„Boost“, „Supersampling“ und mehr? Spezial-Features der PlayStation 4 Pro und Xbox One X erklärt

Viele Spiele sind für die PlayStation 4 Pro und die Xbox One X verbessert. Aber was ist mit Spielen ohne Patch? Und was ist Supersampling? Ein kleiner Hilfs-Artikel

Letzte Woche ist mal wieder ein großes Update für die PlayStation 4 erschienen. Dramatische Neuerungen waren nicht unbedingt dabei, mehr eine Ansammlung netter Quality-of-Life Nachbesserungen wie die Möglichkeit, endlich die diversen Benachichtigungen zu löschen, die man auf seiner PlayStation erhält.

Das vielleicht größte Feature bezieht sich speziell auf Playstation Pro Besitzer: Der “Supersampling” Modus verspricht optionale, verbesserte Bildqualität, ähnlich wie zuvor der “Boost Modus”.

Doch warum sind diese Modi rein optional? Was bringt der “Boost” und das “Supersampling” wirklich? Gibt es Nachteile? Und hat Microsofts aufgemotzte Xbox One X auch etwas vergleichbares?

Um etwas Klarheit in diese etwas verwirrenden Unterfeatures der “Premium” Konsolen zu schaffen, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, im FAQ Stil einige der wichtigsten Fragen zu beantworten.

 

PlayStation 4 Pro

Wo finde ich den “Supersampling Modus”?

In den Systemeinstellungen unter “Bildschirm und Sound” und den Videoausgabe-Einstellungen ist der Supersampling Modus als ein eigener Menüpunkt aufgelistet, hier zu sehen:

Ist dieser Punkt eingeschaltet, wird man beim Start der Konsole und dem ersten Spiel, das vom Supersampling Modus profitiert, wie folgt informiert:

Ich weiß, nicht das erste Spiel, was einem hier einfällt

 

Was ist “Supersampling”?

Supersampling bedeutet, ein Bild in höherer Auflösung herunterzuskalieren. Bei der PlayStation 4 Pro bezieht sich das im Speziellen auf die Besitzer der Konsole, die keinen 4k Fernseher besitzen. Mit dem Supersampling Modus wird das Bild in einer höheren Auflösung berechnet, aber auf 1080p herunterskaliert.

In der Praxis kann dies ein schärferes Bild bringen. Insbesondere werden diagonale Kanten im Bild so “geglättet” und von dem “Treppcheneffekt”  weitestgehend befreit und das Flimmern der Texturen reduziert. Ähnlich dem wie Anti-Aliasing die Bildqualität verbessert, aber auf eine bessere, jedoch weniger effizientere Weise.

 

Profitieren alle Spiele vom “Supersampling Modus”?

Nein. Tatsächlich funktioniert der Supersampling Modus nur bei sehr wenigen Spielen.

Der Modus ist tatsächlich eher eine Korrektur von etwas, was im Featureset der PlayStation 4 Pro bisher übersehen wurde.

Um das besser zu erklären, müssen wir kurz auf die Entwicklerseite schauen: Wenn ein Entwickler sein Spiel PlayStation 4 Pro kompatibel macht, ermöglicht es der Hardware und der Systemsoftware, die Auflösung des Spiels automatisch an die im System gewählte Bildschirmauflösung anzupassen.

Klingt logisch, bringt aber ein Problem mit sich: Die verbesserte Bildqualität ist nur denen vorbehalten, die eben auch eine höhere Bildschirmauflösung anwählen können. PlayStation 4 Pro Besitzer mit einem 1080p Fernseher haben nichts von den Features, die für 4k Auflösungen bestimmt wurden.

ABER: Die meisten Spiele mit der PlayStation 4 Pro Unterstützung ermöglichen manuelle Einstellungen für Pro spezifische Features. Spiele wie Ni-Oh, Shadow of the Colossus oder Rise of the Tomb Raider lassen den Spieler wählen, welche Verbesserungen sie bevorzugen. Meist ist es die Wahl zwischen einem in 1080p gerenderten Bild mit besserer Framerate oder einem Bild in höherer Auflösung und/oder zusätzlichen Grafikverbesserungen.

Diese Spiele profitieren nicht vom “Supersampling Modus”, weil sie meistens bereits eine Möglichkeit zum Supersampling im Spiel selber bieten. Spiele ohne PlayStation 4 Pro Unterstützung haben ebenfalls nichts vom Supersampling.

 

Bringt “Supersampling” etwas?

Das ist von Spiel zu Spiel durchaus unterschiedlich. Wie oben erwähnt, ist der Profit den Supersampling mit sich bringt meist schon zum Teil durch Anti-Aliasing und ähnliche Verbesserungen erledigt.

Zum Demonstrieren habe ich eines der wenigen meiner Spiele, die den “Supersampling Modus” nutzen können, The Last Guardian herausgesucht:

Ohne Supersampling (Klick für größere Ansicht)

Mit Supersampling (Klick für größere Ansicht)

Zugegeben, meine Talente einen Screenshot 1:1 zu reproduzieren, sind verbesserungswürdig, und Trico ist wie ein Haustier nicht unbedingt kooperativ darin, still zu halten. Aber auch im Spiel selbst ist der Profit des Supersampling Modus nicht unbedingt ersichtlich. Was ich jedoch in Bewegung feststellen konnte, ist, dass weiter entfernte Objekte, in diesem Fall die Stellen an der anderen Seite des Raums, die von den Fackeln erleuchtet werden, weniger “flackern” und in Bewegung nicht so viel an Schärfe verlieren.

 

Verbessert “Supersampling” VR Spiele?

Jein.

Der optionale Supersampling Modus funktioniert grundsätzlich nicht mit PlayStation VR, weil PlayStation VR einfach eine feste 1080p Auflösung hat.

ABER: Viele VR Spiele haben PlayStation 4 Pro spezifische Patches, um Supersampling-Techniken in die Spiele zu bringen, was aufgrund der Hardware-bedingten schlechteren Bildqualität von PlayStation VR umso größere Vorteile bringt.

 

Sollte ich “Supersampling” grundsätzlich einschalten oder gibt es auch Nachteile?

Dies ist die Kehrseite der Medaille. Manche Spiele mit Supersampling Modus Unterstützung, wie eben The Last Guardian, haben in höheren Auflösungen auch Nachteile. Die Framerate bei Last Guardian in 4k Auflösungen tendiert dazu, stärker einzubrechen. Im 1080p Modus läuft das Spiel etwas stabiler und fällt seltener unter die 30 FPS Marke.

Also ja, der “Supersampling Modus” funktioniert nur mit sehr wenigen Spielen, bringt eventuell kaum sichtbare Verbesserungen und kann die Performance eines Spiels verschlechtern.

Wie gesagt, im Endeffekt sind die Ergebnisse von Spiel zu Spiel unterschiedlich. In diesem Falle würde ich jedoch dann eben auch von Spiel zu Spiel genau testen, ob man den “Supersampling Modus” einschalten will.

 

Wo finde ich den Boost-Modus?

Der Boost Modus versteckt sich in den Systemeinstellungen unter “System”

 

Was ist der “Boost Modus”?

Hier müssen wir wieder kurz auf die technische Seite der PlayStation 4 Pro zurückgreifen. Um zu garantieren, dass die PlayStation 4 Pro alle PlayStation 4 Spiele ohne Probleme abspielt, konnten ursprünglich nur PlayStation 4 Pro kompatible Spiele die verbesserte Hardware nutzen. Allen anderen Spielen gaukelt die PlayStation 4 Pro vor, eine ganz normale PlayStation 4 mit der langsameren Prozessorleistung und geringeren Grafikpower zu sein.

Dies war natürlich etwas ärgerlich, vorallem anfangs, für PlayStation 4 Pro Besitzer, die sich die neue teure Hardware ins Haus holten und womöglich nichts davon hatten, was eine normale PlayStation 4 nicht bietet.

Darum hatte sich Sony eventuell entschieden, den “Boost Modus” einzuführen, der auch Spiele die nicht PlayStation 4 Pro kompatibel sind, Zugriff auf die volle Systemleistung zu geben. Optional und “auf eigene Gefahr”.

 

Welche Spiele profitieren vom “Boost Modus”?

Nur Spiele die nicht spezifisch per Update oder von sich aus PlayStation 4 Pro Verbesserungen bieten. Die anderen Spiele…und damit die meisten Spiele, die nach der Veröffentlichung der PlayStation 4 Pro erschienen sind, sind schon von sich aus “geboosted”.

 

Bringt der Boost Modus etwas?

Auch das ist mal wieder von Spiel zu Spiel abhängig.

Die bessere Hardware, insbesondere der (etwas) stärkere Prozessor, kann alle möglichen Verbesserungen bringen, von schnelleren Ladezeiten, stabilieren Framerates bis hin zu weniger “Pop In” Problemen, bei denen Objekte im Hintergrund etwas zu spät laden, um unauffällig zu sein.

Am ehesten profitieren Spiele mit einer dynamischen Auflösung (die runtergeschraubt wird, um Framerateeinbrüche zu verhindern) und/oder einer variablen Framerate. In diesem Fall laufen Spiele meist stabiler in der höchstmöglichen Qualität. Wenn jedoch ein Spiel die Framerate auf beispielsweise 30 FPS limitiert, wird die PlayStation 4 Pro daran auch nichts ändern.

Persönlich hatte ich den meisten Profit im Spiel Just Cause 3. Just Cause 3 hatte zum Release auf der PlayStation 4 heftige Performance Probleme und ruckelte ohne Ende, insbesondere bei den fetten Explosionen, die Just-Cause-üblich ziemlich häufig passieren. Der “Boost Modus” der PlayStation 4 Pro lässt diese Probleme nicht verschwinden…tatsächlich tauchen diese noch recht häufig auf. Aber trotzdem läuft das Spiel merkbar flüssiger und bricht in der Performance nicht ganz so schnell zusammen. Keine garantierten stabilen 30 FPS, aber dieses Ziel wird sehr viel öfter erreicht.

 

Sollte ich den “Boost Modus” grundsätzlich einschalten oder gibt es auch Nachteile?

Meiner persönlichen Meinung nach spricht nichts dagegen.

Im Gegensatz zum “Supersampling” profitieren sehr viel mehr Spiele potenziell vom Boost Modus, und das ohne Nachteile.

Es gibt Ausnahmen, in welchen der Boost Modus bei Spielen zu Abstürzen führen kann (SOMA gehörte ursprünglich dazu, aber das könnte schon gepatched sein). Aber dies ist nach meiner Erfahrung äußert selten, so dass es einfacher ist, den Boost Modus auszuschalten, falls das passiert.

 

Xbox One X

Hat die Xbox One X einen “Boost” und “Supersampling Modus”?

…Jein. Es gibt keine Optionen, Supersampling oder einen “Booster” einzuschalten.

Das liegt jedoch daran, dass laut Microsoft alle Spiele auf der Xbox One X grundsätzlich die bessere Hardware nutzen können, egal ob sie dafür gepatched sind oder nicht.

Microsoft ist hier einfach risikofreundlicher als Sony und macht diese Verbesserungen nicht optional. Und bisher scheint es keine Probleme zu geben…ausser möglicherweise bei Halo 5, doch hier habe auch nur vereinzelte Forenposts gefunden.

Verbesserungen dagegen konnte ich zum Beispiel bei Assassins Creed Unity feststellen. Ein Spiel ohne Xbox One X Patch, das mit fürchterlicher Performance auf der original Xbox One und auf der “X” um einiges besser läuft. Ähnlich wie Just Cause 3 auf der PlayStation 4 Pro.

 

Kann die Xbox One X die Schwächen der Xbox One Hardware ausgleichen?

Definitiv. Zwar ist das oft abhängig von Xbox One X spezifisichen Patches, aber angesichts dessen, dass die original Xbox One der PlayStation 4 oft hinterherhinkte, ist hier viel Verbesserungspotenzial, das genutzt wird.

So war es in der Anfangszeit beider Konsolen üblich, dass PlayStation 4 Spiele in nativer 1080p Auflösung liefen, während Xbox One Versionen sich mit geringeren Auflösungen wie 900p begnügen mussten. Auch wenn dies hauptsächlich durch Patches angepasst werden musste, wurden hier schon viele Anpassungen gemacht, um solche Spiele auf der Xbox One X mindestens auf PlayStation 4 Niveau anzupassen, wenn nicht darüber.

 

Was ist mit abwärtskompatiblen Spielen?

Hier wird es Interessant:

Wie vermutlich bekannt, ist eine wachsende Anzahl an Xbox 360 Spielen, sowie einigen wenigen Original Xbox Spielen, mit der Xbox One kompatibel. Und da diese Spiele durch von Microsoft emulierten Versionen laufen, konnte schon die “normale” Xbox One einige Spiele etwas verbessern.

Manche 360 Spiele haben jedoch noch zusätzliche Xbox One X Verbesserungen, unter anderem Mirror’s Edge und Halo 3. Manche Spiele, wie zum Beispiel das erste Forza Horizon, laufen sogar in 4k Auflösung.

Hier findet man auch tatsächlich Einstellungsmöglichkeiten…. wenn man genau sucht:

In einem Xbox 360 Spiel muss man darauf gleichzeitig auf Start und Sele……entschuldigung, auf den “Menu” und “View” Button des Controllers drücken, um das 360 eigene “Blade” Overlay Menü aufzurufen

Hier findet man im rechten Tab Einstellungen auch Xbox One X Spezifische Einstellungen, genauer gesagt die Möglichkeit zwischen dem “Grafik” und “Leistung” Modus zu wechseln.

Die Bezeichnung ist vielleicht etwas irreführend. Zumindest im Moment bedeutet “Grafik”, dass die Xbox One X Spezifischen Verbesserungen eingeschaltet sind, währenddessen diese bei “Performance” deaktiviert sind.

Auch ist zum Zeitpunkt dieses Beitrags nicht sehr viel Grund vorhanden, auf den “Leistung” Modus zu wechseln (Grundsätzlich ist “Grafik” voreingestellt). Die weitaus Technik-affineren Eurogamer Redakteure von Digital Foundry haben intensiv getestet und konnten bisher nur bei dem Spiel Crackdown eine minimale Verbesserung der Framerate in seltenen Fällen feststellen.

Daher eignet sich das Umschalten zwischen den beiden Modi bisher hauptsächlich dazu, zu demonstrieren, wie 360 Spiele auf der Xbox One X verbessert werden, hier demonstriert anhand von The Witcher 2:

„Leistung“ Modus ohne Xbox One X Verbesserungen (Klick für größere Ansicht)

 

„Grafik“ Modus mit Xbox One X Verbesserungen (Klick für größere Ansicht)

Auch wenn meine Fähigkeiten Screenshots 1:1 zu rekreieren weiterhin eingeschränkt bleiben, sollte hier der Unterschied sehr offensichtlich sein. Bessere Texturen, ein schärferes Bild dank höherer Auflösung und sogar verbesserte Schatten und Assets.

Ganz an das, was die PC Version von The Witcher 2 kann, reichen diese Verbesserungen nicht ran; CD Projekt musste viele Grafikeffekte entfernen, damit das opulente und Hardware-hungrige Spiel überhaupt auf der 360 laufen konnte. Doch sieht man sich Vergleichsvideos zwischen der Xbox One X und der PC Version an, wurde hier ein massiver Schritt gemacht, um an dieses “Ideal” heranzukommen.

Ich hoffe, dieser Beitrag konnte bei manchen Unklarheiten helfen. Selbstverständlich sind wir für Updates und Korrekturen in den Kommentaren offen 🙂

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Schlagwörter:playstation pro , Xbox One X