Test – Jurassic World Evolution

Funktioniert die Dinosaurierzucht 15 Jahre nach dem letzten Jurassic Parkbuilder immer noch oder ist Jurassic World Evolution in der Kreidezeit hängen geblieben?

Ich glaube, zur Veröffentlichung des ersten Filmes, Jurassic Park, war ich gerade neun Jahre alt. Außerdem hatte ich ein echtes Faible für Dinosaurier. Danach ging ein Traum mit den Spielereihen für mich in Erfüllung, sei es das (eher schlecht als rechte) Jurassic Park für den Super Nintendo, das leider unfertige Trespasser (trotz allem ein Favorit für mich persönlich) und die tolle Parksimulation Jurassic Park: Operation Genesis – in deren Fußstapfen nun die Profis der Planet Coaster und RollerCoaster Tycoon Spiele treten wollen: Frontier Developments. Können sie mit ihrem Wissen eine gute Jurassic Park-Simulation schaffen?

Alltägliche Szene im Dinopark: Raptor frisst Besucher.

Urlaubsparadies mal anders

Ihr startet in Jurassic World Evolution erst einmal mit einer einzelnen Insel des „Muertes Archipels“ – der Isla Matancero. Insgesamt gibt es fünf Inseln, die mit den Szenarios anderer Aufbauspiele gleichzusetzen sind. Dabei werden euch stets andere kleinere Aspekte des Spiel vorgesetzt, auf der Isla Muerta herrscht z.B. immer mal ein heftiger Tropensturm, während ihr auf der Isla Pena mit dem Umbau einer schlecht laufenden Parkanlage betraut werdet. Eine Ausnahme bildet hier die sechste Insel, Isla Nublar, die als eine Art Sandbox mit unendlich viel Geld und einigen wenigen Einstellungsmöglichkeiten dient. Während des Spiels könnt ihr zwischen den einzelnen Inseln wechseln und euren Fortschritt mitnehmen, nur das Geld ist anscheinend direkt auf den Inseln selbst gelagert. Allzu schwer sind aber alle Situationen nicht, ihr müsst es nur schaffen, in eine ordentliche Gewinnspanne zu kommen – Schade, hier wäre mehr Potenzial gewesen. Die Ideen hinter den unterschiedlichen Situationen ist gut durchdacht, aber eben nicht zu Ende geführt und dementsprechend nicht allzu schwer gehalten.

Hier könnt ihr euer Inselparadies auswählen und seht praktischerweise auch, welche Herausforderungen auf euch warten.

Mehr Wert wird auf die Präsentation der insgesamt 48 unterschiedlichen Dinosaurier gelegt: Wenn ihr den ersten Dinosaurier aus altem genetischen Material klont, kommt wirklich Movie-Feeling auf. Die kleinen bis sehr großen Racker wollen allesamt in ein für sie optimal geschaffenes Biom respektive Gehege gesteckt werden. Dabei spielt die Nahrungs- und Wasserversorgung eine genauso große Rolle, wie die Menge der unterschiedlichen Gattungen und der Gesamtzahl der Dinos in einem Freilaufkäfig. Wenn dann doch mal ein Wert in einen weniger optimalen Bereich fällt, fühlen sich unsere Urzeitfreunde ganz schnell nicht mehr geborgen, das Gehege wird aufgebrochen und im Park bricht eine Panik aus – Schadensersatzklagen drohen mit einem dicken Minus in der Wirtschaft. Jurassic World Evolution hat die Prioritäten ganz klar auf den Umgang mit den Echsen gelegt – was abgesehen von der leichten Ähnlichkeit zu Tamagotchis gar nicht so schlecht ist.

Scharfer Zähne, fieser Blick – ein Ceratosaurus.

Genmanipulierte Attraktionen

Das Spiel glänzt auch entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse mit seiner Nähe zur Filmvorlage. Die Urzeitriesen sind allesamt optisch den Filmen entliehen, was Filmfreunden eine sofortige Verbundenheit zu ihnen gibt. Ihr könnt sogar ihre Hautfärbung und kleine Stellschrauben wie Aggressivität, Lebensdauer, Verteidigung im Kampf und ähnliches per Genmanipulation verändern. Dazu müsst ihr allerdings erst das Genom des jeweiligen Dinosauriers analysieren – eine Expedition zur Ausgrabungsstätte bezahlen und darauf hoffen, dass euch die Archäologen und Paläontologen brauchbare Fossilien bringen. Ab einer Genomvollständigkeit von 50% dürft ihr dann den jeweiligen Dino klonen und im Park rumlaufen lassen, allerdings ist bei den 50% kaum Manipulation der Werte möglich. Hier kommt ein wichtiger Denkanstoß des Spiels: Will ich lieber eine langlebige Attraktion oder doch eine, die spektakulärer auf die Besucher wirkt? All das müsst ihr bei der Manipulation eurer Saurier beachten.

Oben am Rand könnt ihr die Slots sehen, in denen ihr die Gene verändern könnt. Je mehr ihr vom Genom des Dinosauriers kennt, desto mehr könnt ihr verändern.

Zusätzlich zur Entschlüsselung neuer Urzeitviech Genome könnt ihr noch in verschiedenen Richtung forschen: Es wollen Medikamente, Gebäude Upgrades, neue Gebäude, Gehege, Expeditionsziele und Gene (zur eben erwähnten Manipulation) bezahlt werden. Die Gebäude Upgrades sind eher als Luxus zu betrachten, sie erhöhen die Ausbeute des Kraftwerks oder aber die Geschwindigkeit, mit der eine Expedition durchgeführt wird. Interessanter sind hier die Gene und Gehege Upgrades: Habt ihr schon mal versucht, einen T-Rex mit erhöhter Aggresion hinter Absperrband festzuhalten? So ein Mist, da kommen wieder Schadensersatzklagen auf den Park zu….

Die Besucher selbst haben leider kaum Bedürfnisse: Ihr könnt in eine Ansicht schalten, in der euch gezeigt wird, wo die Kunden hungrig sind oder Durst haben, aber einen wirklichen Einfluss auf die Besucherzahlen ergo euer Einkommen hat nur euer aus dem Jura entsprungener Zoo. Weitere Stellschrauben der Park Funktionalität: Kraftwerke, die Strom produzieren und deren Verteilung und eine Infrastruktur, die die Besucher am besten direkt vor die Beobachtungsplattformen des Geheges und danach ins Hotel setzt – Ernsthaft: Die Faulheit euer Besucher scheint wirklich groß zu sein, denn gefühlt muss an jedes Gehege der Bahnhof eurer Einschienenbahn, die man erst auf der zweiten Insel freischalten kann, stehen. Dazu kommt eine dauerhafte Platzproblematik, denn die Gebäude sind einfach unverschämt groß und eine Höhen- und Tiefenanzeige gibt es leider auch nicht. Dekorationen sind ebenfalls keine zu finden – waren meiner Ansicht nach aber auch nicht nötig, da die Inseln selbst wunderschön sind.

So könnte ihr Park aussehen!

Gutes Personal ist schwer zu finden

Natürlich müsst ihr euch auch um die allgemeine Sicherheit im Park bemühen. Dazu dienen einerseits Ranger, die sich um Krankheiten und die Futterstellen der Dinos kümmern, andererseits eine ACU-Einheit (Asset Containment Unit), die sich im Helikopter um die Betäubung und den Transport eurer geklonten Attraktionen kümmern. Wenn diese mit der Betäubung zu lange brauchen oder die viel zu kurzen KI-Auftragslisten der Ranger euch nerven, könnt ihr euch selbst hinter das Steuer der Fahrzeuge klemmen. Das ist ein wirklich netter Zusatz, denn ihr dürft aus den Fahrzeugen auch selbst Betäubungs- und Medikamentenpfeile schießen, aus dem Radio erklingt (abschaltbare) spanische Musik und wenn euch danach ist, Fotos direkt aus dem Jeep schießen – Außerdem macht es einfach Spaß, durch ein Fleischfresser Gehege zu heizen während selbige hinter einem her jagen. Schade hier: Es passiert nichts, wenn die Dinos euren Jeep oder den Helikopter erwischen.

Bester Ausblick auf euren Park! Die Marker über den Dinos stören lediglich die Aussicht, sind aber spielerisch äußerst nützlich.

Weiteres Personal gliedert sich in drei Gruppen auf, die euch mit Missionen oder Aufgaben versorgen. Diese teilen sich in Unterhaltung, Wissenschaft und Sicherheit auf. Missionen haben hierbei mehrere Stufen und schalten meistens ein neues Genom oder Gebäude frei, Aufgaben dienen dazu eure Kasse zu füllen und den Ruf bei den einzelnen Gruppierungen zu stärken – der Ruf wiederum schaltet ebenfalls neue Genome und Gebäude frei. Diese Rufbelohnungen unterscheiden sich je nach Insel und dienen der weiteren Motivation, wenn man die Insel bereits abgeschlossen hat. Habt ihr mal eine Gruppierung vernachlässigt, neigen diese zur Sabotage eures Parks – das ist mir allerdings in meinem Durchlauf nicht ein mal passiert, deswegen kann ich euch nicht sagen, was die Folge eines Sabotageaktes ist. Ich nehme an, es wird ähnlich wie im Film zu Stromausfällen oder ganz zufällig geöffneten Gehegen kommen.

Ein kurzer Blick ins Kontrollzentrum gibt euch alle wichtigen Daten zu eurem Park.

Freude am Park

Euer Park wird in Sternen gewertet, maximal sind fünf Sterne möglich – dabei spielt die Varianz eurer Dinosaurier eine genau so große Rolle wie die allgemeine Zufriedenheit der Besucher. Wie bereits erwähnt ist letzteres nicht sonderlich schwer zu erreichen. Aber wer kauft ein Spiel mit dem Cover von Jurassic Park, um eine hochkomplexe Wirtschaftssimulation zu spielen? Das Spiel ist definitiv ans Fans gerichtet und erfüllt auch seinen Zweck. Wermutstropfen für mich sind die fehlenden Flugsaurier und aquatischen Bewohner – die konnten wir bereits im Film beobachten und im Spiel scheinen sie ausgestorben. Auch wäre die Fortpflanzung der Urzeitechsen eine tolle Zugabe gewesen, schließlich ging es auch in Michael Crichtons Buchvorlage zum Teil um das alles sagende Zitat „Das Leben bahnt sich einen Weg.“

Auf technischer Seite gibt es absolut Nichts zu meckern: Die Grafik ist zumindest auf der PlayStation 4 Pro grandios, es sieht einfach fantastisch aus, wenn man einem Fleischfresser zwischen wackelnden Ästen beim Verspeisen einer Ziege oder mitten im Kampf zuschaut. Performanceeinbrüche gibt es ebenfalls absolut keine zu vermelden. Auch für die Ohren ist gesorgt: Die Original Synchronsprecher einzelner Filmdarsteller (Jeff Goldblum! Chris Pratt!) machen einen mehr als ordentlichen Job und auch die Einspieler der „Fraktions“-Führer können sich hören lassen. Dazu kommt, dass der Original Soundtrack der Filme verwendet wurde und alle neu erstellten Musikstücke ebenfalls keine Scheu zeigen vom Klang und der Melodie an Filme zu erinnern. Auch die Soundeffekte sowie die Geräusche der Dinosaurier sind einfach überragend. Einzig die Physik scheint hier und da Aussetzer im Park zu haben, wenn man selbst am Steuer des Jeeps sitzt.

Fazit

Eine tolle Präsentation und viel filmischer Flair machen den Titel zumindest nicht langweilig. Die Grafik und der Soundtrack des Spiels machen durchgehend Laune, aber die Langzeitmotivation bleibt hier leider auf der Strecke. Jurassic World Evolution ist Fanservice mit hoher Qualität im Bezug auf die Züchtung der Urzeitriesen, leider bleibt der spielerische Anspruch dabei etwas auf der Strecke. Spaß macht das Ganze trotzdem, ich habe mich permanent wie ein John Hammond gefühlt und mich wie ein Kind gefreut, wenn ich endlich einen neuen Dinosaurier zu Gesicht bekommen habe.
Positiv
  • Coole Präsentation
  • Jeep und Helikopter
  • Original Soundtrack (und schöne neue Stücke)
  • Grafik einfach schön
  • Jeff Goldblum!
Negativ
  • Sehr einfach
  • Mehr Dinosaurier-Sims als Rollercoaster Tycoon
  • Keine Flug- und Wasserdinos
  • Wenig Langzeitmotivation
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