Test – Tom Clancy’s: Ghost Recon Wildlands

Ghost Recon goes Open World. Wie schlägt sich der neuste Shooter der Tom Clancy Reihe?

Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands ist, zumindest vom Titel, her der Nachfolger zum 2012 erschienenen Last-Gen Titel Future Soldier. Viel gemein haben die Spiele allerdings nicht.

Was schon direkt zu Beginn auffällt: Das Hauptaugenmerk wurde auf Gameplay und freie Entscheidungen gesetzt. Eine lineare, über Missionen ablaufende Handlung findet man in Wildlands nicht. Mehr als den Shooterstandard werdet ihr aber auch nicht vorfinden. In klassischer Third-Person Manier metzelt ihr haufenweise Gegner nieder, sei es per Stealth oder wie Rambo mit dem MG. Dabei könnt ihr während des Zielens per Knopfdruck in die First-Person Ansicht schalten, was natürlich gerade beim Zielen mit dem Scharfschützengewehr unabdingbar ist. Fernab davon sind Genreveteranen schnell mit der Steuerung vertraut. Sonderlich innovativ ist bei Wildlands Nichts.

Wie es sich für ein weitläufiges Rollenspiel gehört bietet euch der Titel einen Skillbaum, wobei ihr in verschiedenen Kategorien beispielsweise eurer Team oder euch selbst verbessern könnt. Neben den üblichen Punkten fürs Aufleveln benötigt ihr auch spezielle Punkte je nach Kategorie, die es wiederum über kleine Nebenmissionen gibt. Die Upgrades sind nett, geben euch aber keine Spiel entscheidenden neuen Vorteile, können euch aber helfen und die Missionen vereinfachen.

Zudem habt ihr Zugang zu etlichen unterschiedlichen Waffen, die sich natürlich auf euren Spielstil auswirken. Schlagt ihr lieber aus der Distanz zu, sind die Scharfschützengewehre eure beste Option. Ausgerüstet mit einem Schalldämpfer werdet ihr blitzschnell zum lautlosen Killer. Bevorzugt ihr die Rambo-Methode stehen euch viele Sturmgewehre oder MGs zur Auswahl. Schade ist aber, dass ihr sowohl Waffen als auch Aufsätze erst durch das Finden in der Spielwelt freischalten könnt. Um die gewünschte Waffe und passende Visiere, Läufe, Magazine et cetera zu bekommen, müsst ihr also erst einmal die rund 20 Gebiete erkunden. Und das kostet Zeit, sogar verdammt viel Zeit. Wildlands ist so riesig, dass es für mich schon fast zu groß wirkte. Natürlich bietet euch Ubisoft eine Menge an Nebenmissionen und Collectibles aber das ändert nichts daran, dass sich nach wenigen Stunden ein repetitives Spielgefühl einstellt.

Apropos repetitiv. Um das Kartell zu zerschlagen gilt es rund 20 verschiedene Regionen einzunehmen. Jedes Gebiet hat einen Boss, dessen Identität es über kleine Missionen herauszufinden gilt. Die Bosse wiederum gilt es zu besiegen, um schließlich den großen Bösewicht El Sueño herauszulocken. Dafür extrahiert ihr wichtige Ziele, verhört Gegner, zerstört wichtiges Equipment und Drogen oder tötet einfach ein paar Leute. Diese Missionen sind dabei wenig abwechslungsreich. Nichtmal die Gegnertypen unterscheiden sich großartig. Im Prinzip gibt es, mit normalen und besser ausgerüsteten Sicarios sowie Scharfschützen, drei Arten von Feinden. Diese sind dann entweder zu Fuß, im Auto oder Helikopter unterwegs und versuchen euch das Leben schwer zu machen. Allerdings ist die KI der Gegner manchmal so dämlich, dass man sich fragen muss, ob man auf Moorhühner schießt.

Kann der Titel zumindest beim Gameplay noch überzeugen, versagt er bei der Story auf ganzer Linie. Diese wird anfangs mit wenigen Cutscenes kurz erklärt und gerät sobald ihr euch frei bewegen könnt gänzlich in den Hintergrund. Ubisoft setzt hier ganz klar auf spielerische Freiheit, als auf spannendes Storytelling. Dies mag Spieler ansprechen, die den Titel rein wegen des Koop-Modus gekauft haben, mich dagegen langweilt es und lässt das ohnehin repetitive Spiel noch langweiliger wirken, da schlichtweg nichts spannendes passiert. Um euch allerdings einen kurzen Überblick zu geben, was denn eigentlich Sache ist: In Bolivien hat sich ein Drogenkartell gebildet, welches von El Sueño geleitet wird. Dieser wird zu Beginn in einer wenig aussagenden vorgerenderten Szene vorgestellt. Eure Aufgabe als Mitglied einer Spezialeinheit ist das Kartell und El Sueño zur Strecke zu bringen sowie einen ermordeten CIA-Agenten zu rächen. Klingt langweilig, ist es auch. Aufgrund der offenen Spielwelt, ist ein linearer Ablauf der Geschichte natürlich nicht möglich, dennoch hätte man vielleicht einen besseren Weg finden sollen die Geschichte zu integrieren. Ähnlich wie bei Kampfspielen, seien es Tekken oder Street Fighter, ist die Geschichte lediglich vorhanden, damit ihr in einer offenen Welt nicht nach und nach Aufträge abarbeitet. Interessanterweise bietet euch das Spiel aber zwei Enden. Eines davon schaltet ihr nur frei, falls ihr 100% der Kartelleoperationen lahmlegt, was gut 60 Stunden dauern kann. Über mangelnde Spielzeit kann sich also niemand beschweren.

Wenigstens die Regionen können mit divergenter Fauna aufwarten. So gibt es den Dschungel, Berge, karge Landschaft, Sümpfe, Höhlen oder Seen. Hier macht Wildlands Vieles richtig. Generell ist das Design der Welt ansprechend und gut umgesetzt. Besonders atmosphärisch wird es, wenn der Tag- und Nachtwechsel sowie Wetterbedingungen ins Spiel kommen. Dies wirkt sich natürlich auch auf das Spielverhalten aus. So ist es bei strömendem Regen und Dunkelheit deutlich einfacher ein gesichertes Gebiet heimlich von Feinden zu befreien und macht zudem noch ordentlich Spaß.

Neben einigen technischen Fehlern fällt der Ton ganz besonders störend auf. Die Abmischung war stellenweise komisch, die Synchronsprechern machen keinen guten Job und die Radioansagen im Spiel haben mich fast um den Verstand gebracht. Gefühlt war in jeder Basis irgendwo ein Radio aufgestellt und beschallte mich während des Spielens mit Nachrichten und Musik. Auch die sich ständig wiederholenden Ausrufe des eigenen Charakters konnte ich nach 5 Stunden auswendig.

Falls ihr die Möglichkeit habt ein paar Freunde zusammenzutrommeln könnt ihr im Koop-Modus allerdings eine Menge Spaß haben. Headset und Absprachen sind dabei unabdingbar. Ohne euren KI-Squad merkt ihr erstmal, wie schwer der Titel werden kann. Da euer Charakter nur wenig aushält ist hier Taktik sehr wohl vorhanden. Ob dieser Spaß euch den Vollpreis wert ist, müsst ihr selbst entscheiden.

Fazit

Alles in allem ist Ghost Recon Wildlands kein schlechtes Spiel. Aber es ist auch kein wirklich gutes Spiel. Es reiht sich die Riege des absoluten Standards ein. Für Spieler, die sich mit Freunden durch eine offene Spielwelt kämpfen möchten und denen eine Geschichte in Videospielen nicht wichtig ist, kann ich den Titel empfehlen. Alle anderen sollten sich anderweitig umschauen.
Positiv
  • - Gutes Gameplay
  • - Großen Waffenauswahl
Negativ
  • - Zu repetitiv
  • - Kaum Geschichte
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