Test – Nidhogg 2

Nidhogg-er

Nidhogg braucht so an und für sich kein Sequel. Das super-minimalistische Multiplayer DuellSpiel lebt nicht von Umfang oder von Komplexität, es lebt von hektischem Gewusel und Gemetzel, lautem Geschrei, unfreiwillig komischen Situationen und der Art, wie sich Runden über Minuten hinziehen können oder in wenigen Sekunden zu Ende sein können…oder eben erst das eine und dann das andere.

Trotzdem ist Nidhogg 2 nun da…und hey, nur weil es kein Sequel BRAUCHT heißt es nicht das ich es nicht HABEN möchte.

Wirklich geändert hat sich an dem Spiel nichts. Weiterhin stellt es zwei Kontrahenten in einer 2D Arena nebeneinander um auf Leben und Tod zu kämpfen, was meist nur einen Treffer braucht. Doch gut kämpfen allein bringt in Nidhogg wenig zum gewinnen. Hat man seinen Kontrahenten niedergestreckt, erhält man die Möglichkeit, sich in der insgesamt aus je 5 Bildschirmen/Screens/Boards bestehenden Arena weiter zu bewegen. Und nur wer es schafft, “sein” Ende der Arena zu erreichen, siegt, und gewinnt das Privileg, sich einem riesigen fliegenden Drachen-Wurm-Monster zu opfern, dem Titel gebenden, lose auf nordischem Mythos basierendem Nidhogg. Eine sarkastische Belohnung für ein ulkiges Gemetzel.

Die einzig wirklich große Änderung die der zweite Teil hier einbringt, ist das Waffenarsenal. Hatte man zuvor nur einen Degen zur Hand oder wenn man diesen verliert (zum Beispiel bei einem gescheiterten Versuch diesen in das Gesicht des Gegners zu werfen) Fäusten und Füßen, gesellen sich nun ein paar mehr Waffentypen dazu. Neben dem üblichen Schwert/Degen, das in drei Höhen gehalten werden kann um zu blocken und zu attackieren, gibt es nun ein Breitschwert, das nur zwei Positionen bietet und zudem langsamer, aber eben auch vernichtender zuschlägt. Und einen Dolch mit einer pathetischen Reichweite aber schnellerer Attackier- und Wurfgeschwindigkeit. Die größte Veränderung im Spielfluss bringt jedoch ein Bogen, eine reine Fernkampfwaffe die Kontrahenten auf Distanz das Leben schwer macht, jedoch mit reflektierbaren Pfeilen eigene Risiken mit sich bringt.

Nebenher hat sich die Zahl der Arenen von einst vier zu zehn verschiedenen Levels erhöht, nur zwei davon merkliche “Neuauflagen” des ersten Teils, und allgemein etwas besser gestaltet als im ersten Teil.

Doch während spielerisch eher nachgeschraubt als überarbeitet wurde, sind die Änderungen im audiovisuellem Bereich dramatisch. Optisch hat sich das Spiel quasi komplett von der “Atari-Konsole mit Aufputschmitteln” Ästhetik gelöst und bietet nun einen weitaus detaillierteren 2D Pixelart Look, der an späte Amiga und DOS Titel erinnert. Die grob definierten einfarbigen Silhouetten sind nun ungelenke Knetfiguren die man vor dem Kampf aus einer kleinen Auswahl von Klamotten, Haarstilen und Farben selbst zusammenstellen kann und glubschäugiger Cartoonmimik austeilen und einstecken, oder zu klebrigen Eingeweiden zerfallen, auf die der Mörder eintrampeln kann. Auch die Arenen haben nun ein zehnfaches an Details zu bieten und führen durch zerfallene Burgen, grausige Schlachthäuser, altmodische Luftschiffe oder auch mal in die Gedärme eines bereits massakrierten Nidhogg-Wurms.

Die neue Ästhetik die auf den fiesen Ekelfaktor eines 90er Nickelodeon Cartoon abzielt, spaltet durchaus die Gemüter: Hübsch kann man es nicht nennen. Aber die Fülle an Details und Animationen ist fantastisch, und kann man sich mit dem pfui-bäh Look des Ganzen anfreunden ist er ein massives Plus.

Wesentlich unstrittiger sollte jedoch der fantastische Soundtrack sein, der mit finsteren Elektro-Grooves das Spielgeschehen unterstreicht und Mühelos zu den Besten des bisherigen Jahres gehört.

Sonst sei nur zu erwähnen, dass wie zuvor auch Nidhogg 2 nichts für Einzelspieler ist. Zwar wird ein “Arcademode” geboten der durch alle Arenen führt und nach und nach die neuen Waffen mit schwierigeren KI Gegnern einführt, doch sind diese lachhaft inkompetent (gefühlt sogar schlechter als im ersten Teil) gegen fast alle menschlichen Mitspieler die man finden kann, selbst wenn diese erst ein- oder zweimal gespielt haben.

Immerhin hat sich jedoch der Netcode verbessert so dass Online-Spiele nun eine ernstzunehmende Option sind. Das Matchmaking ist simpel, bietet jedoch die selben Einstellungsmöglichkeiten des lokalen Multiplayer, in dem man Zeitlimits definieren, das Waffenarsenal einschränken kann oder “Cheats” aktivieren kann, die das Spiel auf eher ulkige Weisen verändern. Und auch wenn saubere latenzfreie Spiele unwahrscheinlich sind, läuft das ganze stabil und überdeckt potenziellen Lag mit etwas besser managebaren Slowdowns um das ganze fair zu halten. Alles in allem sei jedoch trotzdem gesagt, dass nur der lokale Multiplayer (spielbar als 1v1 Duell oder in einem KO-Runden Wettbewerb für größere Spielrunden) den vollen Appeal von Nidhogg 2 enthüllt, und es sich auf der Couch mit wem anders am besten spielt. So hat man auch gleich jemanden den man Anschreien kann, wenn man versagt.

Fazit

Nidhogg 2 ist weitestgehend unverändert zum Original (was nichts schlechtes ist), bringt jedoch mehr Umfang, eine neue optische Ästhetik, einen großartigen Soundtrack und einen verbesserten Online-Multiplayer, der, solang man nicht vollkommen dem Minimalismus des ersten Teils erlegen ist, selbigen wie einen Prototypen gegenüber dem nun vollständiger wirkendem Produkt dastehen lässt.
Positiv
  • detaillierte Pixelart Optik
  • größerer Umfang
  • großartiger Soundtrack
  • verbesserter Netcode
Negativ
  • wenige bedeutende spielerische Neuerungen
  • nebensächlicher, freudloser Singleplayer Modus
  • optisch potenziell Geschmackssache
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Schlagwörter:Nidhogg