Hands-on – Defend Your Friend

Wir haben eine Exkursion zu Steam Greenlight unternommen und uns in diesem Hands on die Demo eines dort beliebten Indie-Titels angesehen.

Wer eine Vorliebe für Indie-Spiele hat und sich hin und wieder auf Steam Greenlight aufhält, dem ist in letzter Zeit vermutlich das Spiel Defend your Friend aufgefallen. Nur wenige Tage nach Veröffentlichung auf Greenlight kam es in die Top 100, dann bis auf Platz 23 – und ist mittlerweile auch für Steam freigeschaltet. Zusätzlich zur guten Bilanz auf Steam hat Defend Your Friend zudem den Preis für das beste Spiel auf der Entwicklerkonferenz Indievelopment gewonnen.

Worum handelt es sich hier also genau? Defend Your Friend wird von dem studentischen Entwicklerteam „Frenemies“ der University of Applied Science in Breda entwickelt. Es handelt sich um einen co-operativen Puzzler mit Controller-Steuerung für zwei Spieler. Die für einen Indie-Titel gute Bilanz in Sachen Erfolgen, obwohl noch in recht früher Entwicklungsphase, hat mich neugierig auf das Spiel gemacht. Darum habe ich es mir nicht nehmen lassen, einmal selbst Hand an dessen Demo anzulegen.

Defend Your Friend ist in der Unreal Engine umgesetzt und bietet damit bereits eine solide grafische Grundlage und einiges fürs Auge; vielleicht mehr, als viele von einem Puzzler erwarten würden. Grafisch punktet das Spiel bei mir persönlich schon dadurch, dass es sich nicht zu der Marktschwemme an Indiespielen im grafischen LIMBO-Verschnitt oder in Pixelgrafik gesellt. Stattdessen wurde viel Wert auf athmosphärische Lichteffekte und Artworks gelegt. Stilistisch wirkt das Setting, als könnte es als mystische Ruine in einem Fantasy-RPG verbaut sein, wären da nicht die eigentlichen Spielfiguren, die an einen Prototypen von Wheatly aus Portal 2 erinnern. Und nunja – außerdem wären da noch Laserbarrieren als Puzzle-Elemente. Wer in Destiny auf der Venus unterwegs war, kann sich das Setting etwa in dieser Art vorstellen.

Wie viele Puzzler ist auch Defend Your Friend als Side-Scroller, beziehungsweise genau genommen „up and down“-Scroller umgesetzt. An sich ist die Funktionsweise der Spielfiguren und Puzzles auch ohne jegliche Tutorials und Textanweisungen schnell und leicht verständlich. Die linke Figur, Spieler 1, wirkt wie ein alternativer Pac-Man, der beim Öffnen seines Mundes einen Laserstrahl schießt. Damit lassen sich unter anderem Objekte bewegen oder Kristalle aktivieren, die wiederum einen bestimmten Mechanismus auslösen. Spieler 2, die rechte Figur, bedient sich defensiverer Mittel und bildet einen partiellen Schild, mit welchem Laserbarrieren und -strahlen abgelenkt werden können. Mit Hilfe dieser einfachen Fähigkeiten müssen die Spieler sich gegenseitig die Wege freiräumen und schützen, um letztendlich aus dem alten Tempel entkommen zu können. So jedenfalls die Theorie. Um sich überhaupt im Level weiterbewegen zu können, muss man sich in so ziemlich jedem Schritt auf seinen Mitspieler verlassen können. Die eigentliche Schwierigkeit des Spiels liegt damit in Zusammenspiel zwischen den beiden Spielern. Wie sollte es in einem Co-Op-Spiel auch sonst sein?

Der inhaltliche Umfang des Levels in der mir bereitgestellten Demo ist überschaubar und in etwa zehn Minuten durchgespielt, sobald man einmal den Dreh herausgefunden hat. Sie gibt dennoch einen sehr guten und abwechslungsreichen Einblick in das Setting und die Mechaniken des Spiels und macht neugierig auf das fertige Ergebnis, welches dann auch in Hinblick auf eine Story einen roten Faden haben wird.

Wer in Puzzlern eine Herausforderung sucht und gerne lange an komplexen Rätseln sitzt, wird mit Defend Your Friend jedoch keine große Freude haben, da der Fokus zu sehr auf dem Co-Op-Aspekt mit niedrigen Einstiegshürden liegt. Als freundschaftliches Couch-Co-Op mit Partner, Vater, Oma, Kind, Nachbar, Pizzaboten oder Klavierlehrer eignet es sich daher hervorragend, als spielerisches Gehirntraining eher weniger. Was dieses Genre angeht, würde ich mich selbst eher als Casual-Puzzler bezeichnen – nach Portal 2 hat mich kein Artverwandter mehr wirklich gelockt. Defend Your Friend hat mich daher gerade aufgrund der Kombination aus entspanntem Schwierigkeitsgrad und Couch-Co-Op sehr angesprochen. Das grafisch mit viel Liebe zum Detail gestaltete Setting ist das Sahnehäubchen auf dem Gesamtbild des Ersteindrucks. Meine Hoffnungen für das fertige Spiel ist ein angenehmer Gesamtumfang an Leveln, um das Spiel zu zweit bequem an einem Abend spielen zu können, ohne bereits nach einer Stunde wieder fertig zu sein. Denn seien wir mal ehrlich – wieviele längere Co-Op-Titel habt ihr selbst in eurer Bibliothek, die angefangen, gemocht, aber nie beendet wurden?

Defend Your Friend wird voraussichtlich Ende diesen Jahres für PC auf Steam erscheinen. Es wird außerdem auch auf Deutsch spielbar sein. Das Spiel benötigt zwei Controller beliebiger Wahl.

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