Test – Type:Rider

Du fragst dich, woher die Buchstaben eigentlich kommen? Wie entstand die chinesische Schrift? Dann sollte Type:Rider einen Blick wert sein.

Sind Videospiele Kunst? Diese Frage stellen sich Kritiker und Anhänger der Videospiel-Szene seit einer gefühlten Ewigkeit. Das kleine Spiel Type:Rider könnte diese Frage endgültig klären und auf den Punkt bringen.

Type:Rider beschäftigt sich ziemlich hartnäckig mit einem Thema, welches viele Menschen als selbstverständlich abtun und dabei gar nicht wissen, warum und wie es entstanden ist: die Typografie.

Typografie ist die Kunst, Worte in Zeichen zu transferieren, für andere Menschen lesbar und somit für Ewigkeiten zu konservieren. Dabei begann die Geschichte der Zeichen bereits um 32.000 v. Chr. mit der Keilschrift. Darauf folgen die Chinesen mit ihren Schriftzeichen, die sie damals zunächst auf Schildkrötenpanzer ritzten, weil Papier noch in den Kinderschuhen steckte. Wie kommt nun ein kleines Entwicklerteam dazu, daraus eine interaktive Demo, oder gar ein ganzes Videospiel zu entwickeln? Eine gute, aber dennoch berechtigte Frage, denn Typografie ist mehr als nur Symbolik von Worten, es zeigt die Entwicklung der Menschheit.

Das Spiel wurde unter dem Deckmantel von arte veröffentlicht. arte, dieser Sender den sich meist nur Menschen älteren Semesters anschauen und das meiste davon auf französisch ausgestrahlt wird.

Alles hat einen Anfang

Type:Rider nimmt den Spieler mit auf eine Reise der Zeichen, Schriften und letztlich auch der Kommunikation der Menschen. Das Spiel beginnt mit einem kleinen Tutorial, in dem die Steuerung und Umwelt im Spiel erklärt wird. Wer das leicht melancholische Spiel Limbo gespielt hat, wird hier erneut Freude an einer ähnlichen Optik haben. Die Steuerung ist denkbar einfach, von links nach rechts bewegen, dabei gelegentlich springen und das Level meistern.

Typografie, die Sprache auf Papier und Fernseher

Das Spiel bietet zehn Levels. Jedes Level beschäftigt sich mit einer Epoche der Typografie und zeigt dessen Meilensteine. So geht es zum Beispiel bei um die Gotische Schrift, Garamond, Futura und einige anderen. Während man sich im Level von A nach B bewegt, gilt es das Alphabet als einzelne Buchstaben einzusammeln. Dazu gehört auch jeweils ein verstecktes &-Zeichen, welches als Bonus in jedem Level versteckt ist. Während man die Levels bestreitet, gibt es zwischendurch einige Infotafeln mit einem umfangreichen Erklärtext zur jeweiligen Epoche. Die Levels sind, neben den sehr schön angeordneten Zeichen, auf denen man sich fortbewegt, mit schönen Hintergrundgrafiken und Malereien des jeweiligen Themas ausgeschmückt. Auch Fotos dürfen hier natürlich nicht fehlen.

Für alle Sinne

Obwohl das Spiel in seiner Ganzheit sehr minimalistisch daherkommt und es sich im Kern eher nur mit Typografie beschäftigt, wurde auch in Sachen Soundtrack nicht gespart. Okay, es wurde kein orchestrales Meisterstück für das Spiel inszeniert, aber die Musik passt immer sehr gut zur zeitlichen Epoche und stört auch nicht, wenn man sie einmal mehr als 15 Minuten am Stück hört.

Geschichtsunterricht wie er sein muss

Wer ist damals schon gerne zur Schule gegangen? Okay, es gibt sicher spannendere Dinge, als den ganzen Vormittag auf einem Stuhl sitzend einer Lehrerin oder Lehrer zuzuhören. Aber genau hier kommt Type:Rider daher und zeigt, wie Unterricht funktionieren kann. Ein einfaches und dennoch teilweise forderndes Spielprinzip, gut und unterhaltsam inszeniert, beantwortet brennende Fragen, die man sich plötzlich während des Spiels stellt, auf eine Art und Weise, in der man sogar dem größten Schulmuffel den Stoff schmackhaft machen kann. Das Spiel wurde einfach sehr schön und tragend umgesetzt, dass aufhören beinahe unmöglich scheint.

Fazit

Videospiele können Kunst sein, sofern das Entwicklerteam und Publisher es zulässt. Mit Type:Rider ist dem Entwickler ein kleines Meisterstück gelungen. Wer einen Blockbuster oder eine Story à la Hollywood möchte, sollte einen sehr großen Bogen um das Spiel machen. Wer jedoch jedoch eine tolle und wahre Geschichte erleben möchte, sollte sich Type:Rider einmal genauer anschauen. Das Spiel zeigt einem sehr schön und unterhaltsam, wie es dazu gekommen ist, dass gerade Du, der Leser, diesen Test hier lesen kannst.

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