Test – Disgaea 5: Alliance of Vengeance

Nachdem der letzte Teil der Disgaea-Reihe eine Fortsetzung des ersten Teils war, erscheint mit Disgaea […]

Nachdem der letzte Teil der Disgaea-Reihe eine Fortsetzung des ersten Teils war, erscheint mit Disgaea 5: Alliance of Vengeance ein brandneuer Teil. Wie schlägt sich das große Taktik-Rollenspiel-Monster im Test?

 

Killia hat es nicht leicht. Kaum tritt er gegen die Armee des Oberschurken Dark Void an, klebt die überhebliche Overlord-Dame Seraphina an ihm, um die er sich fortan kümmern muss. So startet die Geschichte im neuen Taktik-Rollenspiel Disgaea 5: Alliance of Vengeance.

Wer eines der älteren Teile der Reihe gespielt hat, wird sich sofort heimisch fühlen. Vom der Basis aus, wo man sich noch frei bewegen kann, hangelt man sich beim Dimensionstor von einer Welt zur nächsten und steht in dem Kämpfen auf einem Spielfeld seinen Feinden gegenüber. Nun kann man maximal 10 der eigenen Figuren aus dem Basis-Feld in den Kampf schicken und sich in isometrischen Ansichten über die Spielwelt bewegen. Dies geschieht rundenbasiert, d.h. zuerst werden die eigenen Figuren bewegt und dürfen einen Angriff vornehmen, dann ist der Gegner dran.

Anstatt einem Angriff besteht auch die Möglichkeit Magie anzuwenden oder einen Gegenstand zu benutzen. Wobei hier die Klasse des Zombie-Zimmermädchens eine Ausnahme bildet. Denn diese brandneue Figur-Klasse darf sowohl einen Angriff vornehmen als auch einen Gegenstand benutzen. Des Weiteren gibt es da noch die klassischen Klassen wie Heiler, Kämpfer, Magier und Monster. Die Auswahl ist sehr groß und man schaltet im Verlaufe des Spieles immer weitere Klassen frei, was für immer neue Motivation sorgt.

Story

Während die Vorgänger stets durch lustige und ziemlich abgedrehte Geschichten glänzten, ist Disgaea 5 wesentlich düsterer und dramatischer. Selbstverständlich steht auch hier der Humor im Vordergrund, doch im direkten Vergleich mit den älteren Teilen werden mehr dunklere Töne angeschlagen.

 

Die Story wird durch hübsche Artworks im knuffigen Design erzählt

Es herrscht Krieg zwischen den einzelnen Welten der Dämonen. Jede Dämonenwelt, die Netherworlds genannt werden, wird von den sogenannten Lost überfallen und übernommen. Angeführt wird die Lost Armee von Dark Void, gelangweilter Fiesling, dessen Kraft scheinbar alle zu übersteigen scheint.

Man startet mit dem geheimnisvollen Killia, wie er Overlord-Dame Seraphina gerade vor der Lost Armee gerettet hat. Sie ist sofort Feuer und Flamme für den Helden, der allerdings weniger von ihr angetan ist und aus noch unbekannten Gründen sich entschlossen hat, gegen Dark Void und die Lost Armee anzutreten. Seraphina hingegen hat einen einfachen Grund: Sie sollte mit Dark Void verheiratet werden, also möchte sie ihn umbringen.

Als sie dann auch noch auf Red Magnus treffen, einen weiteren Overlord, vereinen sie ihre Kräfte, um gegen immer mehr Dämonen der Lost kämpfen zu können. Immer mehr Overlords von den anderen Netherworlds schließen sich schließlich den Helden an und gründen so eine Rebellen-Organisation, die Dark Void immer mehr zu stören scheint.

Der gesamte Plot ist ziemlich vorhersehbar, der Charakter des emotionslosen Helden, der sich seinen inneren Dämonen stellen muss, ist extrem Klischee-behaftet und auch sonst sieht man jede noch so überraschende Wendung schon lange vorher kommen. Dennoch macht die Geschichte Spaß, da die lustigen kleineren Zwischensequenzen genüsslich zum schmunzeln einladen.

Das ist neu

Im neuesten Ableger der Disgaea-Reihe dreht sich diesmal alles um Rache. Nicht nur dass nahezu jede der Figuren im Spiel noch eine Rechnung mit Dark Void oder einem seiner Schergen offen hat, gibt es nun als große Neuerung den Revenge-Mode. Jede Figur besitzt nun eine Revenge-Leiste, die sich nach Treffern oder dem K.O. von befreundeten Figuren immer weiter füllt. Sobald diese Leiste vollständig aufgeladen ist, werden die Angriffe stärker und die Statuswerte verbessern sich. Bei den Overlord-Figuren im Team ist es im Revenge-Mode zudem möglich, besondere Angriffe oder andere Spezial-Manöver auszuführen.

Eine weitere Neuerung sind die jetzt direkt auswählbaren Side-Quests. In der Basis lassen sich nun Quests auswählen, wie z.B. das Töten von 5 Zombies oder das Einsammeln von bestimmten Gegenständen. Als Belohnung winken dann neben Geld, Gegenständen auch neue Klassen oder sogar spezielle Figuren, die sich dann dem Team anschließen.

Dsigaea 5 bietet eine Vielzahl von charmant designten Figuren

 

Eine spielerische Neuerung ist der „Monster-Toss“. Wo die menschlichen Figuren bisher die einzigen in der Lage waren, Mitstreiter, Gegner und Objekte zu werfen, musste man bei den Monstern stets darauf verzichten. Zwar können die Monster nun immer noch nicht werfen, dafür können sie nun „schubsen“. Man muss nur eine Figur zu einem Monster werfen und sie wird in die Richtung geschubst, in der das Monster steht. Das sorgt für ganz neue taktische Möglichkeiten.
Praktisch ist auch die Tatsache, dass man nun neue erstellte Figuren gegen Geld direkt auf den aktuellen Level gesetzt werden können. So erspart man sich das mühevolle aufleveln von Level 1 an bei neuen Figuren. Allerdings müssen Fähigkeiten und Zaubersprüche auch bei Figuren erst erlernt werden, selbst wenn sie mit Level 100 startet.

Es gibt noch viele weitere Neuerungen wie z.B. den Curry-Shop, allerdings sind es zumeist nur nette Zugaben, über die man sich freut, aber nicht großartig das Spielgeschehen verändern.

Altbekanntes

Neben den vielen Neuerungen kommen auch viele bekannte Elemente zurück. Dabei haben die Entwickler aus allen Vorgängern unterschiedliche Elemente wieder aufgenommen, die in dieser Mischung bisher noch nicht vertreten waren. So öffnen jetzt wieder die Dark Assembly ihre Pforten, bei der man vor einem Gremium von Dämonen um neue Features, Klassen, Einstellungsmöglichkeiten und andere Elemente  bitten kann.

Auch das MagiChange ist wieder mit dabei, wo sich die Monster auf dem Spielfeld in Waffen verwandeln können. Das hat den Vorteil, dass der Führer der Monster-Waffe eine stärkere Waffe hat und zudem beide gemeinsam Erfahrungspunkte sammeln können.

Wer wieder in schier unendliche viele Welten bereisen und zudem seine Gegenstände aufwerten möchte, für den ist auch die Item-World wieder dabei. Dazu ist dann auch gleich das entsprechende Gegenstück für das Aufwerten der Figuren, die Chara-World, auch wieder dabei. Diesmal ist die Chara-World aber ein wenig anders gestaltet. Über ein großes Spielbrett steuert man seine Figur, in dem man die Anzahl der Schritte auswürfelt. Daraufhin landet man stets auf eine Art Ereignis-Feld, wo sich ein Gegner, eine Schatztruhe oder ein Event befinden kann. Da hier beim Würfeln eher Glück gefragt ist, bringt dieser Modus ein wenig Abwechslung zum ansonsten sehr strategischen Spiel.

Ein Map-Editor findet man auch wieder im aktuellen Disgaea. Leider nicht ganz so umfangreich wie es andere Spiele anbieten und viele Gegenstände müssen erst mühsam erspielt werden, dennoch eine nette Dreingabe.

Gefangene Gegner können gefoltert und dann zu einem Team-Mitglied gemacht werden

 

Viel interessanter sind wieder die Gefangenen, die man machen kann. Während man in früheren Teilen die Gegner in das eigene Basis-Panel geworfen hat, um die Gegner zu fangen, können nun einige der Figuren zu einem „Catch-Squad“ zugewiesen werden. Diese Figuren können dann überall auf der Karte Monster fangen, sofern sie ein wenig geschwächt wurden. Daraufhin befinden sich die Gegner im Gefangenenlager und man kann sie wieder verhören und foltern, um sie für das eigene Team anzuwerben oder als Mitglied der eigenen Netherworld einbürgern zu lassen.

Technik

Es ist wie es schon immer bei der Disgaea-Reihe war und es ändert sich auch jetzt nicht. Nippon Ichi hat mit Disgaea 5 wieder ein grafisch sehr einfaches Werk abgeliefert, was optisch keinem vom Hocker reißt, aber technisch absolut sauber läuft. Zwar gibt es immer mal wieder ein paar nette Details in den einzelnen Ebenen, aber Hintergrund und Hindernisse sind relativ kantig und die Texturen teils sehr eintönig.

Dafür sprühen die vielen verschiedenen Figuren vor künstlerischem Charme und bieten als Bitmap-Sprites deutlich schönere Darstellungen der Figuren als es Polygone könnten. Auch die vielen Zwischensequenzen werden mit wunderschönen gezeichneten Artworks erzählt, die zwar nicht vollständig animiert sind, aber den Spieler dennoch in die Geschichte hineinziehen. Auch die neuen Skits, also kurze Plaudereien der Figuren, wie man sie bisher aus der Tales-Of-Reihe kennt, haben schöne Charakter-Bilder, wo allerdings auch ein wenig mehr Abwechslung möglich gewesen wäre.

Wer ein grafisches Brett wie The Order erwartet, wird hier natürlich enttäuscht, aber die liebevollen Figuren, die im japanischen Anime-Stil gehalten sind, trösten über fehlende technische Spielereien hinweg.

In der Basis können die Figuren frei herumlaufen

Sound

Liebhaber von Original-Vertonungen kommen auch diesmal wieder bei Disgaea voll auf ihre Kosten. Im Spiel kann man zwischen einer englischen Sprachausgabe und der japanischen Original-Tonspur hin und her wechseln. Beide Sprachen sind exzellent gesprochen und treffen jeweils sehr gut den Charakter der jeweiligen Figur, auch wenn die japanische Tonspur wieder einmal einen Ticken besser gelungen ist. Da die gesamten Texte auch in Text-Boxen noch einmal angezeigt werden, kann man also getrost auch die japanische Sprache auswählen. Eine deutsche Sprachausgabe ist leider nicht vorhanden.

Auch die Musik ist wunderschön. Beim ersten freien Herumlaufen in der Basis ertönt ein wunderschönes Musikstück, welches mit dem seichten weiblichen Gesang einer sehr eigene Stimmung erzeugt. Aber es passt wunderbar zu der gesamten Szenerie. Auch die ganzen anderen Stücke sind wieder sehr typisch für die Disgaea-Reihe und voller instrumentaler Raffinesse. Natürlich sind auch wieder bekannte Stücke dabei und auch interessante Variationen alter Stücke.

Grundsätzlich ist die Musikuntermalung und Sprach-Ausgabe sehr gelungen. Die Sound-Effekte der Attacken und Special Effects könnten hingegen ein wenig kräftiger ausfallen, passen aber weitestgehend sehr gut zu dem dargestellten Geschehen.

Fazit

Taktik-Rollenspiel-Liebhaber werden nicht um Disgaea 5 herumkommen. Das Genre der Taktik-Rollenspiele wird im Westen nicht gerade ausreichend bedient, allerdings ist Disgaea 5 definitiv kein Lückenfüller zum nächsten Blockbuster, sondern ein regelrechtes Umfang-Monster, mit dem man hunderte von Stunden beschäftigt ist. Allerdings könnte für Neueinsteiger das komplexe Kampfsystem, die unzähligen Möglichkeiten und die doch recht trockenen Tutorials durchaus ein Hindernis darstellen. Man darf dabei zudem nicht außer Acht lassen, dass Disgaea schon immer sehr grindlastig war, was zusätzlich einige Spieler abschrecken könnte. Hat man sich allerdings erst einmal an die Spielmechanik gewöhnt und man hat gelernt, wie man seine Truppe immer weiter verbessern kann, eröffnet sich ein extrem umfangreiches und spaßiges Taktik-Rollenspiel. Spieler, die nicht viel mit dem knuffigen Manga-Design anfangen können oder stets nach dem nächsten Grafik-Blender suchen, werden vermutlich auch mit diesem Teil der Reihe nicht glücklich. Alle anderen sollten allerdings wenigstens mal einen Blick riskieren.

 

Zwischendurch gibt es in Disgaea 5 immer wieder mal lustige Plaudereien

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