Dokomi – Schlechtes Wetter, lustige Spiele und bunte Manga-Helden

Es war ein verregneter Morgen, wie bereits im Wetterbericht vorhergesagt. Und doch versammelten sich Tausende von gut gelaunten Fans, trotz des grauen Himmels, auf dem Messegelände des Düsseldorfer Congress-Centers. Am Wochenende vom 30ten April auf den 1ten Mai wurde hier der „Tanz in den Mai“ mal etwas anders gefeiert.

Die Dokomi (japanische Kurzform für „Deutscher Comic Markt“) ist eine Anime-/Manga-Convention, die jedes Jahr in Düsseldorf stattfindet.
Hier versammeln sich junge wie alte Menschen aus allen möglichen Gesellschaftsschichten, um gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. Auch aus dem umliegenden Ausland kommen die Besucher, die keine Kosten scheuen, um auch an der Dokomi teilnehmen zu können.

Das erste, was einem auffällt, wenn man sich der Veranstaltung nähert, sind die vielen bunten Kostüme, die von den meisten Besuchern getragen werden. Es handelt sich dabei um sogenanntes Cosplay (eine Zusammensetzung aus „Costume“ und „Play“, also „Kostümspiel“). Dabei verkleiden sich die Fans als Figuren aus verschiedenen Serien (hauptsächlich aus japanischen Manga-, und Animeserien), Filmen oder Spielen. Ob alleine oder in Gruppen – es liegt stets eine große Vielfalt an Kostümen vor.
Beim Cosplay geht es darum, den „gespielten“ Charakter so getreu und authentisch wie möglich darzustellen, was sich nicht nur im Kostüm selbst wieder spiegelt, sondern auch in den, für Fotos, gewählten Posen und der Mimik.
Untereinander fallen die Cosplayer sehr oft in die Rolle der dargestellten Figur, um mit ihren Freunden ein wenig herum zualbern. Das sorgt für eine sehr angenehm lockere Stimmung auf dem Gelände.

Das bunte Potpourri aus Manga-Helden, Videospiel-Figuren und Film-Charakteren lädt nur so zum Fotos machen ein – nur das schlechte Wetter machte den begeisterten Fotografen einen Strich durch die Rechnung.
Doch auch die zum Teil sehr freizügigen Cosplayer haben unter den kühleren Winden zu leiden, ließen sich aber für die Bilder nichts anmerken.

Zum ersten Mal verwendeten die Veranstalter der Dokomi eine weitere Halle, um den großen Ansturm der Besucher gerecht zu werden und Platz für zusätzlich 5000 Besuchern zu bieten. Der Ansturm auf die Tageskassen war groß und die Tickets bereits am Mittag ausverkauft. Wer sich kein Ticket online gekauft hatte und zu spät dran war, zog ohne Karte von dannen oder verbrachte den Tag draußen.

Durch die neue Halle gab es ein viel größeres Programmangebot, wie z.B. aufgebaute Fotokulissen, die besonders für Cosplayer einen besonderen Wert haben und an japanische Maßstäbe anknüpfen.
Zu Bewundern waren auch die Itasha, mit Anime-Motiven verzierte Fahrzeuge, die ausgestellt wurden. Abgerundet wurde der japanische Con-Flair noch mit den Purikura Fotoautomaten, die bisher kaum in Deutschland zu finden sind.

Für sportliche Abwechslung sorgte ein aufgebautes Lasertag-Gelände, deren Teilnehmer sich später auch in den anderen Ecken des Gebäudes beim Spielen finden ließen – gestört hat es aber keinen.
Generell war die Stimmung sehr ausgelassen und immer angenehm freundlich. In den Warteschlangen wurde nicht gepöbelt oder vorgedrängelt, sondern sich mit seinen Mitwartenden fachmännisch über die gebotenen Attraktionen ausgetauscht. Auch in den Räumlichkeiten, wo das Essen ausgeteilt wurde, gesellte man sich gerne mit fremden Leuten an einen der wenigen Tische, auch wenn man sich zum ersten Mal begegnet ist. Es herrscht sofort eine familiäre Stimmung, und dann werden nebenbei noch die Yu-Gi-Oh-Karten ausgepackt, mit denen gespielt wird.
Unter den Manga-Fans gilt die Devise: Ein Fremder ist nur ein Freund, den man noch nicht kennt.

Neben dem Lasertag befanden sich ebenso einige Spiele-Stationen im Gebäude, wo man z.B. das neue Pokemon Tekken anspielen durfte. Im Gegensatz zu reinen Spiele-Messen wie die GamesCom waren hier die Stände nicht von langen Warteschlangen belagert und man hatte gute Chancen, relativ schnell oder direkt ohne Warten selber einmal Hand an die Spiele zu legen.

Diese Spiele-Stationen war umgeben von zahlreichen Händlerständen, welche teilweise sehr absurde Merchindise-Produkte verkauften. Wer Seitenschläfer-Kissen mit sexy Motiven von seinen Lieblingshelden suchte oder ein entsprechendes Mouse-Pad mit Silikon-Kissen an den entscheidenden Stellen, wurde definitiv fündig. Aber man konnte auch sehr detailreiche und wunderschöne Figuren kaufen, die Helden und Schurken gleichermaßen liebevoll darstellten.
Da sitzt das Geld dann plötzlich besonders locker, vor allem wenn die Händler noch mit speziellen Messe-Preisen lockten.

Noch günstiger kam man dann beim Bring & Buy davon. Dort wurden von den Besuchern eigene Bücher, Filme oder Merchendise-Artikel abgegeben. So konnte man dort noch ganz alte VHS-Kassetten oder Sailor Moon Zauberstäbe aus den 90ern finden.
Wo man so manche Perle finden konnte, gab es aber auch vieles, was wohl noch von dem letzten Horror-Wichteln übrig geblieben war.

Wer mehr Wert auf Individualität legt, konnte sein Geld aber auch in der großen Zeichnerallee investieren. Im großzügigen Raum standen zahlreiche Tische mit Stellwänden und Auslagen, die mit bezaubernden Bildern dazu einluden, näherzutreten und in den selbstgezeichneten Mangas (sogenannten „Doujinshi“) zu schmökern. Lesen in den ausgelegten Heften war ausdrücklich erwünscht und gerne gesehen. Qualitativ müssen sich die Hobbyzeichner auch nicht hinter ihren großen Vorbildern verstecken, denn was dort an zeichnerischer Qualität geboten wurde, ließ einen beeindruckt zurück. Da gibt man gerne den einen oder anderen Euro aus, um eines der zauberhaften Werke sein Eigen nennen zu dürfen.

Das Bühnenprogramm der Dokomi war abwechslungsreich und sehr musikalisch. Auf einer Bühne führten zahlreiche Show-Gruppen unterschiedlichste Stücke auf, die sehr belustigend, vor allem aber auch sehr unterhaltsam waren. Da es sich um Amateur-Bühnenstücke handelte, schwankte die darstellerische Leistung teilweise ein wenig, doch alles wurde mit viel Liebe und Mühe auf die Bühne gebracht.
Neben den Show-Gruppen, gab es noch die sogenannte „Charakterversteigerung“ zu einem wohltätigen Zweck. Dabei handelte es sich meist um Cosplayer, deren Zeit man ersteigern konnte. Das gesammelte Geld ging an ein Hilfsprojekt der DJG Dortmund in Fukushima.

Zusätzlich gab es auch bekanntere Gäste auf den Bühnen, wie die J-Pop-Sängerin Shiena Nishizawa, die den meisten durch ihrem Ending-Song „Fubuki“ aus dem Anime Kantai Collection bekannt war.
Neben Shiena Nishizawa gab es noch einige andere Ehrengäste, die zu Signierstunden einluden. So konnte man Kore Yamazaki persönlich gegenüberstehen, eine bekannte japanische Manga-Zeichnerin, die mit Die Braut des Magiers auch hier in Deutschland sehr erfolgreich ist.
Eine regelrechte Legende ist Toshio Maeda, der schon seit Jahrzehnten als Manga-Zeichner im Geschäft ist. Allerdings ist er eher durch pikantere Werke wie La Blue Girl oder Urotsukidôji bekannt, die ihm einen legendären Ruhm einbrachten. Toshio Maeda ist ein sehr sympathischer und fast unscheinbarer älterer Herr, der sich auch nicht scheut, sich mit seinen Fans fotografieren zu lassen. Kein Wunder, dass sich so viele Besucher von ihm ein Autogramm geben lassen wollten.

Dann gab es da auch noch Thomas Astruc, der Schöpfer der beliebten Serie Miraculous Ladybug. Dieser gab auch noch eine interaktive Fragestunde, wo man ihn Fragen zur Serie und Entstehung stellen konnte.

Es gab allerdings auch sehr modische Ehrengäste wie den Chefdesigner Shunsuke Hasegawa von PUTUMAYO, einer weltweit beliebten Modemarke aus Japan. Dabei handelt es sich um keine ganz gewöhnliche Modemarke, sondern um ganz spezielle japanische Stile wie Lolita, Visual Kei, Punk oder japanischer Street-Style. Unterstützung bekam er von Misako Aoki, ein in der Szene weltbekanntes Model.

Neben dem musikalischem Hauptact Shiena Nishizawa gab es noch kors k, ein musikalisches Multitalent als Ehrengast, der als Produzent, Künstler und DJ tätig ist und am Abend in der J-Disko auflegte. Auch beehrte die junge Jamie-Lee Kriewitz die Dokomi. Sie wird Deutschland dieses Jahr bei dem Eurovision Song Contest vertreten.
Natürlich gab es auch für die Cosplayer selber Ehrengäste, wie die koreanische Cosplayerin Tomia, Sansin und Liui Aquino, die bereits international bekannt und erfolgreich sind. Mit ihnen gab es auch gut besuchte Panels, bei denen sie den Fans Frage und Antwort standen.

Für Gamer gab es ein spezielles Coaching zu League of Legends, um sich für den E-Sport ein wenig fitter zu machen.
Wer gerne lernen wollte, wie man richtig Spiele selber entwickelt, was man dafür alles benötigt und wo man damit anfängt, war beim Games Dev Workshop an der richtigen Adresse.

Auf einer Veranstaltung wie die Dokomi durften dann natürlich auch keine Workshops zum Thema Cosplay fehlen. So gab es entsprechende Tutorials in Sachen Schneidern, Rüstung bauen, Posing und sogar Bodypainting. Wenn man etwas über Cosplay lernen wollte, war man hier genau richtig. Auch für das Nachbearbeiten mit PhotoShop gab es entsprechende Unterrichtsstunden.
Generell war das Angebot an Kursen und Lehrgängen extrem vielfältig. Vom Zeichnen über Essen zubereiten bis zu Tanzkursen wurde alles geboten, woran der Besucher Interesse haben könnte. Besonders interessant waren auch die Japanisch-Kurse und der Synchro-Workshop. Man konnte also an dem Wochenende nicht nur viel Spaß haben, sondern dabei auch noch wirklich etwas lernen.

Was die Dokomi von anderen Conventions besonders unterscheidet, ist das Maid-Café und der Host-Club. Dabei handelt es sich um zwei Cafés, in denen bezaubernde Damen bzw. junge Männer in entsprechender uniformierter Kleidung einen bedienten, so wie man es aus Japan kennt.
So konnte man sich ganz entspannt an einen der sehr begehrten Tische setzen und sich von dem Trubel der Convention ein wenig erholen – Jedenfalls sofern man einen der sehr gefragten Plätze ergattern konnte.
Wer noch wesentlich mehr Entspannung benötigte, für den gab es dann noch Massage-Angebote, bei denen man sich für einen Euro verwöhnen lassen konnte.

Abschließend kann man nur sagen, dass die Dokomi eine wirklich schöne Messe ist, die sehr viel familiäres Flair ausstrahlt. Wer nächstes Jahr Zeit hat, sollte tatsächlich mal die Gelegenheit nutzen, für einen Tag vorbei zu schauen, um sich selber ein Bild von dieser Veranstaltung zu machen.
Es ist allerdings zu empfehlen, das Ticket vorher zu buchen, da die Tageskasse sehr schnell ausverkauft ist. Preislich liegen die Tickets zwischen 24 bis 26 Euro, die aufgrund der ganzen Angebote durchaus berechtigt sind.
Es lohnt sich also vorbeischauen – Am besten natürlich in einem Cosplay.

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