

Doch was ist eigentlich Battlefield: Hardline? Kurz gesagt: Ein Ableger der Battlefield-Reihe auf der technischen […]

Doch was ist eigentlich Battlefield: Hardline? Kurz gesagt: Ein Ableger der Battlefield-Reihe auf der technischen Basis von BF4 in einem neuen Setting und mit einem Haufen neuer Gadgets. Statt wie üblich im militärischen Bereich zu spielen, beschäftigt sich Hardline mit einem zivilen Konflikt, bei dem Polizeieinheiten gegen organisierte Verbrecher kämpfen und dabei ein Sammelsurium verschiedenster Waffen und Ausrüstungsgegenstände verwenden. Eines der wesentlichsten Alleinstellungsmerkmale ist, dass aufgrund des Settings keine Panzer verwendet werden, sondern leichte Fahrzeuge. Ein Helikopter oder gepanzerter Truck ist da schon das Höchste der Gefühle. Mit dem Verzicht auf schwere Fahrzeuge geht einher, dass die vorhandenen fahrbaren Untersätze schnell und verwundbar sind; bis auf wenige Ausnahmen lassen sich alle Wagen durch Kugelhagel zerlegen, etwas das es in Battlefield Bad Company 2: Vietnam bereits gegeben hat.

Gameplay

Bei Battlefield: Hardline schießen sich also zwei Parteien gegenseitig die Hüte vom Kopf, benutzen dabei eine bunte Mischung aus zivilen, militärischen und auch historischen Waffen und versuchen dabei, Ziele zu erfüllen. Im klassischen Conquest werden dabei Flaggen erobert, der neue Heist-Modus hingegen erfordert, dass eine Seite eindringt und zwei Objekte evakuiert. Hotwire heißt ein weiterer neuer Modus und stellt Conquest auf Speed dar: Anstatt Flaggen gibt es Fahrzeuge, die die Tickets der Gegner herunterzählen, wenn sie mit einer Mindestgeschwindigkeit über die Karte brettern. Um sie zu übernehmen schießt man entweder den Fahrer raus oder jagt den Wagen in die Luft, wodurch er neu spawnt. Leider werden die meisten anderen neuen Modi kaum gespielt, sodass sich die Community auf den genannten dreien konzentriert, die aber an sich auch schon eine gute Balance aus klassischem Battlefield und Neuerung bieten.

Die Karten bieten ein weites Spektrum aus offenem Gelände (Everglades, Dust Bowl) und dichten Häuserkämpfen (Bank Job, Hollywood Heights), sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Die maximale Spielerzahl von 64 finde ich zu hoch angesetzt, sodass es für gewöhnlich in einem Dauerfeuer-Gemetzel ausartet, das keinen Spaß macht. Auf weniger stark bevölkerten Servern ist aber durchaus Taktik im kleinen Maßstab möglich.

Klassen und Knarren

Die Klassen bei Battlefield: Hardline orientieren sich klar an denen von Battlefield 3 und 4, tragen nur andere Namen und geringfügig andere Bewaffnung. Der Operator entspricht dem Assault / Medic (Sturmgewehre), der Professional dem Scout (Scharfschützengewehre), der Enforcer dem Support (Schrotflinten und Battle Rifles, keine MGs) und der Mechanic dem Engineer (Maschinenpistolen). Jede Klasse hat ein oder zwei Waffenkategorien zur Disposition, eine klassenübergreifende Waffengattung gibt es hingegen nicht. Dadurch möchte man vermutlich den Spieler dazu drängen, seine Klasse zu spielen, anstatt Hybriden zu basteln (etwa Scout mit MP oder Engineer mit Schrotflinte).

Meiner Meinung nach macht Hardline einen gewaltigen Sprung in puncto Freischaltungen von Ausrüstung. Anstatt eines linearen Systems, bei dem man eine Waffe nach der anderen freischaltet, werden Punkte während des Matches in Geld umgewandelt, mit dem man sich ähnlich wie in Call of Duty: Black Ops seinerzeit ein eigenes Loadout basteln kann, jedoch weitestgehend ohne Levelbeschränkungen. Gesperrt ist nur jeweils eine Waffe pro Klasse, die man als ‚Abschluss‘ erhält sowie die sogenannten Waffenlizenzen. Diese erlauben es, eine Waffe auf beiden Seiten, Polizeikräfte und Kriminelle, zu spielen, erfordert aber saftige 1250 Kills –  das dauert! Die Tatsache, dass beide Seiten ihre eigenen Knarren haben, soll wohl für ein asymmetrisches Gameplay à la Counter-Strike sorgen, wirkt sich aber bei weitem nicht so markant aus, da sich die Schießeisen alle einfach viel zu ähnlich spielen. Letztlich trägt es eher zur Atmosphäre bei, dass die Gangster alte AKMs benutzen, während die Polizisten das modernere G36C haben (an dieser Stelle bitte einen Witz über die Treffgenauigkeit des G36 einfügen).

Was Attachements angeht, spielt Hardline ganz weit vorne mit. Eine riesige Auswahl von Zieloptiken aller möglichen Fabrikate wird ergänzt von der Option, Griffe mit charakteristischen Eigenschaften, verlängerten Läufen, Mündungsfeuerdämpfern oder zusätzliche Schulterstützen zu montieren. Wer Knarren-Customisation liebt, wird sich hier richtig austoben können, zumal die Gewehre etliche Lacke zur Aufhübschung erhalten können. Besonders bei Hardline sind die neuen Gadgets wie Enterhaken und Seilrutschen, mit denen man die üblichen Pfade der Maps etwas aufmischt. Zusätzlich gibt es noch Sturmschilde, Tracking-Pistolen, Gasgranaten, Gasmasken und wohlbekannte Spielzeuge wie Sprengsätze und mobile Spawnpunkte.

An zwei weiteren Punkten bricht Hardline übrigens mit Konventionen der Vorgänger: Wie bereits eingangs erwähnt verzichtet es auf Kampfpanzer und somit schwer knackbare mobile Festungen und zum anderen auf selbstregenerierende Lebenspunkte. Letzteres ist besonders old-school und mich hat es regelrecht begeistert, dass Visceral Games sich sowas getraut haben, sind doch automatisch auffüllende Lebenspunkte mittlerweile Industriestandard geworden. Spieler müssen nun viel stärker darauf achten, wie sie ihre Begegnungen mit Gegnern angehen, was in meinen Augen ein starkes Plus ist.

Technik

Battlefield: Hardline nutzt das technische Skelett von Battlefield 4, die Frostbite 3 Engine und ist entsprechend sauber optimiert, sieht gut aus und liefert eine stabile Bildrate. Allerdings wird man einfach nicht den Eindruck los, dass Hardline graphisch weniger hermacht als Battlefield 4. Die Texturen wirken flacher und die Maps sind generell weniger detailverliebt. Der Sound überzeugt wie schon im Vorgänger durch ordentliches Volumen und gute Qualität. Wenn um einen herum alles in die Luft fliegt, die Sprinkleranlagen angehen und Sirenen losheulen, fühlt man sich richtig drin, gar keine Frage. Ohne den hervorragenden Ton wäre Hardline atmosphärisch um einiges schwächer aufgestellt.

Leider hat die Frostbite-Engine auch ihre Schattenseite, die da nennt sich client-side hit detection, was bedeutet, dass ein Treffer durch eine Waffe auf Seiten des Spielers berechnet wird, nicht serverseitig. In Verbindung mit der Latenz, die in Online-Spielen ein permanenter Faktor ist, führt das wie schon in den Vorgängern zu den absurden Situationen, dass man durch Beschuss stirbt, nachdem man sich in Deckung gebracht hat oder dass sich zwei Spieler zugleich erschießen. Counter-Strike: Global Offensive etwa führt vor, wie man das richtig macht: durch Trefferberechnung auf Seiten des Servers. Wer auch immer bei DICE damals dachte, dass clientseitige Treffererkennung eine gute Idee sei, hatte wohl nicht vor, Battlefield kompetitiv ernstzunehmen.

Fazit

Was bleibt am Ende zu sagen? Wer den DLC ‚Close Quarter Combat‘ für Battlefield 3 mochte oder generell BF3 / BF4 nur mit Infanterie oder leichten Fahrzeugen spielt, der wird mit Battlefield: Hardline seine helle Freude haben. Das macht es zugleich zu einem Nischenprodukt und das sieht man den Spielerzahlen leider auch an. Spieler, die gerne im Jet oder Panzer sitzen, Kills anhäufen und sich dabei unbesiegbar vorkommen, werden nicht bedient, ist in meinen Augen aber auch kein Verlust. Fraglich ist jedoch, ob sich die Anschaffung von Hardline lohnt, wenn man bereits BF4 besitzt und dies gerne spielt. Mehr als fragwürdig halte ich jedoch die Entscheidung, drei Gewehre ausschließlich auf Vorbesteller oder Sondereditionen zu beschränken. Battlefield 3 erlebte etwas ähnliches mit dem T88-LMG und ruderte nach wenigen Monaten zurück, gab es letztlich jedem Spieler. Ob das hier auch geschehen wird, steht noch offen.

Ich für meinen Teil halte Battlefield: Hardline, unabhängig von Pre-Order DLCs oder den kommenden Add-Ons in Form des kostspieligen Premium, für ein sehr gelungenes Produkt und es trifft meinen Nerv eines Casual-Shooters für zwischendurch optimal. Das Szenario ist lässig umgesetzt, es fallen viele Sprüche mit Referenzen an Popkultur („You get an upgrade, and you get an upgrade! Everyone gets an upgrade!“) und die geheimen Easter-Eggs sind ja bereits auch hinlänglich bekannt. Erfreulich ist der Verzicht auf regenerierende Lebenspunkte und lineare Unlocks, sodass ich mir direkt kaufen kann, was ich gerne ausprobieren möchte, anstatt erst stundenlang uninteressantes Equipment freizuschalten. Battlefield: Hardline ist eine frische Brise im zum Einheitsbrei verkommenen Military FPS-Genre und für die ganze Serie, der Stagnation drohte. Insofern begrüße ich es, dass DICE zumindest für einen Serienteil abgelöst wurde und ein neues Studio, nämlich Visceral Games, die Macher der hervorragenden Dead Space-Reihe (Teil 3 mal außen vor), neue Ideen reinbrachte.

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