Aus Frust die Partie verlassen: Blizzard denkt an härtere Strafen – ist das sinnvoll?

Regelmäßige Konsequenzen gibt es bereits. Die Strafen sollen nun aber erhöht werden. Ist das wirklich sinnvoll?

Besonders in den bei Overwatch regelmäßig laufenden Saisonspielen, die als Ranglistenspiele zu kategorisieren sind, kommt es auf kompetentes Teamwork an. Sofern man keine herausragend guten Einzelkämpfer im Team hat, braucht jeder Spieler der sechsköpfigen Mannschaft seine eigene, unverzichtbare Rolle. Dementsprechend schwer, oftmals unmöglich, ist es, ein Spiel noch zu gewinnen, wenn einer der sechs Spieler die Partie vorzeitig verlässt – möglicherweise, weil er zu oft auf die Mütze bekam. Für die übrigen fünf Spieler bedeutet das meist die sichere Niederlage, die ärgerlicherweise dennoch in die Statistik einfließt.

Dieser unübersehbare Hinweis warnt vor den Konsequenzen eines frühzeitigen Spielabbruchs.

Als Deserteurstrafen bezeichnete Konsequenzen gibt es bereits für diese sogenannten „Leaver“ (zu Deutsch: Verlasser). Meistens sehen diese so aus, dass man nach mehreren in einem bestimmten Zeitraum erfolgten „Rage Quits“ (zu Deutsch etwa: vor Wut beenden) für eine gewisse Zeit von der aktuell laufenden Saison gesperrt ist. Dann sind erst mal nur noch Nicht-Ranglistenspiele möglich. Aber auch dort herrscht keine Anarchie: Wer das Spiel zu oft vorzeitig verlässt, kann damit rechnen, auch hier zukünftig satte 75% weniger Erfahrung zu bekommen, was das Aufleveln naturgemäß erschwert.

Jedoch geschieht dies eben gerade nicht nach einer unbestimmten Anzahl vorzeitiger Spielabbrüche, sondern folgt einem feststehenden Algorithmus. Diesen herauszubekommen ist natürlich keine unlösbare Aufgabe und dementsprechend wissen viele Wüteriche genau, wie oft sie in welcher Zeit das Spiel verlassen können, ohne Strafen erwarten zu müssen.

Nun überlegt Entwickler Blizzard, diese Leute noch härter zu bestrafen, ohne dabei konkreter zu werden. In Betracht käme beispielsweise, die Dauer des Banns von 30 auf 60 Minuten oder noch höher zu setzen.

Wir erkennen, ob jemand das Spiel über das Hauptmenü oder aufgrund eines Verbindungsabbruchs verlassen hat.Jeff Kaplan, Game Director

Wer ein Saisonspiel abschließt, bekommt hinterher einlösbare Ranglistenpunkte.

Das Ganze ist allerdings sehr kritisch einzustufen. Von der nicht ganz vergleichbaren, aber recht ähnlichen Tatsache einmal abgesehen, dass nach überwiegender Meinung vertreten wird, dass härtere Strafen die Anzahl der Vergehen nicht senken, ist es überaus problematisch, nahezu schon ein hinreichendes K.O.-Kriterium, dass der Entwickler nicht zwischen dem bewussten Verlassen des Spiels und dem unerwarteten Abbruch aufgrund etwaiger Verbindungsprobleme differenziert. Jeff Kaplan, der Game Director, erklärt zwar, dass man den Unterschied beider Abbrüche erkenne, im Ergebnis macht das aber (noch) keinen Unterschied.

Sofern man nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zwischen vorsätzlichen Spiel-Verlassern und solchen, die Opfer ihre Internetleitung werden, unterscheidet, ist es sicher keine tolle Lösung, aber immerhin ein vertretbarer Weg, noch härtere Strafen einzuführen.

Das Problem mit den Rage Quittern ist weder ein Overwatch-exklusives Problem noch eines, das unerwartet kam. Jedenfalls ist der Kampf dagegen im vollem Gange und es bleibt abzuwarten, ob und wie Blizzard das Problem einzudämmen vermag. Aktuell werden nicht wenige Matches hierdurch entschieden, die Statistiken demzufolge verfälscht. Tätig werden sollte man in Irvine, Kalifornien also auf alle Falle, auch wenn man dieses menschengemachte Problem niemals gänzlich wird beheben können.

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