GC18 – Harold Halibut

Adventure-Handwerkskunst

Wie macht man als kleines, ambitioniertes Team ein Adventure, dass schon alleine durch seinen beeindruckenden, handgemachten Stop Motion Look für Aufsehen in der Indie Szene sorgt?

Am besten mit Expertise.

Aber manchmal hilft auch ein Mangel davon.

 

So geschehen mit dem Team von “Slow Bros” aus Köln. Natürlich war Expertise vorhanden: In der Programmierung, im Geschichten erzählen, sogar im Filmemachen. Was jedoch gefehlt hat, waren Künstlerische Talente, zumindest was Zeichnen angeht, oder 3D Modellierung, oder anderes, was man für die Umsetzung von Spielgrafik braucht.

Was jedoch vorhanden war, war eine Leidenschaft fürs Handwerken, im Speziellen Miniaturen, durch “Slow Bro” Fabian Preuschoff. Zufällig waren zudem noch Kontakte vorhanden mit einem anderen Unternehmen, welches an einem High-Tech Materialscanner baut und an Testfälle für die Prototypen interessiert ist.

Und so wurde über kleinere Umwege ganz versehentlich eine fast einzigartige Ästhetik für Harold Halibut geschaffen, einem “Handgemachten” 3D Adventure Game.

Manche erinnern sich womöglich an eine Kickstarter Kampange im letzten Jahr. Diese scheiterte leider in seinem eigentlichen Ziel, aber dank eben dem beeindruckenden Look, der u.a. dank Medienförderung des Landes NRW bereits als Prototyp gezeigt werden konnte, machte man diverse Publisher aufmerksam, die gewillt waren, das Projekt zu stützen. Am Ende entschied sich das Team für Curve Digital, u.a. dank einer Zusicherung absoluter kreativer Freiheit. Und so steht nun einem Release nächstes Jahr nichts im Wege.

Aber mehr zum Spiel selbst. In diesem übernimmt man die Rolle des titelgebenden Protagonisten Harold und erlebt seinen mundanen Alltag innerhalb eines versunkenen Raumschiffs. In einem abgestürzten Raumschiff auf dem Boden eines endlosen Ozeans auf einem unbekannten Planeten zu sein klingt dramatisch, ist es aber weit weniger wenn man bedenkt dass Harold und viele Kollegen schon ihr ganzes Leben lang in dieser misslichen Lage verbringen. Nur ältere Charaktere erinnern sich noch an eine Zeit im Weltraum und es ist niemand mehr da der den Start des Ganzen miterlebt hat. Ist Harold jedoch nicht mit hausmeisterlichen Tätigkeiten beschäftigt, unterstützt er eine Wissenschaftlerin, die den Schlüssel entdeckt zu haben scheint wie sich das Raumschiff wieder vom Meeresboden erheben kann.

Spielerisch präsentiert sich das Ganze als zurückgelehntes 3D Adventure das sich ähnlich zum Beispiel den Titeln von Telltale spielen lässt. Jedoch wollen sich die Entwickler von Harold Halibut nicht an eine solche Vorlage ketten und setzen Ihre eigenen Prioritäten. So ist Erkundung ein bedeutender Aspekt des Spiels. Direkt von Anfang an soll man im gesamten Schiff herumlaufen können. Und tatsächlich ist es vorgesehen, das der Spieler die erste Spielstunde oder so damit verbringt vielleicht ein wenig planlos durch die Gegend zu laufen mit nur wenigen Anhaltspunkten wie man vorankommt, so dass man Zeit hat die verschiedenen Charaktere kennenzulernen und sich mit seiner Umgebung vertraut zu machen.

Aber dann ist da natürlich der Look des Spiels. Fast alle Charaktere, Räume und Objekte im Spiel sind “echt”, handgefertigte Puppen und Modelle, die mittels moderner Scanner und Photogrammetrie-Technik in das Spiel übertragen wurden. Das Ergebnis ist beeindruckend: Dank der hochaufgelösten Scans und mithilfe von beeindruckender digitalen Belichtung atmosphärisch in Szene gesetzt, fühlt sich das Spiel in Gameplay und Cutscenes auf surreale Weise…nun…“real” an, wie ein animiertes Puppenhaus, nur eben mit einer Mischung aus manchmal schon Bioshock-esker retro futuristischer Architektur und raufaserigen Stop-Motion Puppen, die an die gleichermaßen animierten Filme von Wes Anderson erinnern.

“Spektakulär” ist vielleicht aufgrund der unaufgeregten Präsentation und dem gemütlichen Look von Harold Halibut vielleicht das falsche Wort, aber der Titel verspricht sich auf einzigartige Weise hervorzuheben. Das Spiel naht auch nach 8 Jahren Vorbereitungs- und Produktionszeit langsam dem Finale. Eine große Hürde ist jetzt noch die Vertonung des Spiels mit kompletter Sprachausgabe inklusive Lip-Synching für die Charaktere. Auf letzteres konnten wir nur einen sehr kurzen Blick auf Prototypen Videos werfen, aber selbst hier wird mit viel Liebe zum Detail gearbeitet und das Ergebnis bietet mehr, als das es bei einem solchen “Puppentheater” vielleicht ausreichend wäre.

 

Als Release ist bisher noch grob 2019 angestrebt, jedoch soll dann der Titel direkt sowohl für PC als auch Xbox One und Playstation 4 erscheinen. Auch eine eventuell später folgende Switch Version wird in Betracht gezogen, jedoch muss hier erstmal noch geprüft werden, in wie weit sich dies technisch umsetzen lässt.

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