Test – Dragon’s Dogma: Dark Arisen

Dragon’s Dogma erschien 2012 für die Konsolen Xbox 360 und PS3, ein Jahr später dann […]

Dragon’s Dogma erschien 2012 für die Konsolen Xbox 360 und PS3, ein Jahr später dann in einer Fassung mit dem Add On Dark Arisen. Es sind einige Monde ins Land gegangen, bis Capcom es geschafft hat, den stiefmütterlich behandelten PC mit einer würdevoll portierten Fassung zu beglücken. Vor Kurzem war es dann soweit und es erschien eine komplette Sammlung mit Steam-Anbindung. Aufgrund dieser zeitlichen Kluft wird der folgende Test strikt unterteilt sein. Der erste Teil behandelt den Inhalt, der identisch mit den Konsolenversionen ist, der zweite Teil spezifische Eigenschaften der PC-Version, die uns nun vorliegt.

Inhalt

Bei Dragon’s Dogma: Dark Arisen handelt es sich um ein japanisches Rollenspiel, das aber sehr starke westliche Züge aufweist. Im Zentrum der Handlung steht der Spielcharakter, dem der namensgebende Drache das Herz herausreißt. Weshalb er dennoch überlebt hat, weiß man am Anfang noch nicht so recht. Jedenfalls macht sich er der frischgemachte Arisen, so die Bezeichnung für den Spieler, auf den Weg in die Hauptstadt der Spielwelt Gransys, um Monster zu schnetzeln und Beute zu sammeln, was sonst?

Alleinstellungsmerkmal von Dragon’s Dogma ist, dass man immer in einer Gruppe aus sogenannten Pawns unterwegs ist, eigenständigen NPCs, von denen man sich einen selbst erstellt. Dieser wird genauso liebevoll und detailliert erstellt wie der Hauptcharakter des Spielers und levelt gemeinsam mit ihm hoch. Zwei weitere Begleiter können vom Server rekrutiert werden und stellen Kopien der Pawns anderer Spieler dar. Diese leveln aber in einer geliehenen Sitzung nicht mit und müssen daher regelmäßig ausgetauscht werden. Im Gegenzug für ihre Dienste kann man ihrem Herrn ein Dankeschön zurücklassen. Ich bekomme immer nur gammelige alte Fische und Steine. Im Übrigen lässt sich Dragon’s Dogma auch offline spielen, was dazu führt, dass zufällig generierte Pawns die Welt bereisen und dem Arisen ihre Dienste anbieten.

Das Erfreuliche an den Pawns ist, dass sie etwas Charakter mitbringen. Abhängig von den Einstellungen, die man bei der Generierung vornimmt, übernehmen sie verschiedene Rollen. Ein Begleiter, der etwa auf Unterstützung getrimmt wurde, wird versuchen, Gegner von hinten an den Oberarmen zu fassen, damit der Spieler den wehrlosen Tropf traktieren kann. Ebenso lassen sich Eigenarten wie „Sammle auch während des Kampfes Gegenstände auf“ oder „Bleib immer bei mir und heile mich“ durchsetzen. Des Weiteren sind die Pawns Quasselstrippen, was mir persönlich gut gefällt, nicht zuletzt durch den viktorianischen Touch in der englischen Sprachausgabe, „Fire, lend me thy kiss!“ Dass Sätze wie „Wolves hunt in packs“, leider inflationär vorkommen, trübt die Stimmung etwas, stört aber nicht gravierend, da die meisten Hinweise wirklich nützlich sind, etwa dass ein Geist sich nicht durch Klingen töten lässt und Magie verwendet werden sollte.

Die Spielwelt selbst ist ziemlich groß und stellenweise etwas öde, doch das steht im krassen Gegensatz zu vielen Rollenspielen, deren Welten eher wie ein Vergnüngungspark aufgebaut sind, in dem an jeder Ecke etwas Seltsames geschieht. Echte Landschaften sind nunmal auch gerne redundant und eintönig, das erhöht die Glaubwürdigkeit und ist in meinen Augen als Plus anzurechnen. Durch dauernd wiederkehrende Wölfe, Wegelagerer und anderes Gesocks kann das Reisen ohne Ferrystones (Teleportationsrunen) ziemlich ermüdend werden, andererseits kommt man so laufend dazu, das elaborierte Kampfsystem zu nutzen. Wenige Rollenspiele schaffen es, Dynamik in das Gekloppe zu bringen und gleichzeitig großen Wert auf Charakterwerte zu legen. Speziell der Nahkampf ist viszeral und macht sehr viel Laune, da schöne Animationen sauber ineinandergreifen und durch Spezialangriffe aufgelockert werden. Eher ernüchternd fand ich die Kämpfe jedoch als Bogenschütze oder Magier, denn es besteht weitestgehend daraus, auf der Stelle zu treten und Feinde mit Projektilen zu beharken. Darum entschied ich mich, selbst an vorderster Front zu stehen und meine Lakaien die langweilige Arbeit machen zu lassen.

Der Spieler hat die Wahl zwischsen neun Klassen, die die Archetypen Krieger, Dieb und Magier oder eine spezialisierte Form dieser repräsentieren beziehungsweise einen Hybriden aus zweien dieser klassichen Pfade. Den Pawns sind die Hybridklassen übrigens verboten, sie dürfen nur aus den sechs klar definierten Berufen wählen. Erfrischend ist, dass man die Klasse in der Hauptstadt wechseln kann, wodurch Stats beim Level-Up beeinflusst werden. Abgesehen davon hat jede Profession eine eigene Stufe, die bestimmt, welche der verfügbaren aktiven und passiven Talente man wählen darf. Einmal freigeschaltet, lassen sich diese aber kombinieren. So kann man etwa Spezialangriffe für das Schwert, die dem Repertoire des Kämpfers entspringen, dem mystischen Krieger zuweisen, der auch Klingen nutzt.

Dass Capcom am Werke war, merkt man an einer Prise Monster Hunter, denn ab und an begegnet die Gruppe größeren Monstern wie etwa Chimären, die eine besondere Herausforderung darstellen und systematisch angegriffen werden sollten. Empfehlenswert ist es, besondere Körperteile anzugreifen, die Spezialattacken verleihen, etwa Schwänze. Der Zyklop zum Beispiel hat seine Schwachstelle an seinem einzigen Auge und um dieses zu erreichen, kann man an seinem Körper hochklettern, während er dies natürlich vehement zu verhindern versuchen wird. Knifflig wird es, wenn er einen Helm trägt, der zuerst zerstört werden muss. Insgesamt sind die Bosskämpfe sehr spannend, doch die Euphorie verfliegt schnell, wenn man merkt, dass diese Biester mit einem gewaltigen Lebenspunktepool ausgestattet sind und es quälend lang dauert, sie trotz richtiger Technik zur Strecke zu bringen. Da hätte ich mir gewünscht, dass sie stärker austeilen, gleichzeitig aber auch an ihren Achillesfersen deutlich verwundbarer sind.

Kurze Anmerkung: Oftmals liest man, dass Dragon’s Dogma sich ähnlich spiele wie Dark Souls. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich dieser Aussage in keiner Weise zustimmen kann. Während Dark Souls berechnendes und zielstrebiges Verhalten des Spielers belohnt, weil ein falscher Schritt oftmals tödlich endet, ermutigt Dragon’s Dogma eher zur rücksichtslosen Angriffen, denn es geht viel schneller zu und die Pawns heilen einen aufmerksam hoch, wenn man stark verletzt wurde. Diese lassen sich auch beliebig häufig durch eine kurze Aktion wiederbeleben, wodurch lediglich ihre maximalen Trefferpunkte leiden. Lediglich der Tod des Spielers ist ein Game Over und erfordert das Laden eines Speicherstandes.

PC-Version

Vorab: Die neue Version für Heimrechner stellt keine Remastered-Version oder dergleichen dar, das heißt, dass die Graphik nicht überarbeitet wurde. Sie lässt sich aber hochdrehen und wirkt dennoch weitaus hübscher als auf den alten Konsolen, allerdings merkt man ihr das Alter trotz allem an. Was nicht heißt, dass Dragon’s Dogma hässlich sei; es ist nur nicht State of the Art. Die Graphikoptionen lassen kaum Wünsche offen und die Performance lässt sich nach Belieben regulieren. Auch die Bildrate kann von sämtlichen Ketten befreit werden, sodass 120 FPS (und vermutlich mehr) möglich sind. Saubere Arbeit.

Äußerst ärgerlich finde ich jedoch, dass sich Xbox 360-Controller nicht beliebig belegen lassen, im Gegensatz zu Maus und Tastatur. Wenn ich also lieber mit B springen und mit A Gegenstände aufsammeln möchte, habe ich gelitten. Es ist nicht dramatisch, da die Prekonfiguration in Ordnung ist, aber es läge vermutlich im technisch möglichen Rahmen, sowas einzurichten.

Zum Umfang der PC-Version gehört  auch eine Reihe von DLCs, etwa Madelaines Kleidung, die Robe der Königin oder das Nonnengewand. In der Konsolenversion waren diese auch enthalten, aber nur für Besitzer von Dark Arisen, ergo standen sie PlayStation Plus-Kunden, die das Spiel per se nicht besaßen, nicht zur Verfügung, konnten aber gekauft werden. Diese Sets sind besonders am Anfang ein netter Boost, werden aber spätestens nach sechs Spielstunden obsolet und durch besseres Equipment ersetzt. Dennoch sind sie recht nützlich, um den persönlichen Pawn auszustatten, da in den ersten Stunden das Geld vorne und hinten nicht reicht. Der Eternal Ferrystone, der unendliche Schnellreisen erlaubt, war ursprünglich exklusiv für Spieler, die von der ursprünglichen Version auf Dark Arisen gewechselt sind und ihren Spielstand behielten. Insofern legte Capcom uns da ein semi-exklusives Schmankerl bei, doch ich rate dringend von der Nutzung ab, da das dauernde Teleportieren Dragon’s Dogma etwas den Biss nimmt.

 

Fazit

Capcom schafft es, nach vier Jahren einen äußerst beliebten Titel für den PC zu portieren und dabei auch noch die Heimrechner-Gemeinde glücklich zu machen, denn technisch ist alles sehr sauber gelöst und die ersten Mods sind auch bereits verfügbar. Schön ist dabei, dass auf weitere DLCs verzichtet wird, da alle bereits enthalten sind. Selbstverständlich möchte man mit Dragon’s Dogma: Dark Arisen für Steam die Spielergemeinde für Dragon’s Dogma Online vorbereiten, das nach bisherigen Kenntnisstand exklusiv für den PC erscheint und Free2Play sein wird. Abgesehen davon, dass diese neue Version in erster Linie ein Marketingmove ist, lohnt das Abenteuer in Gransys voll und ganz. Für Spieler der Konsolenversion ist es natürlich mangels Neuerungen auf inhaltlicher Ebene weniger interessant, doch all diejenigen, die darauf gewartet haben, können guten Gewissens den zugreifen, da der Content und Wiederspielwert in äußerst guter Relation zum Kaufpreis stehen.

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