Test – Metal Gear Solid V: The Phantom Pain

Der Name Hideo Kojima ist seit fast 30 Jahren untrennbar mit Metal Gear verbunden. Kaum […]

Der Name Hideo Kojima ist seit fast 30 Jahren untrennbar mit Metal Gear verbunden. Kaum jemand hat es in der Geschichte der Videospiele zu so vielen Auszeichnungen, spannenden Geschichten und einer solch grandiosen Erzählung geschafft wie er. Metal Gear (Solid) ist für viele beinahe schon mehr als eine Spieleserie – es ist eine komplexe und abwechslungsreiche Geschichte, die auf dem MSX2 im Jahr 1987 ihren Ursprung hatte. Grund für die nicht abbrechende Beliebtheit ist vorallem die cineastische Inszenierung für die die Reihe seit Metal Gear Solid auf der PlayStation 1 steht. Langatmige Dialoge und spannende Entwicklungen sind, neben dem Stealth-Gameplay, das, was die Reise durch das gesamte Metal Gear-Universum zu etwas Besonderem macht. All dies treibt Hideo Kojima in seinem fünften und auch letzten Teil der Metal Gear Solid Reihe auf einen dramatischen Höhepunkt. Hat er den Fans ein würdiges Ende geboten? Kommt mit auf die letzte große Reise von Big Boss aka Snake.

Ich werde in diesem Artikel keine Spoiler verwenden, also keine Angst vor möglichen Informationen, die euch das Spiel verderben könnten. Lediglich Inhalte, die man bereits aus diversen Trailern kennt werde ich ggf. ansprechen. Mir war es wichtig erst einen Test zu schreiben, wenn ich das Spiel wirklich zu 100% durchgespielt habe. Ihr erhaltet also einen guten Einblick in die Welt von Metal Gear Solid V: The Phantom Pain nach ca. 150 Stunden Spielzeit.

Die bedrückende und zugleich spannende Atmosphäre wird bereits im Startbildschirm eingeleitet.

 

Der Prolog

Wir schreiben das Jahr 1984. Das Spiel beginnt an der Stelle, wo Metal Gear Solid: Ground Zeroes endete. Der Angriff auf eure Basis kostete euch nicht nur viele Kameraden, nein, es kostete auch euch selbst beinahe das Leben. Erwacht nach 9 Jahren Koma, könnt ihr nur wenig sehen, lediglich die verschwommene Silhouette einer Person, die sich in eurem Krankenzimmer befindet. Es ist eine hübsche Krankenschwester – Glück gehabt. Nach wenigen Augenblicken steht bereits Doktor Evangelos Constantinou vor euch, dieser hat euch über die vielen Jahre behandelt hat und einiges zu erzählen. Vorsichtig versucht er euch zu erklären, was genau mit euch geschehen ist. Nach diesem kurzen Intro zu eurem Zustand macht er unmissverständlich klar: Die Welt sucht und hasst dich. Innerhalb weniger Sekunden merken wir, dass dies nicht nur leere Worthülsen sind, sondern der bittere Ernst. Eines der packendsten Prologe die ich jemals erlebt habe, beginnt…

Hideo Kojima in Bestform. Bei diesem Prolog vergisst man beinahe das Atmen

 

The World Wants You Dead

Noch im Prolog trefft ihr auf einen alten Bekannten, Shalaschaska aka Ocelot. Er führt den Dialog um euch und der gesamten Situation weiter fort, während ihr auf Pferden zu einem Aussichtspunkt reitet. Dort erfahrt ihr auch, dass euer alter Freund und Kamerad Kaz entführt worden ist. Ihr sollt ihn befreien und anschließend mit ihm eure Basis errichten. Die erste Mission dient mehr oder weniger als kleines Tutorial um euch mit der Steuerung und der Umgebung bekannt zu machen. Ebenso bietet es euch die Möglichkeit, euren treuen Begleiter D-Horse besser kennenzulernen. Wie ihr später im Spiel merken werdet, können euch eure Begleiter wirklich das Leben retten.

Eine starke Gemeinschaft unterstützt euch.

Motherbase

Nach der ersten richtigen Mission geht es auf eure neue Motherbase, die natürlich noch nicht besonders groß ist, aber der alten Motherbase zum verwechseln ähnlich ist. Spätestens zu diesem Zeitpunkt merkt man sofort, wie umfangreich das Spiel ist. Die Motherbase ist neben dem Hubschrauber “Pequod” eure Heimat, zu der ihr immer wieder zurückkehren und diese weiter erkunden könnt. Mit der Zeit lassen sich neue Elemente hinzubauen, was wiederrum die Entwicklung neuer Technologien, Waffen und einiger interessanter Spielzeuge ermöglicht. Hierbei gilt folgendes Motto: Umso größer die Basis, desto größer die Möglichkeiten. Neben den vielen Möglichkeiten, die Basis auszubauen, lassen sich auch Trainingsübungen in Form von Abschießen verschiedener Zielscheiben bewältigen. Ein gelungenes Minispiel, was einem fast jeden Nerv kosten kann, wenn man nicht direkt das nächste Ziel findet.

Open-World, soweit das Auge reicht

Viel Open World

Ich muss zugeben, ich habe nie wirklich realisiert, dass Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ein richtiges Open World Spiel sein wird. Warum auch, alle Vorgänger waren immer sehr “story-driven” und hatten eine sehr lineare und packende Geschichte. Entsprechend war ich überrascht als ich merkte, dass das Spiel weitaus größer ist, als ich es mir hätte vorstellen können. Es fehlt leider ein passender Vergleich, aber The Phantom Pain muss sich nicht hinter Far Cry oder Grand Theft Auto verstecken. Ganz im Gegenteil – die Welt ist sehr abwechslungsreich und detailiert dargestellt. Kein Felsen ähnelt dem anderen, das ist bei einem Spiel solchen Umfanges nicht selbstverständlich.

Immer wieder findet ihr verschiedene, teilweise sehr exotische Tiere und Pflanzen, die die sonst sehr trockene und ruhige Landschaft etwas lebendiger machen. Es gibt keine Zivilisten im Spiel, das mag den einen oder anderen stören und die Welt etwas langweilig erscheinen lassen, aber mir ist es nie wirklich aufgefallen und ich habe es nicht vermisst. Dennoch gibt es viele menschliche Gegner im Spiel, die auch gerne einmal mit dem LKW oder dem Geländewagen an euch vorbeifahren. Seid immer auf der Hut.

 

Mission, Durchatmen, Mission

Es gibt viele Missionen – sehr viele. Ohne euch nun den Umfang der Story-Missionen zu verraten, es wird einige Stunden dauern, bis ihr alle Missionen absolviert habt. Nicht zu vergessen sind jede Menge Nebenmissionen von denen es mehr als 150 gibt. Wer bei dieser Zahl schon beeindruckt ist, sollte sich definitiv nicht denken, dass dies schon alles gewesen sei.

Eine Sache, die ich als sehr gelungen und positiv empfunden habe, war die Tatsache, dass sich auch Nebenmissionen im Verlauf der Mission zu einer Hauptmission entwickeln kann. Schon vergessen? Wir sind in einer Open World. Das bedeutet, dass man nach einer Mission direkt zur nächsten Mission laufen, fahren oder reiten kann. Allein dies macht das Spiel sehr gut, denn man kann sich regelrecht im Spiel verlieren und stundenlang umherlaufen, Dinge entdecken, Baupläne finden und dann weiter zur nächsten Mission – ohne Ladezeiten und Unterbrechung. Klasse!

Während der Missionen könnt ihr Soldaten “Extrahieren”. Damit ist gemeint, dass ihr gegnerische Solden betäubt und diese dann via Fulton-Ballon auf eure Basis schicken könnt. Diese Soldaten könnt ihr dann auch auf Mission schicken und somit Ressourcen und neue Rekruten abwerben. Auch wenn es keine Haupt- oder Nebenmissionen sind, die sie abschließen können, so können sie die sogenannten “Externen Aufträge” übernehmen. Diese erscheinen immer wieder und werden natürlich auch im Laufe des Spiels immer schwerer. Hierbei gesammelte Ressourcen können genutzt werden um eure Basis entsprechend auszubauen und Entwicklungen zu tätigen.

Durch diesen Mix von Nebenmissionen und spannender Hauptmissionen entstand bei mir eine große Langzeitmotivation, denn es gibt immer wieder etwas zu entdecken. Mir selbst hat der Gedanke daran, ein Easter Egg von Kojima finden zu können immer wieder einen großen Schub an Motivation verschafft. Wer Kojima kennt weiß, dass diese von minimalistisch bis bombastisch ausfallen können. Bis heute habe ich das Gefühl, noch nicht alles des Spiels gesehen zu haben. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Wahrscheinlichkeit immer wieder neue Dinge zu finden sehr hoch sein wird.

Pequod: Euer Helikopter bringt euch bis ans Ende der Welt und wieder zurück.

 

iDroid: Freund und Helfer

Neben eurer Crew, Ocelot, Kaz und einigen Anderen, ist euer Freundeskreis wirklich sehr gering. Aber keine Sorge, euer iDroid ist immer an eurer Seite. Das iDroid ist eine Mischung aus Smartphone, Walki-Talki und Computer. Mit ihm lässt sich alles überblicken: Eure Motherbase mit allen wichtigen Kennzahlen, eure Missionen, Ressourcen und aktuelle Informationen zur Missionen kommen direkt via Funkspruch bei euch an. Es vereint alles Wichtige an einem Punkt und hilft euch sehr und häufig. Ich finde, dass hier eine sinnvolle und einfallsreiche Lösung für alles gefunden wurde, was für euch interessant und relevant ist.

 

Du bist nicht allein

Im Spiel gibt es eine wirklich große Neuerung: Die Begleiter. Ihr könnt immer allein auf eine Mission gehen, aber oftmals bietet es sich an, einen Begleiter mit dabei zu haben. Es gibt fünf Begleiter im Verlauf des Spiels, jeder hat bestimmte Eigenschaften und bringt gewisse Vor- und Nachteile mit.

Auch in The Phantom Pain sind Hund des Menschen treue Begleiter

Ihr könnt die Begleiter weiter ausstatten und somit verbessern. So ist es zum Beispiel möglich, euer D-Horse mit kugelsicheren Panzerungen zu bestücken. In Zeiten eines heftigen Gefechts sicher eine nicht ganz so schlechte Idee. Mit der Zeit wachsen die Ansprüche an euch, aber auch die Begleiter werden immer mehr und bessere Technologie wird freigeschaltet. Ein wirklich schönes Feature, was es nur sehr selten in Spielen gibt, schade eigentlich und umso schöner umgesetzt.

 

Back to 80’s

Die 80er Jahre sind bekannt für schrille Outfits, skurile Frisuren, gute Filme und vor allem für tolle Musik. In The Phantom Pain findet man vieler dieser Klassiker wieder. A-Ha, Billy Idol, Kim Wilde, sie alle sind mit dabei. Es mag eine einfache Lösung sein, in einem Spiel der 80er Jahre einfach die entsprechende Musik im Spiel zu platzieren um die passende Atmosphäre einzufangen, aber es ist in diesem Fall wirklich gelungen – warum? Das Spiel spielt nicht nur in dieser Zeit, es lässt einen dies auch spüren. Viele Gegenstände, Fahrzeuge und auch Locations sind der Zeit entsprechend angepasst und wirken stimmig im 80er Jahre Stil. Es gibt Ausnahmen, die Technologien sind teilweise moderner, auch die Outfits muten eher modern an als es in den 80er Jahren wirklich der Fall gewesen wäre. Aber das Gesamtpaket ist gut getroffen, man spürt förmlich die frühere Zeit.

Comeback eines Klassikers: Der Sony Walkman

Eine Sache die ich zudem wirklich klasse fand, war das Wiedersehen mit einem Walkmans im Spiel. Er dient sowohl als Sinnbild für die damalige Zeit, aber auch als sinnvolle Ergänzung zum iDroid, denn mit ihm könnt ihr gefundene und freigeschaltete Kassetten anhören, die euch neue Erkenntnisse zur Story liefern und teilweise auch ganze Story-Details ans Tageslicht führen können. Der Umfang dieser Kassetten ist ebenso überwältigend wie interessant. Ich vermute, dass es im gesamten Spiel rund 3 Stunden Kassetten-Material zum anhören gibt. Ein Tipp von mir: Immer alle Kassetten anhören.

 

Sprechende Bilder und ein einzigartiger Soundtrack

Ich bin ein großer Fan von instrumentalen Soundtrack. Als ich zu Metal Gear Solid 2 Zeiten gelesen habe, dass mein Lieblingskomponist Harry-Gregson Williams den Soundtracks des Spiels geliefert hatte war es so, als würden zwei grandiose Dinge miteinander verschmelzen. Ich war sofort hin und weg und bin bis heute sehr begeistert von seinen Werken in den Metal Gear Solid Spielen. Diesmal war es jedoch etwas anders, Williams war voll involviert, hatte aber den Posten des Produzenten übernommen. Ein großer Teil des wirklichen tollen Soundtracks ist von Justin Burnett, den ich bisher gar nicht gekannt habe. Aber er hat hier einen wirklich sehr guten Soundtrack abgeliefert. Der Soundtrack selbst geht fast 2,5 Stunden und passt wirklich immer zum Spiel. Schade, dass es nicht mehr dieser tollen Werke gibt.

 

A Hideo Kojima Game

Als ich den ersten Trailer zum Spiel sah und merkte, wie akribisch auf jedes Detail geachtet worden ist um dieses Spiel entsprechend zu präsentieren, wurde ich sofort wieder in den Kojima-Bann gezogen. Allein die Inszenierung der Szenen in Form der sogenannten “Kojima Trailer” war mitunter sogar ein Level besser als viele Hollywood Trailer. Bildsprache, Musik und diese ganzen Details die man kaum zusammenfassen kann waren immer ein totales Highlight. Auch nach dem Spiel schaue ich mir die Trailer immer wieder gern an und bemerke neue Details die ich vorher nie bemerkt habe. Hier hat jemand seinen Traum verwirklicht und wollte den Fans etwas nie dagewesenes bieten. Das ist Kojima wahrlich gelungen. Aber leider hat das Spiel auch einige Kompromisse eingehen müssen, die ich nur schwer akzeptieren kann. Es fällt auf, dass das Team um Kojima nicht mehr viel Zeit hatte, als es um das Ende des Spiels ging. Es fehlen ganze Abschnitte und sogar ein ganzes Kapitel, wenn nicht sogar noch mehr. Leider wissen wir heute, warum es dazu gekommen ist – Konami, das Entwicklerstudio und Publisher hinter Metal Gear Solid hatte einen Schlussstrich gezogen und hat auf eine Fertigstellung gedrängt. Leider auf Kosten der Fans der Serie, denn das Spiel fühlt sich nicht “fertig” an, auch wenn es in Form einiger Kassetten versucht die fehlenden Stücke der Story zu liefern und es am Ende noch diverse Informationen in Textform gibt. Hier sollte ein Meisterwerk kein Meisterwerk werden. Meiner Meinung nach der größte Fehler in der Geschichte des japanischen Entwicklerstudios. Dennoch ist es ein Hideo Kojima Game, das fühlt man vor allem im Prolog, der lange Zeit unerreichbar bleiben wird. Im Verlauf des Spiels gibt es immer die sogenannten Kojima-Momente, aber es wird ebenso klar, dass auch in diesem Bereich einige Sachen eingespart werden mussten. Dafür sollte sich Konami wirklich etwas schämen, denn das hat diese Spiele-Serie nicht verdient.

 

Fazit

Kojima wird für mich immer einen besonderen Platz im Herzen haben, denn wenn es jemand geschafft hat mich umzuhauen, dann er. Es ist nun gut 20 Jahre her als ich Metal Gear Solid in der Form, wie wir es kennen, das erste Mal in einer Alpha-Version gesehen und gespielt habe. Sofort wurde mir klar, dass das kein normales Spiel ist, wie ich es bisher kannte. Aber hat Kojima es diesmal geschafft mich so zu überzeugen? Ja, solange wie es ihm ermöglicht worden ist.

Das Spiel weist Lücken auf. Lücken, die man als großer Fan der Serie kaum ignorieren kann. Dennoch hat es Kojima erneut geschafft ein großartiges Meisterwerk zu erschaffen. Es fällt schwer zu realisieren, dass es das letzte Metal Gear Solid von Kojima sein wird. Aber wie so viele Dinge, sollte man mit etwas aufhören wenn es am schönsten ist.

Ich kann Metal Gear Solid V: The Phantom Pain allen empfehlen, die großes Kino lieben, gerne verzaubert werden möchten und auch Überraschungen lieben. Das Spiel hat wie jedes Kojima-Spiel einen sehr eigenen Stil, aber genau das lieben die Fans an seinen Spielen.

Bilder und vor allem die Bildsprache, kombiniert mit erstklassiger Musik und einem technisch perfekt umgesetzten Spiel machen Metal Gear Solid V: The Phantom Pain zu einem Meisterwerk.

Chapeau, Hideo Kojima!

 

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain – A Hideo Kojima Game

 

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