Test – Romance of the Three Kingdoms XIII

Die Strategie-Veteranen von Koei bringen einen weiteren Titel zu uns nach Europa. Ob sich ein Blick lohnt, seht ihr in unserem Test,

Dass Konsolengaming und komplexe Strategie miteinander vereinbar sind, hat Koei bereits vergangenes Jahr mit dem Samurai-Epos Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influence bewiesen. Nun folgt mit Romance of the Three Kingdoms XIII ein neuer Eintrag in einer langjährigen Serie, die vergangenes Jahr in Japan ihr dreißigstes Jubiläum feierte und hierzulande dennoch fast unbekannt ist. Kein Wunder, denn von den zwölf Vorgängern erschienen zwar etliche in Nordamerika, aber in Europa nur einer. Wie sich der Titel letztlich behaupten kann, haben wir für euch herausgefunden.

Den Rahmen der Handlung bildet die namensgebende Geschichte der Drei Reiche von Luo Guanzhong, welche um 1390 entstanden ist und zu den vier klassischen Werken chinesischer Literatur gezählt wird. Was nach alten Schinken vom anderen Ende der Welt klingt, beeinflusst Medien sogar noch heute, so findet man beispielsweise viele Elemente der Reise nach Westen in Werken wie Dragonball oder Enslaved und die Wasserufergeschichte wird in japanischer Lesung zu Suikoden. Genauso wird auch die Zeit der Drei Reiche inklusive ihrer Vorgeschichte (184 bis 280 n. Chr.) in Titeln wie Dynasty Warriors oder eben Romance of the Three Kingdoms nacherzählt. Als die Han-Dynastie nach einem Aufstand der Landbevölkerung und einzelner Kriegsherren vor dem Zerfall stand, stritten die drei großen Reiche Shu, Wu und Wei um die Vormachtstellung im Reich der Mitte. Als Spieler selbst kann man sich für eine der drei Seiten oder kleinere Fraktionen entscheiden, es besteht aber auch die Möglichkeit, auf seinem eigenen Fleckchen Land eine neue allumfassende Dynastie zu etablieren.

Dass Romance of the Three Kingdoms XIII trotz gleicher Engine aber nicht nur ein Reskin von Nobunaga’s Ambition ist, merkt man schon nach wenigen Spielminuten. Der Titel spielt sich viel mehr wie eine Mischung aus Rollenspiel und Strategie, was nicht zuletzt an dem größeren Fokus auf den zwischenmenschlichen Beziehungen liegt. Wie auf einer Landkarte sind die einzelnen Offiziere und ihre Beziehungen zueinander vermerkt und werden im Spielverlauf immer mehr zu einem Netz aus Verbündeten, Feinden und Verrätern. Besonders interessant ist auch die Möglichkeit, als kleiner Offizier in einer Dynastie langsam die Rangleiter nach oben zu erklimmen bis man schließlich zum Verwalter einer oder gar mehrerer Städte wird. Durch Ansammeln sogenannter Verdienste, die man für das Ausführen von Quests erhält, wächst der eigene Einfluss stetig. Hierdurch spielt sich das Spiel über weitere Strecken anders als wenn man am Start einen der etablierten Anführer wie Dong Zhuo, Cao Cao oder Sun Jian wählt.

Neben dem Zwischenmenschlichen sind die weiteren Kernaspekte Politik, Wirtschaft und Kriegsführung. Hierbei setzt man auf ein pausierbares Echtzeitsystem in dem bestimmte Aktionen eine vordefinierte Anzahl an Zeit erfordern. Die meiste Zeit ist hierbei eine 3D-Karte Chinas zu sehen mit einzelnen Städten und Dörfern und den momentanen Truppengrößen. Besonders zu beachten ist im Vergleich zu anderen Genrevertretern die Tatsache, dass bestimmte Entscheidungen die körperliche Anwesenheit des Spielercharakters erfordern. Möchte man in Stadt X den Aufbau der Truppen unterstützen, so kann dies erst nach einer Reise dorthin geschehen. Lediglich einflussreichere Offiziere wie Minister oder ein Vizeherrscher können Befehle an andere delegieren und auch nur bis zu acht Stück zugleich. Was manche vielleicht als Mangel an Mitbestimmung sehen mögen, sorgt in der Realität aber vor allem für einen angenehm flotten Spielfluss, eben weil man sich nicht um jedes einzelne Rädchen im Getriebe kümmern muss. Eine Ausnahme bildet hierbei lediglich die Kriegsführung, denn wenn man den Befehl zur Mobilmachung gibt, dann kann man mit einem entsprechenden Rang die Armeen jeder einzelnen Stadt verwalten.

Mit dem Hauptcharaktere kann man seine Konflikte selten friedlich lösen. Manchmal genügt es, in eine Opposition in einem kleinen Debattier-Minispiel, was ähnlich wie das bekannte Schere-Stein-Papier funktioniert, zu schlagen, doch häufig zieht man in die Schlacht. Treffen die eigene Armee und die des Gegners aufeinander, so hat man die Wahl ob man selbst die Kontrolle übernehmen will, was auf einem eigenen Schlachtfeld-Bildschirm geschieht, oder in der Übersichtskarte die KI übernehmen lässt. Kämpft man selbst, so gilt es ähnlich wie bei Dynasty Warriors entweder die Kontrolle über die Karte zu erlangen oder alle gegnerischen Offiziere zu besiegen. Die vorherrschenden Truppentypen sind hierbei Kavallerie, Speerträger und Bogenschützen. Zwar bietet Romance of the Three Kingdoms XIII hier einige nette Extras wie beispielsweise Belagerungswaffen und Heldenfähigkeiten, die kurzzeitig einen Buff oder Debuff erzeugen, aber die taktischen Möglichkeiten sind hier nicht so stark herausgearbeitet wie bei Nobunaga’s Ambition oder gar Total War. Auch von der technischen Seite waren hier bei der standardmäßigen mittleren Geschwindigkeitsstufe auf der PlayStation 4 ein paar Slow-Downs zu verzeichnen wenn ein Dutzend Offiziere in die Schlacht gezogen sind. Man sollte aber nicht vergessen, dass Belagerungen häufig Wochen andauern und im Hintergrund natürlich jeder weitere Aspekt des Spiels berechnet wird.

Wenn man von den kleineren Rucklern absieht, ist die Präsentation des Titels ansonsten sehr gut. Die Grafik ist ansprechend und besonders die detailierten Charakterportraits (insgesamt über 700) und stimmungsvollen Zwischensequenzen sind hier hervorzuheben. Abgerundet wird das ganze vom phänomenalen Soundtrack, der klassischen Klängen der Serie Tribut zollt, aber auch neue Arrangements enthält. Gesprochen wird wahlweise Japanisch oder Chinesisch und sämtliche Texte sind auf Englisch. Die Menüs mögen zwar am Anfang sehr komplex und verwinkelt erscheinen, aber selbst mit Controllersteuerung lässt sich alles gut navigieren. Ein wenig störend kann jedoch die große Menge an Text und Icons sein, die sich teilweise auch überlappen. Wenn man zum Beispiel im Kartenmodus wissen möchte, wie viele Truppen dem Gegner noch bleiben, so ist das ein wenig fummelig, da in der Regel die eigene Symbole im Vordergrund stehen. Abhilfe schafft hierbei aber ein Reiter, der am rechten Bildrand eingeblendet wird und mit dem man einen guten Überblick bekommt, auch wenn die Möglichkeit einer Einblendung direkt am Cursor vielleicht sinnvoll gewesen wäre.

Zuletzt bleibt natürlich noch der Blick darauf, was man für sein Geld geboten bekommt und das ist meiner Meinung nach eine Menge. So gibt es zum Beispielen den Hero-Mode, eine Kampagne die wichtige Schlüsselszenen der Entstehung der Drei Reiche beleuchtet und gleichzeitig als gelungenes Tutorial für Neulinge dient. Weitere Missionen sind hier außerdem als DLC erhältlich. Den Kern des Spiels bietet jedoch ganz klar der sogenannte Main-Modus. Hierbei stehen verschiedene historische oder fiktive Startdaten zur Verfügung und das Spiel endet erst, sobald man ganz China erobert hat oder, was aber eher unwahrscheinlich ist, das Jahr 350 erreicht wurde. Neben einem variablen Schwierigkeitsgrad hat man noch einige Möglichkeiten, das Spiel nach seinem Geschmack anzupassen, beispielsweise mit selbsterstellten Offizieren. Besonders toll ist die Tatsache, dass man historisches Verhalten an- oder ausschalten kann, was für einige interessante alternative Spielverläufe sorgt. Wie bei Nobunaga’s Ambition gibt es jedoch auch hier wieder den Wermutstropfen: kein Multiplayer-Modus.

Fazit

Wer bereits zuvor Nobunaga’s Ambition liebgewonnen hat, der wird auch bei Romance of the Three Kingdoms XIII kaum etwas falsch machen, doch auch genrefeste Neulinge finden sich dank des guten Tutorials, welches gleichzeitig noch historische Fakten vermittelt, schnell zurecht. Der Titel geht um einiges schneller von der Hand und auch, wenn an einigen Stellen vielleicht weniger Streamlining wünschenswert gewesen ist, so ist es dennoch ein sehr rundes Spielerlebnis. Besonders überzeugend fand ich persönlich den Rollenspiel-Aspekt des Spiels, der ein sehr gutes „Mittendrin“-Gefühl rüberbringen konnte. Ob als kleiner Offiziere oder als großer Herrscher, man wird stets mit angemessen Herausforderungen konfrontiert und Feinheiten wie ahistorische Spielverläufe oder eigene Charaktere und Fraktionen bringen einen hohen Wiederspielwert für zahlreiche unterhaltsame Stunden.

Romance of the Three Kingdoms XIII ist für die PlayStation 4 auf Blu-ray und Download zum Preis von jeweils 59,99 Euro erhältlich. Auf Steam gibt es nur eine Downloadversion, die ebensoviel kostet. Ein Release der PlayStation 3- oder Xbox One-Version sind für den westlichen Markt nicht geplant.

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