Test – Tokyo Dark

Erkundet die dunklen Geheimnisse von Tokyo, während ihr nach eurem verschwundenen Partner sucht

Tokyo Dark ist ein Horror-Adventure im Anime-Stil mit Point & Click sowie Visual Novel Elementen. Die Geschichte dreht sich um die Detektivin Ayami Itō, die in Tokyo nach ihrem verschwundenen Partner und Freund Tanaka sucht.

Der Titel erscheint unter dem Banner der Square Enix Collective, einer kuratierten Plattform, die Entwicklern eine Chance gibt ihre Spiele zu präsentieren und Gamer entscheiden lässt, ob diese umgesetzt werden sollen. Letztes Jahr erschien über die Plattform beispielsweise The Turing Test (Review hier) von Bulkhead Interactive.

Im düsteren 2D Stil durchstreift ihr Tokyo

Wir steuern Protagonistin Ayami Itō durch verschiedene Schauplätze, die von realen Orten rund um und in Tokyo inspiriert sind, lassen sie Gegenständen untersuchen oder mit Leuten interagieren. Darunter zum Beispiel Viertel wie Akihabara, Kabukicho oder Shinjuku. Wirkliche Puzzles werdet ihr dabei aber nicht lösen, da das Spiel deutlich mehr Visual Novel als Point & Click Adventure ist. Allerdings gibt es vereinzelt kleinere Rätsel. So müsst ihr einmal Lampen in der richtigen Reihenfolge anschalten, um voranzuschreiten oder dafür sorgen, dass ein Gebäude geräumt wird, um einen bestimmten Raum zu betreten. Allerdings folgt ihr dabei einem vorgegebenen Pfad und könnt diesen nicht verlassen, sondern lediglich Dialoge durch eure Entscheidungen beeinflussen. Die sind final und können aufgrund von automatisch generierten Speicherständen nicht geändert werden. Bis auf das Ende haben diese aber eher kleine Auswirkungen, wie veränderte Gespräche oder Reaktionen der NPCs.

Das S.P.I.N.-System gibt euch Auskunft über eure Werte

Ein großer Punkt, welches sich auf die Entscheidungen auswirkt, ist das S.P.I.N.-System (Sanity, Professionalism, Investigation, Neurosis). Nachdem die Detektivin eine Art psychotischen Anfall hat, wird sie ins Krankenhaus geschickt, wobei die Funktion des Systems erklärt wird. Alle Entscheidungen die ihr trefft, euer Verhalten in Gesprächen und eure Herangehensweise wirken sich auf die genannten Werte aus. Vom Krankenhaus werden ihr zum Beispiel Tabletten verschrieben, die helfen sollen Itōs Zurechnungsfähigkeit (Sanity) zu verbessern, senken dafür aber ihre Aufmerksamkeit beim Fall (Investigation). Zudem kann man mit seiner Katze spielen oder Nahrung zu sich nehmen, um den Zustand der Neurose zu stabilisieren. Verhält man sich unprofessionell, also wenn man beispielsweise während der Arbeit Alkohol trinkt, wirkt man in den Augen der Mitarbeiter unseriös und das Ansehen in der Öffentlichkeit wird schlechter.

Gesteuert wird mit der Maus, indem ihr hervorgehobene Bereiche anklickt

Obwohl das System auf den ersten Blick sehr interessant wirkt, merkt man im Spielverlauf, dass es doch sehr irrelevant ist. Die Einflüsse des Systems sind nur minimal in den Dialogen sichtbar, auch bei der Handlung sind die Unterschiede leider nicht allzu groß. Zudem ist es kaum möglich vom vorgegeben Pfad der Handlung abzukommen. Über eine Karte bewegt ihr euch zwischen den verschiedene Orten fort, allerdings hat man meistens nur einen vorgegebenen Weg.

Im Gegensatz zu vielen Visual Novel, bietet Tokyo Dark keine Synchronisation, wobei ab und zu einige japanische Ausrufe zu hören sind. Im Gegensatz dazu ist die Musikauswahl ausgezeichnet. Nahezu jeder besuchbare Ort hat ein eigenes Thema. Das Maid Café klingt eher verspielt und fröhlich, an den düsteren Orten hören wir dagegen dunkle Bässe oder verzerrte Geräusche.

Über eine Karten besucht ihr verschiedene Orte. Abweichungen sind leider kaum möglich

Auch der visuelle Aspekt des Spiels ist hervorragend. Handgezeichnete 2D Grafiken und animierte Zwischensequenzen hauchen der Welt leben ein und sind selbst in den großen Vorbildern nicht zwangsläufig besser. Das kleine Team von Cherrymochi hat auch hier sehr gute Arbeit geleistet. Für viele Leute abschreckend könnte aber die Tatsache sein, dass der Titel lediglich in englischer Textsprache lokalisiert ist. Vereinzelt finden sich in dieser Fassung wenige grammatikalische Fehler, diese stören den Spielfluss aber kaum. Für Puristen steht aber auch das japanische Original zur Verfügung.

Nach dem einmaligen Durchspielen schaltet ihr den New Game+ Modus frei. Zudem tut sich nach dem Starten dieses Modus zusätzliche die Option Broken Memories auf, welche mehrere Speicherstände zulässt. Scheinbar können diese nur an gewissen Punkten getätigt werden. Des Weiteren ist es möglich Teile, die ihr bereits gesehen habt vorzuspulen. Nichtsdestotrotz müsst ihr den Großteil des Spiels wiederholen, um die alternativen Enden zu sehen. Schade eigentlich, da dies eleganter hätte gelöst werden können.

Fazit

Letztlich kann man Tokyo Dark allen Adventure-Freunden, die auf eine gute Geschichte Wert legen, empfehlen. Denn der Kernpunkt des Spiels ist definitiv die Geschichte. Diese treibt den Spieler mit vielen Fragen an, welche nach und nach beantwortet werden und wiederum neue Fragen aufwerfen. Weiterhin kann sie mit gut durchdachten Wendungen und Enthüllungen überzeugen. Elf verschiedene Enden, eins davon nur über New Game + zu erreichen, halten euch rund 10 Stunden bei Laune.
Positiv
  • Handgezeichneter Stil
  • Exzellenter Soundtrack
  • Spannende Geschichte
Negativ
  • Keine Option wichtige Entscheidungen zu wiederholen
Kommentare

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