Test – Return to PopoloCrois

Um die Inspiration, die hinter dem zugegebenermaßen nicht besonders griffigen Titel Return to PopoloCrois: A […]

Um die Inspiration, die hinter dem zugegebenermaßen nicht besonders griffigen Titel Return to PopoloCrois: A Story of Seasons Fairytale steckt, leichter verständlich zu machen, sollte man den japanischen Titel PopoloCrois Bokujo Monogatari betrachten. Darin steckt zum einen PopoloCrois Monogatari, eine klassische JRPG-Serie von epics (ehemals G-Artists) für die PlayStation 1, basierend auf einem Manga. Im Westen ist hiervon aber lediglich Jahre später eine Art Anthologie mit dem schlichten Namen PopoloCrois (2006) für die PSP erschienen. Die andere Serie Bokujo Monogatari (Ranch Story) ist der japanische Name der Story of Seasons-Reihe, für die Marvelous verantwortlich ist. Der alte Name der Serie, Harvest Moon, ist sicherlich vielen geläufiger, doch da die Rechte bei Publisher Natsume liegen, darf Marvelous diesen nicht mehr nutzen. Aber zurück zum eigentlichen Titel: Return to PopoloCrois stellt also eine Kombination der PopoloCrois– und Story of Seasons-Serien dar, wenn auch das Rollenspiel stärker in den Fokus gerückt wurde als der Farming Simulator. Ob die Zusammenführung geglückt ist, haben wir uns für euch angeguckt.

Die Hauptperson des Abenteuers ist, wie in den anderen PopoloCrois Monogatari-Titeln, auch diesmal wieder Prinz Pietro. Die Handlung von Return to PopoloCrois selbst versteht sich jedoch eher als Nebengeschichte, sodass keine Vorkenntnisse der anderen Titeln notwendig sind. So begibt es sich, dass unser kleiner Held sich kurz nach seinem dreizehnten Geburtstag im fernen Galariland wiederfindet, welches von finsteren Kreaturen überlaufen wurde. Schnell steht fest, dass die Quelle dieser Bedrohnung auch sein eigenes Königreich PopoloCrois heimgesucht hat und Pietro versucht, einen Weg zu finden, um wieder nach Hause zurückzukehren. Auf seinen Reisen stellt er sich allerlei Gefahren, lernt neue Freunde kennen und trifft schließlich auch auf alte Bekannte. Mit Hilfe der Fee Connie versuchen Pietro und seine Begleiter die vier Farmen des Lichts, eine für jede Jahreszeit, von den Schatten zu reinigen und Galariland wieder erblühen zu lassen.

Vertraute Umgebung – Die ersten Schritte legt man noch im Schloss von PopoloCrois zurück

Mutig in den Kampf

Das Gameplay von Return to PopoloCrois orientiert sich stark an der PlayStation 1-Ära; wer also in der zweiten Hälfte der Neunziger ein paar JRPGs gespielt hat, der weiß genau, was ihn erwartet. Pietro und seine Gefährten werden in einer isometrischen Perspektive gesteuert, allerdings setzt man anders als bei PopoloCrois auf der PSP nun komplett auf 3D-Modelle statt Sprites und 2D-Hintergründe. Sobald man sich in die weite Welt hinauswagt, können jederzeit Gegner angreifen, doch man kann unabhängig voneinander den Schwierigkeitsgrad als auch die Häufigkeit der Zufallskämpfe im Menü jederzeit ändern. Zwar ist standardmäßig eine hohe Encounterrate eingestellt, aber auch mit niedrigeren Einstellungen wird man kaum unterlevelt sein.

Es wird taktisch – Gekämpft wird rundenbasiert auf einem Raster.

Gekämpft wird im Übrigen rundenbasiert und die Charaktere lassen sich ähnlich wie zum Beispiel bei Final Fantasy Tactics feldweise über das Feld bewegen. Neben Angriffen haben sie natürlich auch eine Vielzahl an Skills, die man mehrfach steigern kann und, besonders schön, Partnerskills, welche besonders stark sind, aber nur mit der richtigen Partyzusammenstellung möglich sind. Ein bisschen schade ist bei den Kämpfen lediglich, dass diese, anders als in der Vergangenheit, nicht mehr direkt an Ort und Stelle stattfinden, sondern stattdessen auf einem separaten Schlachtfeld. So kann es vorkommen, dass man über Schnee läuft, aber die Gegner auf einer Wiese antrifft, weil dies der Standard-Untergrund für die Map ist. Besonders lobenswert ist jedoch noch die Tatsache, dass man Auto-Battle verwenden und Kampfanimationen auf Knopfdruck überspringen kann.

Doppelt stark – Einige Charaktere blühen in Kombination erst richtig auf.

Bauer sucht Hof

Wer sich bei der Rahmenhandlung nun eine ausgewogene Kombination aus Rollenspiel und Bauernhof-Alltag wie bei Rune Factory 4 gewünscht hat, der wird vermutlich enttäuscht sein, denn viele der Kernaspekte der Farm sind nicht präsent. So gibt es zum Beispiel weder einen Kalender noch Uhrzeiten, keine Ausdauerbalken und auch keine Qualitätsstufen. Stattdessen wird das Feld bestellt, Samen gesät, bewässert und geerntet. Statt Jahreszeiten gibt es mehrere Bauernhöfe, die jeweils unterschiedlich beschaffen sind. Das Wachstum der Pflanzen findet automatisch zu festen Zeitabständen (allerdings nicht im Standby) statt und die Ernte selbst kann nicht mehr verderben. Auch die Viehzucht folgt einem vereinfachten System. Alles im allem ähnelt das Ganze daher eher an eine Farm in der Monster Hunter-Serie als an Story of Seasons. In meinen Augen tut das dem Spiel jedoch keinen Abbruch. Es ist eine Möglichkeit, die man wahrnehmen kann, aber es gibt auch keine spürbare Bestrafung, wenn man diesen Aspekt ignoriert.

Aller Anfang ist nicht schwer – Hier braucht keiner ein Diplom in Agrarwesen.

Sollte man sich trotzdem dazu entscheiden, neben Held und Weltenretter auch noch ein erfolgreicher Farmer zu werden, bekommt man, wie eingangs erwähnt, zwar nur ein abgespecktes Erlebnis, aber durch die zahlreichen Obst- und Gemüsesorten und den umfangreichen Synthesemodus macht es trotzdem Spaß, sich um Feld und Vieh zu kümmern. Es gibt sicherlich über hundert verschiedene Objekte, die sich durch die Kombination von zwei beziehungsweise später auch drei Gegenständen herstellen lassen. Die Rezepte findet man durch das Durchlaufen von zusätzlichen Dungeons oder durch Ausprobieren, wobei einen das Spiel vorab wissen lässt, ob die Gegenstände zusammenpassen. Über die wichtigen Ereignisse auf den einzelnen Bauerhöfen wird man übrigens durch Pop-up-Meldungen auf dem Laufenden gehalten und dank einer Schnellreise-Funktion ist es ein Leichtes, immer mal wieder nach dem Rechten zu sehen. Auch in Sachen Nebenquests gibt es nichts zu meckern, denn diese sind zahlreich und umfassen neben dem Erledigen bestimmter Monster auch Suchaufgaben und kleinere Rätsel.

Nur glückliches Vieh gibt Milch beziehungsweise Eier.

Märchenhafte Präsentation

Die Story ist neben dem ziemlich spaßigen, wenn auch etwas altbackenen, Kampfsystem einer der Punkte, die Return to Popolocrois sehr gut umgesetzt hat. Die Geschichte wird ausführlich und interessant erzählt und es gibt neben einigen Anime-Cutscenes außerdem sehr viel vertonten Dialog. Ich würde sogar sagen, dass ich keinen 3DS-Titel kenne, bei dem so viel Sprachausgabe aufgenommen wurde wie hier. Was ebenfalls erfreut, ist, dass neben einer tollen englischen Synchro auch noch die zwei (!) japanischen Vertonungen, die für einige Charaktere existieren, auswählbar sind. Die Mühen haben sich hier ausgezahlt, denn die Sprecher sorgen dafür, dass die Figuren besonders lebendig wirken und viel Persönlichkeit haben [hier Witz über Link oder Gordon Freeman einfügen]. Leider sind die Bildschirmtexte, wie bereits bei Rune Factory 4, jedoch nicht auf Deutsch verfügbar.

Bei wichtigen Dialogen wird näher an die Charaktere herangezoomt, was die Charaktere noch besser zur Geltung bringt.

Doch nicht nur bei der Sprachausgabe glänzt die Präsentation, denn auch die Oberwelt, die Städte und die einzelnen Charaktere sind mit sehr viel Liebe zum Detail entworfen worden. Trotz des neuen Looks bleibt man in vielen Dingen dem Vorgänger auf der PSP treu, was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Dies spiegelt sich übrigens auch im tollen und stimmungsvollen Soundtrack wieder, der viele Klassiker in einer Neuauflage enthält. Return to PopoloCrois wirkt, wie der Untertitel Fairytale suggeriert, sehr märchenhaft und auch wenn die Charaktere eher kindlich daherkommen, wird eine schöne, runde Geschichte für Jung und Alt erzählt. In vielen Punkten sehe ich von der Atmosphäre her Parallelen zu den Dragon Ball-Abenteuern mit einem jungen Son Goku, auch wenn man sich in PopoloCrois stärker bei westlicher als fernöstlicher Fantasy bedient. Die Gegnertypen wirken größtenteils einfallsreich und unverbraucht, so ist einer meiner Favoriten eine Gruppe mit einem Maiskorn und anderen Früchtchen, die farblich wie die Power Rangers auftreten. Man trifft auf sie, ähnlich wie bei Minish Cap, geschrumpft in einem Labyrinth unter den Grashalmen. Was zunächst neu und einzigartig klingt, ist jedoch im Großen und Ganzen einer der etwas schwächeren Punkte: die recht repetitiven Dungeons. Diese ziehen sich mit jedem Mal etwas mehr in die Länge, können aber auf Dauer nur wenig Neues bieten.

Erst blau, dann grün, dann rot – Viele Pflichtdungeons unterscheiden sich nur durch die Hintergrundfarbe und die Monster.

Fazit

Ob sich der Kauf von Return to PopoloCrois: A Story of Seasons Fairytale lohnt, hängt sicher im Wesentlichen davon ab, welche Erwartungen man an das Spiel stellt. Es ist weder Rune Factory 5 noch ein rundenbasierter Ableger davon. Stattdessen bekommt ein Rollenspiel mit viel Story und einem stimmungsvollen Setting, bei dem das Führen einer Farm zur optionalen Nebenaufgabe wird. Ich persönlich hatte sehr viel Spaß, was sicherlich auch daran liegt, dass ich mit ähnlichen JRPGs für die PlayStation 1 aufgewachsen bin, deren Esprit und Einfallsreichtum sich auch hier wiederfindet. Bloß bei den Dungeons hätte ich mir hier und da etwas mehr Abwechslung gewünscht. Insgesamt gibt es dann aber dank der interessanten Geschichte und der tollen Präsentation nur wenig auszusetzen und die umfassende Sprachausgabe rundet für mich das Spielerlebnis ab.

Return to PopoloCrois: A Story of Seasons Fairytale für den Nintendo 3DS ist in Europa exklusiv als Download im eShop erhältlich.

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