Test – 2Dark

Kann das neue Werk des Kopfes hinter Alone in the Dark begeistern?

Ich bin niemand der leicht aufgibt. Normalerweise beiße ich mich gerne durch Spiele und lerne die Systeme kennen, um dann am Ende doch noch siegreich aus der Mission oder dem Gebiet hervorzugehen. Ich habe Dark Souls 1 – 3, Bloodborne, Darkest Dungeon und Lords of the Fallen gespielt. Alle erfolgreich beendet. Aber warum erzähle ich euch das? Ganz einfach, 2Dark habe ich beinahe nicht geschafft. Das liegt aber vor allem an einem künstlich hochgeschraubten Schwierigkeitsgrad.

Diesen Bildschirm werdet ihr häufig sehen. Mit unterschiedlichen Überschriften.

2Dark – der Name ist Programm

Der Schwierigkeitsgrad wird aber noch nicht mal durch die knappen Ressourcen oder meiner Meinung nach teilweise zu starken Gegner ausgelöst. Es ist viel simpler: Der Grund ist die totale Dunkelheit. Bereits im ersten Level lauern überall Fallgruben, die man ohne Taschenlampe fast gar nicht sehen kann. Das Feuerzeug, das ein wenig Helligkeit spendet, hilft dabei auch nicht.

Links: Totale Dunkelheit. Rechts: Feuerzeug. Und glaubt mir, hier im Screenshot ist es noch viel heller als im Spiel.

Außerdem ist es durch Denuvo geschützt. Ohne Internet kein Starten des Spiels möglich. Und weil das noch nicht genug ist: Ich konnte ziemlich häufig das Spiel durch eine recht seltsame Fehlermeldung nicht starten: „2Dark was unable to open the game window. Please make sure your g…“. Your what?! Das könnte meines Erachtens auch an Denuvo gelegen haben.

2Dumb – Köpfchen ist gefragt

Genug des Meckerns, das Spiel hat auch gute bis sehr gute Seiten. Als ein ausgebrannter Ex-Polizist namens Smith seid ihr auf der Suche nach vermissten Kindern. Auslöser des Rachefeldzugs wird die Ermordung der Frau und die Entführung der eigenen Kinder. Dabei stoßt ihr auf sehr makabere Entwicklungen innerhalb des „Kinderbesorgungsringes“.

Zwischen den einzelnen Missionen seid ihr immer wieder in Smiths Wohnung, könnt alte Fallakten durchwühlen, hin und wieder Beweise kombinieren und euch herrlich darüber aufregen, das die Sicherung für die Beleuchtung eurer Wohnung immer wieder ausfällt. Auch Besuch erhaltet ihr ab und an. Das Menü für die Missionswahl erinnert stark an die Blackboards vieler Krimiserien und Filme und ihr seht eine Karte der Stadt Gloomywood, auf der ihr euren Zielort auswählen dürft. Nach und nach schaltet ihr natürlich mehr Orte frei. Diese sind leider alle Storyrelevant und es gibt keine Nebenmisisonen.

Hier wählt ihr euer nächstes Ziel aus.

Die Missionen selbst sind meistens nur durch insgesamt schlüssige Rätsel schaffbar. Alternativ könnt ihr auch wie Terminator durch die Gegend wandern und versuchen, alle Gegner zu Tode zu prügeln, da euch die Munition recht schnell aus gehen wird. Allerdings verpasst ihr so möglicherweise freundlich gesinnte NPCs und per se ist die friedlichere Variante auch die befriedigendere. Die Bosse der Missionen sind ziemliche Kugelschwämme – wenn man allerdings Löwen in der Nähe hat, könnte man ja schauen, ob diese Appetit haben. Oder die Torte für die Herrin des Hauses vergiften. Oder oder oder. Schleichen ist eben doch manchmal abgesehen von nervig ziemlich nützlich.

Die guten alten Schalterrätsel treten auch immer wieder auf. Unerreichbare Schalter werden durch einen gezielten Bonbon-Wurf schnell umgelegt. Bonbons? Ja, Bonbons. Diese stellen in 2Dark ein absolutes Allzweck Wunderwerkzeug dar. Ihr müsst Gegner ablenken? Werft ein Bonbon gegen die Wand hinter ihm. Die geretteten Kinder sind zu langsam? Nehmt ein Bonbon in die Hand und sie laufen schneller. Gleichzeitig dienen sie als Collectibles, in jedem Level ist eine unterschiedliche Anzahl versteckt.

Wem das Spiel im normalen Schwierigkeitsgrad zu leicht ist, darf auch gerne in den Herausforderungsmodus wechseln, in dem die Gegner größere Hör- und Sichtreichweiten haben. Ob das der Langzeitmotivation hilft, sei dahin gestellt.

2Dreadful – Makaberer Horror

Die Situationen, aus denen ihr die Kinder befreien sollt, gestalten sich teilweise überaus makaber. Daraus zieht sich auch der Horror des Spiels. Wer kommt schon auf die Idee, aus Kindern „echte“ Puppen zu machen? Wenn man dazu die Sätze der Entführer liest, kann es einem schon ziemlich mulmig werden… Schade, das man hier auf eine Sprachausgabe verzichtet hat.

Die Grafik stellt sich als solide heraus. Sie ist nicht besonders hübsch anzusehen, aber das Design der Figuren ist auf dem Punkt und die Architektur und Dekoration der einzelnen Levels ist wirklich super. Hier jagt es einem auch immer wieder einen kleinen Schauer über den Rücken. Leider wird der Windows Mauszeiger im Spiel benutzt. Das hat mich anfänglich sehr gestört, vernichtet ein weißer Pfeil doch sehr die Atmosphäre, die hier erzeugt wird.

Erziehungsmethoden mal anders.

Auch der Sound macht einen guten Eindruck und lässt ein Gefühl der Beklommenheit entstehen. Gerade wenn man die Kinder in einer dunklen Ecke abgestellt hat und versucht, an einem Haufen Wachen vorbei zu schleichen, ist es immer wieder ein kurzer Schock, wenn die Kinder anfangen zu weinen. Genauso erschreckend ist es, wenn ein Springteufel plötzlich aus seiner Box springt und das Lachen eines Clowns ertönt.

2Clumsy – Steuerung aus der Hölle

Ich habe das Spiel zuerst mit dem Gamepad getestet. Die Inventarsteuerung ist damit so fummelig, dass es nahezu unmöglich ist, schnell einen Gegenstand zu finden, der mich aus einer Situation retten könnte. Obwohl es die Steuerung eines Top-Down Shooters hat, will 2Dark lieber mit Maus und Tastatur gespielt werden – zumindest ist es dann einfacher. Trotz Maus und Tastatur: Man kann Gegner von hinten erschlagen, sie leuchten dann gelb auf. Problem: Es ist so unglaublich schwer, genau diese Position zu finden, wenn der Gegner sich bewegt. Und auch das ist durch die Steuerung bedingt.

Das Inventar ist allgemein so eine Sache: Wir haben viele viele Slots, die viel viel vom Bildschirm belegen. Ja, man kann es einklappen. Aber bis man es in einer Notfallsituation ausgeklappt hat, ist man meistens tot. Auch Gegenstände kombinieren durch Drag and Drop oder durch ein vom Gamepad aufrufbares Ringmenü will gelernt sein. Mir ist es mehrfach passiert, dass ich Gegenstände, die ich miteinander kombinieren wollte, einfach nur in der Position getauscht habe. Sehr anstrengend.

Die KI hinter den Gegnern ist eher so lala. Wenn die Herren ein Geräusch hören, laufen sie dorthin. Wenn sie euch sehen, gnade euch Gott. Ihr haltet nicht viel aus, aber schafft ihr es aus ihrer Sichtweite in eine dunkle Ecke und die Gegner haben keine Lichtquelle, seid ihr wieder sicher. Selbst wenn sie in euch hineinlaufen!

Wenn ein Viertel des Bildschirms Inventar ist….

 2Genious – Ich möchte es doch so gerne mögen

Mein Test klingt sehr negativ, dabei will ich eigentlich gar nicht so hart mit 2Dark ins Gericht gehen. Es hat ein erfrischendes Szenario und traut sich auch mal an ein Tabuthema heran. Die Geschichte um die Kindesentführungen herum ist eigentlich super erzählt, aber zum größten Teil in Ladebildschirmen. Der Grafikstil mag Geschmackssache sein, aber ich fand ihn sehr passend und das Design für das Thema optimal umgesetzt. Es gibt so viele liebevolle Details (Man kann die streunende Katze zu Hause füttern!). Die Missionen sind abwechslungsreich, jedes Gebiet hat seinen eigenen gruseligen Flair. Die NPCs, die dir freundlich gesinnt sind, haben auch kleinere Geschichten zu erzählen, wenn auch durch Plakate oder ähnliches in der Nähe. Ich kaufe fast jeder Figur in diesem Spiel ihr irres Dasein ab, selbst die Wachmänner im Krankenhaus benehmen sich so, wie ich es von Wachmännern erwarte. Die vielen kleinen Ideen wie das Speichern durch Zigarettenpause (achtet auf euer Leben!), die fehlende Lebensanzeige durch Blut auf Smiths Körper ersetzen, die durchwechselnden Game Over-Bildschirme. All das erinnert mich an die Klassiker wie Alone in the Dark oder das erste Silent Hill.

So wird die Geschichte zum größten Teil erzählt. Immerhin hier mit Sprachausgabe!

Am Ende machen mir aber der zum Teil unfaire Schwierigkeitsgrad im Bereich des extremen Trial and Error das ganze zu nichte. Die Wahl zwischen Gewalt und Schleichen ist auch eine aufgesetzte, da Schleichen hier immer die einfachere Variante ist, vor allem wenn es dunkel ist. Die grausige Inventar Steuerung. All das macht das Spiel, das so eine unglaublich liebevolle Hommage an die Klassiker des Genres ist, vollkommen kaputt.

Schade, es hätte wirklich großartig sein können.

Fazit

Insgesamt bleibt das Spiel ein Klassiker im Herzen. Die teilweise stark fehlenden Ressourcen erinnern an alte Zeiten, als Resident Evil 1 noch wirklich ein Survival Horror war und Alone in the Dark kein Action Abklatsch. Ich will es wirklich mögen, das makabere Thema des Spiels, die Kritik an der Unfähigkeit und Korruption des Gesetzes, die Stealth Mechaniken. Das ist alles genau mein Ding. Aber es hapert hier an der Umsetzung des ganzen. Wenn ich den Aufbau der Mission nicht perfekt auswendig kenne, habe ich keine Möglichkeit, ohne Taschenlampe im Dunkeln weiter zu spielen, weil ich garantiert (!) sterben werde. Das ist für mich stupides auswendig lernen. Und das obwohl es wirklich tolle Ideen hat, vor allem im Bezug auf die jeweiligen Ziele der Mission.

Getestet wurde die PC Version. Das Spiel erscheint ebenfalls auf der PlayStation 4 und XBox One.
Positiv
  • Tolle Rätselmechaniken
  • Schönes Leveldesign
  • Setting frisch und neu
  • Gute Story
Negativ
  • Inventar zu fummelig
  • Grafik Geschmackssache
  • Mit Gamepad sehr schwer zu spielen
  • KI eher schlechteres Mittelmaß
  • Keine wirkliche Freiheit beim Vorgehen
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