Test – Razer Naga Epic Chroma

So protzig der Name ist, so gewaltig kommt die MMO-Maus von Razer daher: Die Razer […]

So protzig der Name ist, so gewaltig kommt die MMO-Maus von Razer daher: Die Razer Naga Epic Chroma klopft nicht an – sie haut mit dem Rammbock einfach die Tür ein. Wir haben dem Koloss mit 19 Tasten, internem Akku und 16,8 Millionen Farben Beleuchtung auf den Zahn gefühlt und dabei einige Überraschungen erlebt.

Ich muss ja zugeben, dass ich etwas skeptisch war, als mir mitgeteilt wurde, dass ich die Razer Naga Epic Chroma (im Folgenden nur noch Naga genannt) testen soll. Immerhin besitze ich anderes Razer-Equipment und obwohl ich vom Design stets überzeugt war, erwies sich meine Razer Abyssus Mirror (Maus) aufgrund ihrer Oberflächenbeschaffenheit als Dreckmagnet, ist ergo die meiste Zeit unansehnlich, und meine Razer Lycosa (Tastatur) quittiert gerne mitten im Spiel den Dienst und muss neu verkabelt werden – ein besonderer Spaß im Clutch bei CS:GO! Von daher wusste ich a priori ein wenig, worauf ich achten muss, wenn ich die Naga einem ungefähr einmonatigen Test unterziehe.

Verpackt ist die Naga sehr ansehnlich in einem Pappschuber mit allerlei optischen Glanzeffekten und technischen Daten in sieben Sprachen. Macht man diesen auf, kommt einem das Gaming-Äquivalent vom Geruch von neuem Auto entgegen. Die Naga thront gemeinsam mit ihrer Docking-Station gut eingebettet im Karton, begleitet von zwei Stickern. Man hat schon beim Auspacken den Eindruck, etwas Hochwertiges in der Hand zu haben. Schließt man die Station per USB an, geht es auch sehr schnell und die Naga ist verwendbar. Dennoch empfehle ich ausdrücklich die Installation und Nutzung von Razer Synapse 2.0, da man dadurch viele Vorteile genießt, dazu später mehr im Detail.

Die Belegungsoptionen für einzelne Tasten sind sehr umfangreich und geben reichlich Spielraum für kreative Ansätze.

Wenn man die Naga in die Hand nimmt, fallen einem sofort die Dimensionen und das Gewicht auf: 75 mm Breite und 43 mm Höhe (Länge 119 mm) laden dazu ein, es sich bequem zu machen, denn selbst der Handballen hat seine eigene Ablagefläche. Durch die Höhe und den „Buckel“ lässt sich die Naga aber nur effektiv im Palm-Stil führen. Der Claw-Stil ist zwar möglich, aber erschöpfender als bei flacheren Mäusen und daher weniger zu empfehlen. Wichtig zu betonen ist, dass die Naga aufgrund ihrer ergonomischen Form nur für Rechtshänder geeignet ist. Ich persönlich bin rechtshändiger Palm-Nutzer und finde die Naga daher optimal. Sehr positiv fiel mir auch das Oberflächenmaterial auf: Der dunkle Kunststoff ist angerauht und bietet daher sehr guten Halt und ein exzellentes Gefühl. Und nach einem Monat täglicher Nutzung sieht die Naga noch aus wie frisch aus der Packung genommen, Schmutz findet keinen Halt. Meine Abyssus Mirror hingegen muss ich täglich reinigen.

Da es sich bei der vorliegenden Naga um die Epic-Ausführung handelt, kommt diese mit einem Akku, der über die Dockingstation oder Kabel geladen werden kann. Dieser erhöht das Gewicht auf saftige 150 g, etwa 10% mehr als die kabelgebundene Ausführung. Das Kabel mit geflochtenem Nylonmantel ist leider neu etwas steif, wodurch man bei der Nutzung manchmal einen störenden Widerstand spürt. Daher bevorzuge ich stark die kabellose Nutzung, zumal eine Verzögerung dabei nicht spürbar ist.

Das Overlay lässt sich auch ingame öffnen und so kann man ohne rauszutabben Veränderungen am Profil vornehmen. Leider funktioniert das Overlay nicht mit allen Spielen und wird gelegentlich blockiert.

Wie bereits eingangs erwähnt, lädt die Form sehr zu einer entspannten Handhaltung ein und auf einem Stoff-Mousepad fühlt sich jede Bewegung geschmeidig wie Butter an. Der Sensor unterstützt eine optische Auflösung von 8200 dpi, die sich über Razer Synapse 2.0 stufenlos verstellen lässt. Auch die Abfragerate wird softwareseitig geregelt und nicht mehr per Schalter, wie es etwa bei der Abyssus noch der Fall ist. Neben diesen wichtigen Funktionen ist Synapse 2.0 auch für Spielereien verantwortlich: die Farbverstellung. Mausrad und die 12 Zahlentasten werden von Chroma beleuchtet und erstrahlen in 16,8 Millionen Farben (16.777.216, um genau zu sein, auch bekannt als 24bit- oder True Color-Farbspektrum). Schade finde ich, dass der Rücken der Naga nicht beleuchtet ist, denn das wäre aufgrund der Fläche ein Hingucker. Das Chroma-Feature ist aber eher etwas, das der Vollständigkeit halber bei der Naga eingeführt wurde und bei den Tastaturen seine Trümpfe mit Farbspielen und Ripple-Effekten ausspielt.

Eine andere ganz wichtige Funktion, die von Synapse 2.0 übernommen wird, ist die der Tastenzuweisung. Jede Taste, mit Ausnahme der linken Maustaste, lässt sich rekonfigurieren, was natürlich besonders für das Daumengitter von Interesse ist. Neben den naheliegenden Möglichkeiten wie Zifferntasten und Nummernblock können kompliziertere Dinge wie Makros, Multimedia-Tasten oder sogar die Ausführung von Programmen gemappt werden. Wer es ganz abgefahren mag, kann verschiedene Profile anlegen, die sich über Tastendruck wechseln lassen. Ergo wäre es möglich, eine Tastatur über mehrere Profile zu imitieren. Ist man etwas praktischer veranlagt, kann man stattdessen für Spiele spezifische Profile anlegen. World of Warcraft hat sogar sein eigenes Tool, mit dessen Hilfe man Skills unabhängig von einer Leiste auf die Tasten mappen kann. Hier punktet die Naga so richtig!

Wo Licht ist, ist aber auch Schattten. Die schiere Anzahl von zwölf Tasten für den Daumen kann einen erschlagen und führt dazu, dass man sich die Nutzung sehr bewusst aneignen muss, wodurch die Naga mit einem Lernprozess verbunden ist. Die Tasten 7-12 lassen sich übrigens nur durch starke Anwinkelung des Daumens verwenden, etwas, das man in der Hitze des Gefechtes kaum vollführen möchte. Die beiden Tasten auf dem Rücken der Naga habe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht verwendet, da sie so ungünstig liegen, dass der Mittelfinger derart angewinkelt werden muss, dass Zeige- und Ringfinger von den Haupttasten abheben. Lediglich das Mausrad mit seiner Kippfunktion zu beiden Seiten ist ohne Verrenkungen gut zu erreichen.

Die Konfiguration des Herzstücks, des Daumengitters, erfolgt über eine eigene Seitenansicht.

Zuletzt wäre da natürlich auch der Preis. Mit grob 130 Euro ist die Razer Naga Epic Chroma alles andere als ein Budget-Mäuschen und man muss sich ernsthaft überlegen, ob man in die Nische derjenigen fällt, die optimalen Nutzen aus einem solchen Monstrum ziehen können: Linkshänder und Claw-Nutzer fallen da rasch aus dem Muster. Wer MMOs spielt, optimalerweise World of Warcraft, dem sollte diese Entscheidung leicht fallen. Die Frage, die sich dann stellt, ist nur: Epic oder nicht-Epic? Der Akku schlägt mit grob 50 Euro zu Buche, lohnt aber meiner Meinung nach, wenn man sich eine Maus im oberen Preissegment zulegen möchte. Wer darauf verzichten will und weniger ausgeben möchte, kann guten Gewissens zur regulären Razer Naga oder zur Razer Naga Hex greifen, die nur sechs radial angeordnete Daumentasten hat. Mit diesen beiden Modellen verzichtet man jedoch auch auf die Chroma-Funktionen, die aber ohnehin eher Spielerei sind. Meine Chroma leuchtet meist nur blau, um sich besser ins restliche Setup einzufügen.

Ich für meinen Teil spiele kein WoW, möchte die Razer Naga Epic Chroma aber nicht mehr missen, denn die Seitentasten kann man auch anderweitig immer gebrauchen. Das Gefühl begeistert mich und bisher hat sie mich nicht im Stich gelassen, außer wenn ich so wagemutig war, während des laufenden Spiels das Kabel umzustöpseln (nicht empfehlenswert, dauert lange). Ich frage mich immer wieder, was ich mit so vielen Tasten soll, aber auf Polnisch sagen wir: „Lepiej nosić niż się prosić“ – Es ist besser, etwas unnötig herumzutragen als dass es daran mangelt. Und an Tasten mangelt es mir nicht.

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