Test – Gravity Rush Remastered

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. In Gravity Rush schon. Denn als wir zum […]

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. In Gravity Rush schon. Denn als wir zum Start des Games einen Apfel solange anstupsen, bis er herunterfällt, landet er sehr, sehr tief in der Wolkenstadt Hekseville und rollt noch weiter, bis er schließlich bei der schlafenden Heldin Kat landet.

Kaum hat man das Spiel gestartet, wird man mit der grundlegenden Steuerung vertraut gemacht. Da es sich bei Spiel um ein Action-Adventure handelt, lernen wir zunächst zu laufen und zu springen. So sind wir es schon aus vielen anderen Spielen gewohnt. Doch dann kommt es schnell zu dem außergewöhnlichsten Element in Gravity Rush: Kat kann mithilfe ihrer Katze Dusty die Gravitation von sich sowie Teile ihrer Umgebung beeinflussen und so durch die Luft fliegen, an Wänden entlanglaufen oder an der Decke stehen. Damit eröffnen sich im wahrsten Sinne des Wortes ganz neue Perspektiven.

Was passiert?

Kat hat ihr Gedächtnis verloren. Sie wacht in einer Seitengasse von Hekseville auf, einer fliegenden Stadt, die von schweren sogenannten Gravitationsstürmen heimgesucht wird. Das sind gefährliche Naturphänomene, die Menschen, Häuser und sogar ganze Stadtviertel in eine andere Dimension saugen können.

Und gleich die erste Aufgabe von Kat ist es, einen Jungen zu retten, der gerade dabei ist, von so einem Gravitationssturm weggerissen zu werden. Ein Glück hat Kat noch die mysteriöse Katze Dusty bei sich, die ihr die seltsame Fähigkeit verleiht, die Gravitation zu beeinflussen. So ist es schnell geschafft, zu dem Jungen zu fliegen und ihn dann sicher auf dem Boden zu setzen.

Doch die Bevölkerung von Hekseville ist nicht wirklich glücklich, denn Angst macht sich breit. Unbekannte Wesen namens Nevi erscheinen, die eine unheimliche Ähnlichkeit mit Insekten oder Spinnentieren aufweisen. Und diese greifen alles an, was sich ihnen in den Weg stellt. Nur Kat scheint sich diesen Wesen in den Weg zu stellen zu können, indem sie ihre Fähigkeiten nutzt, um gegen diese Bedrohung zu kämpfen.

Kaum hat Kat die Invasoren ein wenig zurückgedrängt, lernt sie einen seltsamen alten Mann kennen, der sich ihr als Schöpfer vorstellt und in seinem Mantel ein Tor in eine andere Dimension verbirgt. In diese springt Kat auch gleich hinein, um dort gegen weitere Nevi zu kämpfen und verlorene Stadtteile wiederzufinden, die in den Gravitationsstürmen verlorengegangen sind. Denn diese sollen sich laut dem geheimnisvollen Mann in jenen Dimensionen befinden. Und natürlich möchte Kat nichts lieber als den Menschen helfen.

Kaum hat Kat einen verlorenen Stadtteil wiederbeschafft und mit der Stadt wieder verbunden, wird sie von Raven angegriffen, einer jungen wilden Frau, die scheinbar die gleichen Fähigkeiten besitzt wie Kat, nur dass sie anstatt von einer Katze von einem Raben begleitet wird.

Warum greift Raven an? Woher kommen die Nevi? Kat wird mit ihrer Katze den Antworten immer näher kommen, während in der Stadt noch ein politischer Umschwung stattfindet.

Wie spielt es sich?

Die flinke Kat steuert sich sehr einfach, während sie auf dem Boden läuft. Wie aus anderen Spielen gewohnt dient der linke Analog-Stick zum Bewegen der Figur, während man mit dem rechten die Kamera nachjustiert. In der Luft hingegen bewegt man sich ein wenig anders vorwärts. Mit dem rechten Analog-Stick sucht man sich die Richtung aus und mit der Gravitationstaste gleitet man dann dorthin. Mit dem rechten Analog-Stick kann man dann wie gewohnt den Flug korrigieren. Das kann man übrigens auch durch das Bewegen des Controllers machen, da die Six-Axis-Steuerung unterstützt wird und diese das Fliegen sogar noch ein wenig präziser macht.

Hat man die erste Mission erledigt und die Steuerung verinnerlicht, kann man die Stadt frei erkunden. Die offene Welt wird mit fortlaufender Geschichte immer größer und immer weitere Stadtteile kommen hinzu die die Umgebung abwechslungsreicher gestalten. Wie in klassischen Open World-Spielen warten zahlreiche Nebenaufgaben in den einzelnen Stadtteilen, während man nach erfolgreichen Missionen in anderen Dimensionen auch dorthin zurückkehren kann, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. So transportieren wir Menschen von einem Punkt zum anderen, stellen Sensoren auf oder müssen unter Zeitdruck eine bestimmte Anzahl von Gegnern bekämpfen. Es gibt viel zu tun in der Welt von Gravity Rush.

Im Kampf gegen immer größere Nevi und andere Feinde kann man die Fähigkeiten von Kat im Verlaufe des Spiels immer weiter ausbauen, indem man eingesammelte Kristalle in mehr Gesundheit, längere Flugzeiten oder stärkere Angriffe investiert. Denn auch die Gegner werden immer fordernder.

Zum Glück leuchten die Schwachpunkte der Nevi auffällig auf, sodass man diese gezielt angehen kann. Durch die Flug- und Gleitfähigkeit werden die Kämpfe nur selten schwerer und die eigentliche Herausforderung besteht teils darin, die Übersicht zu behalten und nicht die Orientierung zu verlieren. Das kann dann bei wilden Flugmanövern doch sehr schnell passieren.

Eine gute Umsetzung des PS Vita-Originals?

Die PlayStation Vita-Herkunft kann Gravity Rush nicht verleugnen. Hekseville ist ziemlich steril und detailarm. Doch der gelungene Cel Shading-Look kann das gut kaschieren, sodass man schnell in die Spielwelt eintauchen kann, ohne sich über blasse Texturen oder Popups zu ärgern. Auch die leicht steampunkige Kulisse der Stadt sorgt für einen stimmigen Flair. Das gesamte Artdesign ist vollständig aufeinander abgestimmt und man hat stets das Gefühl, in einer fremden Welt zu sein, welche aber eine eigene Identität besitzt.

Kleinere Details wie Kats Haare, die sanft im Wind wehen und bei seitlichen Wandläufen stets in die Richtung fallen wo sich der eigentliche Boden befindet runden das stilsichere Artdesign ab. Auch die Bevölkerung der Stadt ist in dem passenden Comic-Look gehalten und so reich an Variationen, dass man nicht ständig das Gefühl hat, in einer Welt voller Klone zu wandeln.

Das Geschehen läuft stets flüssig und gerät auch bei größeren Gegneraufkommen nicht aus dem Ruder. Ausufernde Effekte und spektakuläre Lichtspiele sucht man zwar vergebens, aber die dezenten Darstellungen sorgen für ein ordentliches Gesamtbild. Dennoch hätte man sich für die PlayStation 4-Version ein paar mehr Effekte gewünscht.

Die Musik-Untermalung von Gravity Rush ist sehr dezent. Die einzelnen Stadtteile von Hekseville haben jeweils ein eigenes Musikstück, das stets einen eigenen Flair erzeugt. Die meisten Stücke klingen sehr jazzlastig und passen hervorragend in die Welt von Gravity Rush, die eine Mischung aus 20er Jahre, Steampunk und alten Dörfern Europas zu sein scheint, die teilweise so auch aus Anime-Filmen von Studio Ghibli stammen könnten.

Zwar gibt es eine Sprachausgabe, allerdings werden alle Gespräche in einer künstlichen Sprache geführt, die sich wie eine Mischung aus Russisch, Französisch und Japanisch anhört, was zu dem Stil der Stadt aber sehr gut passt. Allerdings sind nur ein paar Zwischensequenzen entsprechend vertont und animiert. Die meisten Geschehnisse werden in Comic-Seiten erzählt, die den Fortschritt der Geschichte gelungen einfangen. Und die sehen sehr schick aus.

Fazit

Gravity Rush ist ein außergewöhnliches Action-Adventure mit spannendem Gravitations-Feature. Die Geschichte ist verwirrend, mysteriös und sorgt bis zum Ende für Spannung, auch wenn immer neue Fragen aufkommen. Zudem ist die Handlung interessant erzählt in einer sehr stilsicheren Umgebung, die aber zum Teil mit Detailarmut zu kämpfen hat. Auch bunte Farben sucht man vergebens, was aber auch die Stimmung in der Stadt gut widerspiegelt.

Wer Gravity Rush schon für die PlayStation Vita besitzt, braucht hier nicht noch einmal zuzugreifen. Die bessere Auflösung und die wenigen neuen Inhalte sorgen alleine leider nicht für einen erneuten Kaufgrund. Wer allerdings das Abenteuer noch nicht kennt, sollte mal einen Blick riskieren. Die Gravitations-Spielerei ist noch sehr unverbraucht und sorgt für frischen Wind. Es macht einfach Spaß, mit Kat von einer Wand zur nächsten zu fliegen. Doch man sollte sich bewusst sein, dass man hier nur einen einfachen Port von einem PlayStation Vita-Spiel bekommt, wenn auch von einem sehr guten.

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