Test – Northgard

Ein Mix aus Civilization und Die Siedler? Wir haben das Wikinger RTS Northgard getestet.

Nachdem wir uns auf der Gamescom bei Shiro Games schon die Features des neuen Updates Ragnarok angucken konnten, hatten wir nun zusätzlich die Möglichkeit, Northgard vollumfänglich zu testen. Das in der Wikingerzeit und -mythologie angesiedelte Echtzeitstrategiespiel kann sowohl als Kampagne, als Einzelspieler sowie im Mehrspielermodus gezockt werden. Ziel des Spiels ist, im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres, nicht zwangsläufig die Vernichtung der Gegner, da man auch einen Handels-, Ruhmes- oder Weisheitssieg erringen kann.

Neben den verschiedenen Siegbedingungen, die die Spielweise beeinflussen, tut dies auch die Auswahl des Clans. Jeder Clan hat verschiedene Anfangs- sowie Ruhmboni sowie einige Perks im Techtree, die das Spielerlebnis in jeder Runde durchaus deutlich verändern. Im weitesten Sinne erinnert Northgard an Spiele aus der Civilization Reihe, es spielt sich aber grundlegend anders.

 

Technische Anforderungen und Performance

Shiro Games gibt als Mindestanforderungen einen 2.0 GHz Prozessor, 1GB RAM sowie eine Grafikkarte mit DirectX10 an. Empfohlene Anforderungen sind ein Intel i5, 2GB RAM sowie mindestens eine Nvidia GTX 660 oder eine Radeon HD 7800. Auf dem verwendeten System mit einem Ryzen 5 1600 mit 3,2 GHz, 16GB RAM und einer GeForce GTX 1080 konnten wir auf höchsten Einstellungen bei einer Auflösung von 3840 x 2160 (4K/UHD) dauerhaft über 120 fps erzielen. Das Spiel ist grafisch nicht außerordentlich anspruchsvoll, sieht aber dennoch gut aus und läuft flüssig ohne Ruckler oder Freezes.

 

Erster Eindruck

Das Menü ist übersichtlich und leicht verständlich und die Auswahl sämtlicher Optionen und Spielmodi ist intuitiv. Nach der Auswahl der Kampagne oder einer nach Anzahl der Gegner und Größe der Map angepassten Schnellrunde gelangt man nach einem kurzen Ladebildschirm auf die Karte. Das User-Interface ist einfach gehalten, die Ressourcenübersicht findet man am oberen Bildschirmrand, das Baumenü sowie die Übersicht über die Bürger am unteren rechten Bildschirmrand. Am linken Bildschirmrand findet man die Weltkarte sowie einen Kalender mit Anzeige der Jahreszeit und speziellen Ereignissen. Die Übersicht über die Siegbedingungen und den Techtree findet man in der linken sowie rechten oberen Ecke. Bugs oder Fehler springen nicht ins Auge, lediglich das UI Scaling für 4K-Monitore scheint etwas unscharf.

Die Spielübersicht

 

Die Clans

Zu Release des Spiels bot sich dem Spieler die Auswahl aus sechs verschiedenen Clans mit unterschiedlichen Anfangs- sowie Ruhmboni. Zu den Clans Eikthyrnir (Hirsch), Heidrun (Ziege), Fenrir (Wolf), Huginn und Muninn (Rabe), Bjarki (Bär), Slidrugtanni (Eber) kam aber bereits mit dem Sváfnir-Clan (Schlange) ein weiterer Clan als DLC heraus. Die Anfangsboni reichen von zusätzlicher Nahrung, Holz und Kröwns (der Währung in Northgard) beim Hirsch-Clan über die Möglichkeit des Rabe-Clans neue Gebiete mit Kröwns statt mit Nahrung zu besiedeln zu verschiedenen Boni im Winter für den Bär-Clan. Auch bei den Ruhmboni gibt es durchaus Unterschiede. Der Ziege-Clan bekommt kostenlose produktionssteigernde Werkzeuge, um seine Bürger auszustatten, der Wolf-Clan bekommt einen Angriffsbonus auf seine militärischen Einheiten außerhalb des Hoheitsgebiets und der Eber-Clan bekommt eine freie Technologie sowie Boni auf verschiedene Tech-Freischaltungen. Die komplette Übersicht über die Clans und deren Boni könnt ihr euch in der Bildergalerie ansehen.

 

Die Siegbedingungen

Neben der klassischen Siegbedingung Vorherrschaft, bei der man alle Clans vernichten muss, gibt es auch die Möglichkeit einen Ruhm-, Handels- oder Weisheitssieg zu erringen. Abhängig von der Größe der Karte und der Anzahl der gegnerischen Clans muss man hierbei Gebiete besiedeln und durch das Erlegen von Wildtieren oder gegnerischen Soldaten Ruhm erlangen, mit dem Hafen beziehungsweise Handelsposten Kröwns verdienen und zu einer Wirtschaftsmacht werden oder sich auf das Erforschen von Technologien konzentrieren und alle Segen der Götter erlangen. In der Übersicht der Siegbedingungen sieht man auch zu jedem Zeitpunkt, wie man sich im Vergleich zu den anderen Clans schlägt. Abhängig von der Auswahl des Clans sowie der Startposition bietet sich meistens eine der Siegbedingungen mehr an als die anderen, aber natürlich ist jedem selbst überlassen, wie man gewinnen will.

 

Spielerlebnis

Zu Beginn des Spiels bemerkt man zunächst, dass die komplette Welt in verschiedene Zonen aufgeteilt ist. Jede Zone wird relativ autonom verwaltet, bietet eigene Ressourcen und hat ein Limit an baubaren Gebäuden. Je nach Zone findet man dort Fische, Wild oder Felder zur Nahrungsproduktion, Bäume zum Abholzen, Loresteine zur Wissensproduktion, Ruinen zum Erkunden, feindliche Wölfe inklusive Wolfshöhle oder eine der verschiedenen neutralen Fraktionen. Um das eigene Herrschaftsgebiet zu erweitern, muss man diese Zonen besiedeln. Dafür ist notwendig, dass dort keine feindlichen Einheiten sind und man genug Nahrung aufbringen kann, wobei die erforderliche Nahrung mit jeder weiteren Zone ansteigt. Es ist also relevant, seine Nahrungsproduktion im Auge zu haben, einerseits um seine Bürger zu versorgen und andererseits um zu expandieren.

Neben dem Management der Ressourcen, hauptsächlich Nahrung und Holz sowie im Spielverlauf die Zufriedenheit der Bürger, ist man als Spieler viel damit beschäftigt, die Bürger und deren Berufe zu managen. Jeder Bürger ist einer Zone zugewiesen und sammelt dort Nahrung, sofern er keinem Gebäude zugewiesen ist. Braucht man mehr Nahrung, um einen Vorrat aufzubauen, sendet man seine Bürger zum Fischen oder Jagen, braucht man Holz für den Winter, weist man sie einer Holzfällerhütte zu. In den ersten 1-2 Spielrunden ist die Anpassung an das Mikromanagement durchaus eine Herausforderung und man sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn sowohl Nahrung als auch Holz knapp werden und dann die Zufriedenheit sinkt. Durch die kurzen Rundenzeiten ist ein Neuanfang nicht mit einem großen Zeitverlust verbunden.

Northgard zeichnet sich dadurch aus, dass Ressourcen Mangelwaren sind und man sich überlegen muss, wofür man sie einsetzt. Mit Steinen und Eisen kann man Gebäude und Bürger upgraden, aber die Karte bietet nur einen beschränkten Vorrat und manchmal steht man vor der Entscheidung, entweder Steine abzubauen oder ein dringend benötigtes Haus zu bauen, um mehr Bürger beherbergen zu können. Da die Anzahl der Gebäude pro Kartenfeld begrenzt sind, muss man öfters solche Entscheidungen treffen, die das weitere Spiel beeinflussen. Neben dem Ressourcenmanagement kommt hinzu, dass man seine Bürger zufriedenstellen muss und gleichzeitig auch im Techtree nicht den Anschluss verlieren sollte. Eigentlich bräuchte man immer mehr Bürger als man hat, auch wenn man nicht einmal die vorhandenen Bürger mit Nahrung versorgen kann – das Feintuning bedarf einer gewissen Spielerfahrung. Hat man aber erst einmal den Grundstein gelegt und seine Basis auf eine Siegbedingung ausgerichtet, stehen einem Sieg eigentlich nur die zufälligen Naturereignisse im Weg, die den einen oder anderen guten Plan sehr schnell durchkreuzen können.

Mit Northgard: Ragnarok kommt nun eine weitere Kartenvariante ins Spiel. Auf dieser gibt es keinerlei Felder, sodass die Nahrung hauptsächlich über Fische und Wild beschafft werden muss. Auch neue Naturereignisse wurden implementiert. Der Vulkan, der eine Zone auf der Karte einnimmt, bricht im Spielverlauf mehrfach aus und kann Steingolems spawnen, sofern man die Lavareste nicht abbaut. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Ereignissen Rattenplage, Schneesturm, Erdbeben und Draugr Invasion kommen darüber hinaus auch noch Blutmonde und Angriffe von ertrunkenen Seefahrern hinzu. Zum allgemeinen Techtree kommt mit dem Update auch noch ein Techtree für das Kampfsystem hinzu. Mit jedem besiegten Gegner erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die ihr in eine der drei Spezialisierungen Taktiker, Wächter und Eroberer investieren könnt.

Northgard ist für 27,99€ auf Steam erhältlich und hat momentan eine zu 85% positive Bewertung, bei über 800.000 verkaufen Kopien seit dem Early Access Release im Februar 2017 ein sehr gutes Zeugnis. Die durchschnittlichen Spielerzahlen befinden sich zwar im hohen dreistelligen Bereich und Multiplayer-Spiele werden vom Publisher gefördert, es kann aber manchmal etwas dauern, bis ein Spiel gefüllt ist.

Fazit

Für einen Strategiespielveteranen bietet Northgard nichts bahnbrechend neues. Alle Aspekte des Spiels sind aus Reihen wie Civilization, Die Siedler oder auch Empire Earth schon in gewisser Weise bekannt. Ressourcenmanagement, Einheitenmanagement, Erforschung von Technologien sowie strategische Entscheidungen zwischen Expansion oder Ausbau der vorhandenen Gebiete sind Elemente, die Liebhabern des Genres nichts neues sind. Dennoch hat es Shiro Games mit Northgard geschafft, diese Elemente in einer passenden und stimmigen Welt gut zu verknüpfen und ein unterhaltsames Spiel zu entwickeln. Ein hoher Wiederspielwert durch die verschiedenen Clans und Siegbedingungen ist garantiert. Da jede Runde je nach Spieltempo auch innerhalb von 2-3 Stunden abgeschlossen werden kann, ist Northgard auch für Gamer mit nicht ganz so viel Zeit eine Überlegung wert.
Positiv
  • Kurze Rundenzeiten
  • Vielfältige Strategien möglich
  • Hoher Wiederspielwert
Negativ
  • Geringe Spielerbasis für Multiplayer
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