Test – Block’hood

Die Entwickler Plethora-Project bringen uns mit Block’hood einen wirklich interessanten und etwas abstrakten Städtebauer, der […]

Die Entwickler Plethora-Project bringen uns mit Block’hood einen wirklich interessanten und etwas abstrakten Städtebauer, der einen gänzlich anderen Weg geht als das alteingesessene (und in Ungnade gefallene) SimCity oder Cities: Skylines. Stattdessen wird der Fokus auf Ressourcenmanagement und skurrile Bauweisen gelegt, womit sich der Indie-Titel stark von der deutlich budgetstärkeren Konkurrenz abhebt. Doch gelingt dieser gewagte Wurf?

In Block’hood verwaltet der Spieler eine Gemeinde, deren Ziel die Selbstständigkeit durch einen geschlossenen Rohstoffhaushalt ist. Dabei werden ausschließlich Blöcke gelegt oder entfernt, es sind keinerlei Schieberegler für Steuern oder verknüpfbare Elemente vorhanden. Sämtlicher Spielfluss wird dadurch gesteuert, dass der richtige Block zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. De facto kostet das Platzieren oder Entfernen auch keine Ressourcen, denn der Haushalt wird langfristig berechnet anstatt über einmalige Gebühren; was nicht bedeutet, dass einige Blöcke nicht einen hohen Preis hätten.

An dieser Stelle sollte geklärt werden, wie ‚Block‘ überhaupt definiert ist. Es handelt sich dabei um eine funktionelle Einheit, die einen Input und einen Output bietet und kann in verschiedenen Formen auftauchen, nimmt aber immer eine Kubikeinheit Raum ein. Eine Wohnung ist ein Block, ebenso wie ein Windrad, ein Sonnenkollektor, eine Schule oder eine Baumgruppe. Sobald platziert, nimmt die Einheit ihren Job auf, erfordert dabei aber ihren Input, um nicht zu verrotten (Decay). Eine Wohnung zum Beispiel wird vernachlässigt und quittiert den Dienst, wenn nicht Strom, Wasser, frische Luft, Zugang und ein entspanntes Umfeld vorhanden sind. Besonders schön ist das, wenn auf besagtem Block weitere Etagen platziert sind; die werden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Im Gegenzug entlohnt die Wohnung den Haushalt je nach Typ mit Arbeitskraft, Konsumfreude oder Kindern sowie Schmutzwasser. Alle diese Faktoren können weiterverarbeitet werden, so braucht ein Markt die Arbeitskraft und Waren, gibt dafür aber Geld raus. Das im Vorfeld erzeugte Schmutzwasser kann in Aufbereitungsanlagen dazu verwendet werden, Fische zu züchten; wieso auch immer.

Block’hood ist ein Titel, der zunächst sehr langsam und vorsichtig gespielt werden sollte, denn übermäßige Eile führt zu einer lückenhaften Ressourcenkette, die zum Einsturz einzelner Elemente führt, was wiederum in einer Kettenreaktion resultiert. Wenn die kleine Gemeinde aber erstmal in ihren Grundfesten steht, kann recht flexibel erweitert werden. Wer mit anorganischem Müll leben kann, kann gut und gerne Ölförderpumpen aufstellen und das schwarze Gold für sehr viel Geld verkaufen, um damit eine raschere Expansion zu finanzieren.

Diese findet übrigens in erster Linie in der Vertikalen statt, denn der Platz im Erdgeschoss ist selbst auf den größten Spielfeldern limitiert und einengend. Hinzu kommt, dass einige Blöcke miteinander Synergie-Effekte hervorrufen können, wenn sie nebeneinander platziert werden. Ein Abriss und Neubau an anderer Stelle kommt einer kleinen Katastrophe gleich, da ein deutlicher Ressourcenpuffer für die Umbauphase vorliegen sollte. Besonders in luftigen Höhen muss man schon wissen, was man tut, denn hier wird zu rasche Expansion mit noch viel gravierenderen Konsequenzen bestraft, da ausfallende Blöcke darunterliegende mitnehmen und somit die komplette statische Integrität gefährdet wird.

Block’hood befindet sich derzeit im Alpha-Stadium und das merkt man erst nach ein paar Spielstunden. Die Funktionalität ist gegeben, aber einige Features fehlen noch spürbar, wie etwa eine angenehmere Kamerabewegung und optische Anpassung. Ich hielte es für wünschenswert, wenn man Blöcke farblich gestalten könnte, sodass nicht alle Wohnungen in denselben tristen Tönen daherkommen. Ganz besonders fehlen aber die Nachwirkungen von Abfall und Verschmutzung. Bislang gibt es schlichtweg keine Folgen für eine dreckige Stadt. Der Umfang beträgt übrigens ein Tutorial, zwölf Challenge-Missionen und das Herzstück, den freien Modus.

Der dynamische Soundtrack ist ambientelastig und entspannt ungemein. Für mich persönlich kam Block’hood schon fast einer zenartigen Entspannungskur gleich, würde nicht zwischendurch ein kompletter Kollaps der Hood einen aus der Trance reißen.

Block’hood ist im Early Access auf Steam beziehungsweise im In Dev-Programm auf gog.com für 9,99 Euro erhältlich. Trotz klar mangelnder Features zeigt es eine solide Entwicklung und sollte im Auge behalten werden. Ein Kauf zum jetzigen Zeitpunkt kann ausdrücklich empfohlen werden, solange man sich bewusst ist, dass da noch mehr kommen sollte; was bei Alphafunding nicht immer passiert.

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