Filmkritik – Avengers: Endgame

Das große Finale der Marvel Superhelden-Kinoserie ist besonders episch, aber auch sehr emotional geworden.

Seit über zehn Jahren hat Marvel sein Cinematic Universe aufgebaut und konnte schon unzählige Kino-Besucher begeistern, die immer zahlreicher die großen Lichtspielhäuser besuchten. Und mit Avengers: Endgame kommt nun quasi das große Finale auf die große Leinwand und verdrängt nun den Kassenhit Titanic auf den zweiten Platz der erfolgreichsten Kinofilme. Vielleicht schafft man es ja in den nächsten Tagen sogar noch, Avatar vom Thron zu fegen.

Bei einem so gigantischen Erfolg stellt sich nun die Frage, ob der Film wirklich das hält, was die Fans davon erwarten. Zumindestens kann man schon einmal vorwegnehmen, dass dieser Streifen die eingefleischten Fans vollends zufrieden stellen dürfte. Denn hier wird das geboten, was man schon von den vorangegangen Marvel-Filmen gewohnt ist, allerdings mit noch mehr Tiefe, Inhalt und Emotionen.

Langer Film mit wenig Längen

In drei Stunden läuft man als Filmemacher Gefahr, den Zuschauer schnell zu langweilen. Doch die Brüder Anthony Russo und Joe Russo haben in diesen Film so viel interessante Momente eingefangen, dass die Zeit wie im Fluge vergeht. Daher gilt die Devise: Vor dem Film nicht zuviel trinken, denn eine Pause gibt es für gewöhnlich nicht!

Die Helden haben herbe Verluste erlitten und vermissen ihre Freunde.

Es dürfte schwer sein, eine Inhaltsangabe des Films zu bringen, ohne groß zu spoilern. Daher sei nur kurz angerissen, dass der Film direkt an Avengers: Infinity War anknüpft. Der große Thanos hat dort alle Infinity Steine erhalten und damit die Hälfte allen Lebens ausgelöscht. So müssen in Avengers: Endgame nicht nur unsere Helden, sondern die ganze Welt zunächst damit zurechtkommen, dass viele Menschen einfach verschwunden sind. Doch man gibt die Hoffnung nicht auf.

Die Möglichkeiten, die der Film hier ausschöpft, um seine Geschichte zu erzählen, sind wirklich kreativ. Es ist interessant, wie hier fast alle offenen Fragen der letzten zehn Jahre Marvel-Filme beantwortet und abgeschlossen werden. Der Film fühlt sich wirklich nach einem richtigen Abschluss an.

Selbstverständlich bleiben bei einer solch komplexen Geschichte auch Logiklücken nicht aus. Doch aufgrund des hohen Unterhaltungswertes und dem verfolgten Ziel der Erzählung kann man darüber getrost hinweg sehen.

Die Avengers schließen sich mit den übrigen Superhelden zusammen und es gibt neue Hoffnung.

Emotionale Achterbahnfahrt

Bei einem solch großen Finale kann natürlich auch alles passieren. Dass beweisen unter anderem auch die zahlreichen Theorien und Vorhersagen zu Avengers: Endgame in zahlreichen Internet-Foren. Wer stirbt? Wer überlebt?

Und genau das macht den Film noch spannender. Denn ein Film, bei dem man nicht weiß, ob der Held nun überleben wird oder nicht, lässt einem ständig um seine Lieblingsfiguren bangen. Und macht viele Szenen zudem noch wesentlich emotionaler.

Daher gibt es auch deutlich mehr Dialog-Szenen und die meiste Zeit vergisst man sogar, dass es sich hierbei um einen Superhelden-Film handelt. Dennoch kommt natürlich auch die Action nicht zu kurz, welche die Fans so natürlich erwarten.

In den Action-Szenen müssen die Avengers auch wieder ordentlich einstecken.

Sauber und technisch auf der Höhe der Zeit

Effekt-technisch begeistert der Film ebenfalls. Hier bekommt man die schicke Optik der Marvel Studios zu sehen, die sie in den letzten Filmen immer weiter verbessert haben. Das betrifft nicht nur die Tricktechnik bei fulminanten Kampf-Szenen, sondern auch bei Alterungs-Effekten und dezenten Details, die so gar nicht auffallen.

Auch die Schauspieler haben hier groß dazu beigetragen, dass der Film so perfekt inszeniert ist. Nach dem Kampf gegen Thanos in Avengers: Infinity War sind unsere Helden so deutlich erschöpft und sichtlich gealtert, wie in noch keiner der Comic-Verfilmungen. Man hatte das Gefühl, die Darsteller mal unverblümt ohne Schminke zu sehen, mit Augenringen, Falten und zerzaustem Haar. Das passt perfekt zu der Schwere der Situation.

Die Darsteller sehen müde und erschöpft aus, was die emotionale Tragweite unterstreicht.

Die Musik ist in Avengers: Endgame dabei ziemlich unaufdringlich und regelrecht scheu. Schön dezent im Hintergrund sorgt sie für die nötige Stimmung, und nur manchmal peppt sie mit einem Stück die Szene ein wenig auffälliger auf.

Fazit

Avengers: Endgame ist ein Bombast-Werk epischen Ausmaßes. Allerdings nur für Marvel-Fans! Denn wer die vorangegangenen Filme bislang ignoriert hat, wird hier absolut nur Bahnhof verstehen. Natürlich muss man nicht sämtliche Filme des Marvel Cinematic Universe gesehen haben, aber ohne Hintergrundwissen wird man hier nicht viel verstehen. Allerdings sind natürlich die Fans der Film-Serie auch genau die Zielgruppe. Man bringt hier dermaßen viel Fan-Service und so viele Anspielungen auf sämtliche Filme mit, dass nur wirkliche Kenner Freude an diesem Film haben werden. Diese Freude dürfte dann aber auch sehr groß sein. So einen Film mit dermaßen viel Spannung und Emotion kann man nur bringen, wenn man darauf über zehn Jahre hingearbeitet hat. Und das macht Avengers: Endgame ziemlich einzigartig.

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