Test – Captain Kaon

Eine Hommage an die Kult-Klassiker der 80er – mit kleiner Änderung am Gameplay große Modernisierung.

Eins vorweg: Wenn ihr Klassiker wie Gravitar oder Solar Jetman mögt, kauft euch das Spiel. Ab heute hat es Early Access

Last Human Flying

Die Geschichte ist recht schnell und einfach erzählt: Ihr spielt die namensgebende, großäugige Captain Kaon, die nach einer Alien Invasion die letzte Pilotin auf Seiten der Menschen im Sol-System ist, da sich der Rest zur Rettung der Menschheit ins Regulus-System aufgemacht hat. Ihr werdet aus dem Gefängnis geholt (warum sie dort saß wurde mir leider auch im Spielverlauf nicht ganz klar) und prompt in ein Raumschiff auf einem Trainingsparcours auf Ceres ausgesetzt. Im Verlauf der Kampagne versucht ihr mit der verbliebenen Flotte der Menschheit das Sol-System zurück zu erobern. Leider gibt es sonst nicht viel zu erzählen, nicht mal ein „All your base are belong to us“-Moment tritt auf. Allerdings wird der Verlauf eures Schlachtzuges immer wieder von den Flottenkommandanten per Nachrichten kommentiert.

Während eures Eroberungsfeldzugs könnt ihr verschiedene Missionen auf dem Planeten anwählen. Wirklich relevant ist die Auswahl nur, wenn ihr in einer von beiden Aufträgen neue Waffen bekommt, mit denen ihr euer Schiff aufmotzen könnt – vorausgesetzt, ihr habt ein Schiff, auf dem ihr zusätzliche Ausrüstung anbringen könnt. Euer Schiff steuert ihr wie in den eingangs erwähnten Klassikern: Ihr dreht euch um eure eigene Achse und beschleunigt in die Richtung, in die eure Spitze zeigt. Zusätzlich könnt ihr schnell nach links und rechts strafen um auszuweichen. Später habe ich die Fähigkeit aber eher dazu genutzt, meine Höhe zu halten und schnell voran zu kommen. Wenn euch das noch nicht überfordert hat: Ihr müsst noch Gegner anvisieren und aus der Luft holen. Fingerknoten vorprogrammiert! Im Zielsystem findet sich auch die größte Neuerung am Gameplay: Ihr schießt nicht wie in Gravitar nur nach vorne, sondern könnt mit der Maus die Richtung eurer Waffen bestimmen.

Schwieriges Schweben

Die Lernkurve ist steil. Sehr steil. Während ihr in den Trainingsmissionen noch damit beschäftigt seid, nicht gegen die Wände zu fliegen, artet das Ganze schnell in Chaos aus, wenn ihr plötzlich mit Verteidigungsanlagen, Nahkampfbots die euch zersägen wollen, Mechs vom Boden und kleinen grünen Raumschiffen in der Luft beschossen werdet. Wem auch das noch nicht ausreicht, dem sei gesagt, das noch bewegliche Hindernisse dazu kommen. Und bei all dem sollt ihr euch noch in der Luft halten.

Ja, das dampfende Ding links hat eben auch noch geschossen.

Allgemein sind die Levels schwer, aber fair konzipiert. Ihr könnt jederzeit zurück zu eurer Landeplattform, von der es auch mal mehrere in einer Mission gibt, um das Schiff zu reparieren oder aber eure Munition an Raketen oder Bomben aufzustocken. Da eure Highscore am Ende des Levels allerdings auf Zeit basiert, ist eine ganze Menge Übung erforderlich, um Gold-Medaillen abzustauben. Wenn euch das ganze zu schwer ist, könnt ihr gegen Fleet Resource (die Währung im Spiel) eure Flotte angreifen lassen. Dann schafft ihr die Mission ganz ohne selber anzupacken. Um euren Geldbeutel wieder zu füllen, müsst ihr – wer hätte das gedacht – selbst Missionen spielen. Hin und wieder findet ihr auch eine Cargo Box, die ihr sicher zu einem Landeplatz eures Vertrauens transportieren müsst, wodurch ihr für die Mission mehr Credits einsacken könnt. Aber Vorsicht: Auch diese Container können kaputt gehen!

Man sieht, ich war nicht sonderlich gut!

Abgesehen von den festen Missionen wird hin und wieder die Flotte der Menschen angegriffen, wo ihr dann bei der Abwehr fleißig mithelfen könnt. Hier haben die Laser-Flaks der Aliens dann plötzlich Schilde, die ihr erst durch das Sprengen der passenden Generatoren ausschalten müsst. Immerhin schießt auch euer Carrier, die Argus, fleißig mit – vorausgesetzt die Gegner sind nicht in engen Höhlen.

Physikalische Überraschung

Ganz so schlimm wie in der Absatz-Überschrift ist es nicht – Captain Kaon bietet eben die Grafik, die eine Hommage braucht: Eine klassische. So sehen die Effekte und Schiffe aus als wären wir in guten alten 16-bit Zeiten. Es ist mir nicht ganz bekannt, aber wahrscheinlich sogar von Hand gezeichnet. Auch der Sound scheint von den MIDI-Sounds der 80er und 90er Jahren beeinflusst.

In der Grafik liegt allerdings auch die für mich größte Krux: Die Gebiete, egal ob ich auf dem Mars, auf Ceres oder der Erde fliege: Die Gebiete sehen immer gleich aus. Ja, ich finde statt Schnee plötzlich Kristalle, aber es sieht immernoch sehr generisch aus. Auch die Gegner sehen selten stark unterschiedlich aus, meistens sieht man nur eine andere Waffe und Färbung.

Physikalisch könnt ihr tatsächlich große Überraschungen im Verhältnis zu den Klassikern erwarten: Wenn ihr eine Cargo Box oder eine Generatorbatterie transportiert, schwingt euer Schiff je nach Gewicht des transportierten Guts hinter her – hier heiß es vorsichtig sein und gegensteuern! Auch die Wracks von Gegnern beschleunigen im Fall. Leider habe ich auf unterschiedlichen Planeten keine Unterschiede in der Gravitation feststellen können, was hier natürlich das i-Tüpfelchen gewesen wäre. Auch fliegen sich die verschiedenen Schiffe meiner Meinung nach zu ähnlich.

Während des Spielens konnte ich keinerlei Bugs feststellen, allerdings zeigen die Early Access Reviews hier andere Zeichen – dennoch auch von den bisherigen Spielern auf Steam ausnahmslos empfohlen.

 

Fazit

Ein absoluter Pflichtkauf für alle, die gerne nochmal die alten Space-Thrust-Games der 80er und 90er Jahre erleben wollen - Spieler, die keine Frustresistenz besitzen, sollten auf jeden Fall die Finger hiervon lassen.
Positiv
  • Lässt das alte Atari wieder aufleben
  • In sich stimmige Grafik
  • Schöne Sounds
  • Physik ist gelungen
  • Schöne Neuerung des Genres durch getrennte Steuerung von Waffen und Schiff
Negativ
  • Story kaum vorhanden
  • Missionsgebiete sehen nahezu immer gleich aus
  • Charakterportraits sind nicht schön gezeichnet
  • Schiffe spielen sich zu ähnlich
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