Test – The Amazing Spider-Man 2

Erster Eindruck: Als ich erfahren habe das The Amazing Spider-Man 2 als Spiel erscheinen soll, […]

Erster Eindruck:

Als ich erfahren habe das The Amazing Spider-Man 2 als Spiel erscheinen soll, war ich zu allererst skeptisch. Lizenzspiele haben es doch in den letzten Jahren zu genüge verstanden zu enttäuschen. Als ich dann hörte, dass die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft es sogar auf die NextGen schafft und das es keine 1:1 nacherzählte Grütze eines Films wird, wurde ich doch etwas hellhörig und freute mich auf das Spiel. Vielleicht sollte es ja diesmal keine Enttäuschung werden und solche Spiele in einem neuen Licht darstellen. In weiser Voraussicht hielt ich meine Ansprüche aber auf einer überschaubarer Ebene. Sollte es gut werden, kann ich mich wenigstens freuen. Wenn nicht, eben nicht.

Stan Lee mit seinem obligatorischen Cameo-Auftritt und einem umproportionalen Peter Parker. © Activision

Nach einiger Verspätung kam das Spiel für Microsofts Xbox One doch noch bei mir an. Wie gehabt legte ich die Disc ein und lies die Konsole in Ruhe installieren. „Der Ladebildschirm sieht schon mal gut aus“ dachte ich mir. Um es schon mal vorweg zu nehmen, diesen werdet ihr sehr oft und ich meine wirklich sehr oft zu sehen bekommen. Dazu später aber mehr. Alles beginnt mit der Sequenz, in der Peter Parkers Onkel Ben ermordet wird. Leider empfand ich den Start schon eher als peinlich statt gelungen. Aber gut. Startschwierigkeiten gibt es überall und ich machte einfach mal weiter. Als ich dann mit Peter selbst spielen konnte, fiel mir vor allem eines auf. Was zur Hölle ist mit dem Jungen passiert? Mal abgesehen davon das er und auch jede andere Figur nur marginale Ähnlichkeiten mit den original Charakteren des Films haben, waren seine Körperproportionen völlig aus den Fugen geraten. Sein Kopf war im Gegensatz zu seinem enormen Körper viel zu klein. Da kann nicht mal die aus dem Film bekannte Gel-Tolle was dran ändern. Seltsamer Weise, sind die Proportionen des Arachnoiden aber wieder stimmig. Wie Entwickler Beenox dies erklären will, ist mir schleierhaft.

Die Story und andere Kuriositäten:

© Activision

Wie eingangs schon erwähnt, ist die Geschichte des Spiels nicht eine bloße Nacherzählung des Leinwandspektakels, sondern soll eher die Geschehnisse dazwischen abdecken und so eine völlig neue Geschichte erzählen. Natürlich finden aber auch die Figuren des Hollywood-Ablegers im Spiel ihre Einsatzmöglichkeit. Alles andere wäre ja ansonsten nur ein „weiteres Spidey-Game“. Die Hauptstory ist leider wenig gelungen und ebenso langweilig und lieblos gestaltet wie die Charaktere oder die riesige Metropole New York City. Texturen sind nicht NextGen gerecht, in der Ferne sieht man, wie Autos und Gebäude spawnen, und die Straßen sind doch eher leergefegt als bevölkert, so wie man es vom Big Apple erwartet.

© Activision

Ich bin wahrlich kein Freund von verrissen, da ich denke, dass jedes Spiel auch seine positiven Seiten hat. The Amazing Spider-Man hat diese auch, aber sie halten sich leider sehr im Grenzen. Beispielsweise das Schwing-System, welches euch das schnelle fortbewegen zwischen den Häuserschluchten New Yorks erlaubt, sieht nicht nur gut aus, sondern macht von der Steuerung auch Sinn. So stehen die beiden Trigger des Controllers für den je linken und rechten Arm der humanoiden Spinne. Auch die Funktion euch schnell an einen bestimmten Platz zu katapultieren oder das hochrennen an Hausfassaden ist einfach und intuitiv. Aber wie schon angemerkt, sind das auch schon die positiv zu vermerkenden Eigenschaften des Spiels.

Im Spiel kommt ihr immer wieder an den Punkt, bei dem ihr Dialoge mit Freunden und Feinden führt. Ihr habt hier die Möglichkeit immer drei fragen zu stellen. Am Anfang hört ihr den Gesprächen noch zu aber spätestens beim dritten oder vierten mal bemerkt ihr, dass es völlig egal ist ob ihr es tut oder nicht. Diese beeinflussen nämlich kein Stück das Spielgeschehen oder sind wichtig für euer Fortkommen. Daher werdet ihr sie einfach irgendwann skippen. Wo wir aber gerade bei verbalen Kontakten sind gibt es da nochmals unseren Protagonisten Peter Parker alias Spider-Man zu erwähnen. Dieser hat immer einen zackigen Spruch auf den Lippen, egal ob ihr euch im Kampf befindet, ihr verschiedene Items sammelt oder lediglich durch Manhattan schwingt. Seine Sprüche sind weder lustig noch tiefsinnig, sondern Nerven einfach nur noch, weil er sie im Sekundentakt vom Stapel lässt. Außerdem ist zu bemerkten, dass Activison und das Entwicklerstudio Beenox behaupteten, bei The Amazing Spider-Man handele es sich um ein Open-World-Game. Ich kenne aber keines, in dem ich so viel Zeit in Ladebildschirmen verbracht habe wie dieses. Selbst das betretet meines Ladens oder Hauses ist mit einem Ladebildschirm zu überbrücken. Und leider ist die Wartezeit doch enorm.

Das Kampfsystem: Arkham City lässt grüßen

© Activision

Als ich während des Spielens in meine ersten Kämpfe verwickelt worden bin, ließ mich der Gedanke nicht los, gerade eigentlich einen anderen Superhelden zu spielen. Das simple „ein-Knopf-Angriff-ein-Knopf-Abwehr“-System kam mir doch recht bekannt vor. Beenox bediente sich scheinbar am erprobten und beliebten zwei-Knopf-Verfahren der Batman: Arkham-Reihe. Das Problem ist allerdings, dass es nicht so gut funktioniert und auch nicht so durchdacht ist wie beim Original. Des weiteren hatte ich während der Casual-Fight-Szenen mit einigen Bugs zu kämpfen. So liefen Gegner teilweise auf der Stelle und nur ein gezielter Tritt Richtung Schädelregion, ließ die KI wieder in Schwung kommen. Genau so sieht es bei den Boss-Kämpfen aus. Von einer künstlichen „Intelligenz“ war nicht viel zu spüren und der eigentliche Battle ging schnell zu Ende. Im groben gesagt, wollten die Entwickler mit dem kopierten Kampfsystem eine Arkham ähnliche Atmosphäre aufbauen, nur ging dieser Versuch leider nach hinten los.

Fazit:

The Amazing Spider-Man hatte, von dem was ich im Vorfeld hörte, potenzial gehabt. Leider ist auch dieses Linzenzspiel nur ein Mittel zum Zweck. Und zwar um den Film- und Comic-Fans noch den letzen Euro aus der Tasche zu ziehen. Natürlich, Fans der Spinne werden ihre Freude an dem Spiel haben. Das hängt wahrscheinlich mehr mit der Passion zusammen, als das es sich hierbei um ein Meisterwerk der Spielgeschichte handelt. Das Kampfsystem ist dreist vom Genre-Kollegen geklaut worden. Einzig und allein das, was Spider-Man aus macht, ist im Spiel gut umgesetzt worden; das Schwingen durch die Häuserschluchten. Für ein Vollpreistitel ein bisschen zu wenig. Die Charaktere haben nichts mit den original Schauspielern gemein, Proportionen stimmen nicht und die Story ist auch eher schlecht als recht umgesetzt worden. Für Hardcore Spider-Man Fans wahrscheinlich ein Muss, aber alle anderen müssen für sich abwägen, ob ein Preis von 60 bis 70 Euro für ein unterdurchschnittlichles „NextGen“-Game gerechtfertigt ist.

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