Angeschaut – Branching Paths

Spannende Einblicke in die japanische Indie- und Doujin-Szene.

Bei uns im Westen sind Indie-Entwickler schon lange ihrem Ruf als Hobbyisten entflohen, was nicht zuletzt an Titeln wie BraidMinecraft oder natürlich auch Undertale liegt. Doch wie sieht es in Japan, welches insbesondere durch die Vorreiterrollen auf dem Elektronikmarkt der späten 80er und 90er Jahre, als einer der größten Produzenten und natürlich auch Konsumenten von Videospielen zählt? Die in Frankreich geborene und in Japan lebende Regisseurin und Journalisten Anne Ferrero hat sich gemeinsam mit dem Produktionsstudio ASSEMBLAGE auf Spurensuche begeben und stellt in ihrem Film Branching Paths: A journey through Japan’s indie game scene eine vielfältige Szene im Aufschwung vor.

Der Dokumentarfilm, der über einem Zeitraum von zwei Jahren gedreht wurde, beginnt mit der Tokyo Game Show 2013, bei der es zum ersten Mal in der Geschichte der Messe einen Stand für Indie-Spiele gab. Auch Besuche bei der Bitsummit in Kyoto oder dem Comiket dürfen natürlich nicht fehlen. Anders als Indie Game: The Movie werden hier kaum einzelne Entwickler bei der Entstehung ihrer Spiele begleitet, sondern es geht vielmehr darum, den Wandel der Zeit zu zeigen und was die einzelnen Entwickler antreibt. Durch das Internet und Plattformen wie Steam, den App Store oder das PlayStation Network wurde es weltweit möglich, dass viele Leute ihre Spiele mit anderen teilen und davon leben konnten. Man sieht im Film eine bunte Mischung aus größeren Unternehmen wie zum Beispiel Q-Games (Pixeljunk-Reihe, The Tomorrow Children), Ein-Mann-Studios wie zum Beispiel ZUNs Team Shanghai Alice (Touhou Project) oder Takayuki Yanagihara mit TorqueL.

Ein wichtiger Punkt für viele Indie-Entwickler ist natürlich die Finanzierung, ohne dabei seine persönlichen Visionen aufzugeben und der Weg zu Kickstarter, den auch in Japan einige bestritten haben. So ist der Zuschauer mit dabei, wie Nigoros La-Mulana 2 gefundet wird und wie Koji Igarashis Bloodstained alle bisherigen Rekorde bricht. Die Macher von Indiegames sind so verschieden wie ihre Spiele und so sieht man neben Veteranen wie Yoshiro Kimura (Chulip, Little King’s Story, heute selbstständig bei Onion Games) auch Neueinsteiger wie Ojiro „Moppin“ Fumoto, der gerade in seiner Wohnung an dem heute sehr erfolgreichen Downwell arbeitet. Auch einige westliche Gesichter sind mit von der Partie, die zum Beispiel die Brücke zwischen Ost und West schlagen oder aber mittlerweile selbst in Japan leben, um dort an ihren Spielen zu arbeiten.

Doch nicht nur thematisch, sondern auch dramaturgisch kann Branching Paths punkten. Die knapp 80 Minuten sind vollgepackt mit den unterschiedlichsten Facetten einer sehr heterogenen Szene, die der Wunsch nach Selbstverwirklichung vereint. Große Messen stehen im Kontrast zu kleinen Büros in Schlaf- und Wohnzimmern, erfahrene Entwickler kontrastieren ambitionierte Neulinge. Der Film kommt, wie bei Streams üblich, mit 1080p daher, für die musikalische Untermalung sorgen LOW HIGH WHO?. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch: Die Untertitel, die in Englisch und Japanisch verfügbar sind, werden nicht eingeblendet, wenn in der gewählten Sprache geredet wird. Das dürfte zwar für die meisten kein Problem sein, sollte aber nicht unerwähnt bleiben.

Fazit

Alles in allem weiß der Film durchaus zu überzeugen und kann jedem ans Herz gelegt werden, der etwas für Indie-Titel oder Spiele-Entwicklung übrig hat. Man sieht eine kleine, aber sehr entschlossene Gruppe von Menschen, die, wie es im Film heißt, „das Spiel machen, das nur sie machen können“ und es macht Spaß sie für einen Moment auf ihrem Weg zu begleiten. Ein entsprechender Hauch von Freiheit und Romantik schwingt die ganze Zeit und so bleibt zu hoffen, dass uns solche Talente noch lange Zeit mit neuen Spielen versorgen werden.

Der Film ist als mp4 für 9,99 Dollar bei Playism inklusive Steamkey erhältlich und somit kriegt man hier für weniger tatsächlich mehr als bei Valves Verkaufsplattform, die nur einen Stream anbietet.

Noch bis zum 5. August gibt es zusätzlich 10 Prozent Rabatt. Im gleichen Zeitraum läuft auch noch ein Sale für einige der im Film gezeigten Titel aus Playisms Portfolio.

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