Horror in virtueller Realität

PlayStation VR, Oculus Rift und HTC Vice: Welche Horror-Spiele jagen uns Angst ein und wie muss ein gutes Horror-Spiel in VR funktionieren?

Wir sitzen gefesselt an einem Stuhl. Leicht geblendet von der gegenüberstehenden Lampe schauen wir uns um und erkennen eine ziemlich vermoderte Küche. Alles sieht so dreckig aus und es ist fast so, als könnten wir den Gestank wahrnehmen.
Vor uns liegt ein Mann am Boden. Er richtet sich auf und versucht unsere Fesseln zu lösen. Dazu benutzt er ein doch recht auffällig großes Messer, was uns einen kurzen Schauer über den Rücken laufen lässt.
Doch viel bedrohlicher ist die Gestalt, die sich ihm langsam von hinten näher. Wir wollen unseren Helfer noch warnen, doch dann ist es auch schon zu spät…

So spielt sich die bekannte Kitchen-Demo von Resident Evil 7. Eine Erfahrung mit PlayStation VR sorgt dafür, dass wir wirklich in dieser gruseligen Küche sitzen.
Doch was macht guten Horror aus? Und was lässt uns in der virtuellen Realität wirklich erschrecken?

Mittendrin statt nur dabei

Virtual Reality ist geradezu prädestiniert für Horror. Denn die virtuelle Erfahrung lässt uns direkt in dem Spiel mitfiebern, die Distanz zwischen Spieler und Figur ist quasi nicht mehr vorhanden. Wir sind plötzlich die Figur!
Während wir im uns klassischen Resident Evil noch erschreckten, als die Zombie-Hunde durch die Fenster gesprungen sind, könnten wir nun nicht mehr Jill Valentine oder Chris Redfield durch den Flur steuern, sondern uns selber. Es ist viel intensiver, selber durch den Raum zu marschieren als eine Figur, die wir nur durch das kleine Fenster unseres Fernsehers beobachten.

Die Kitchen-Demo von Resident Evil 7 ist schon sehr unheimlich

Die Kitchen-Demo zeigt sehr deutlich, dass die virtuelle Erfahrung über PlayStation VR deutlich intensiver ist. Schon als uns der unbekannte Mann mit einem Messer die Fesseln lösen möchte. Da zu sitzen und das Messer direkt vor einem zu sehen, da bekommt man schon durchaus Angst. In einem normalen Spiel würde uns das so vermutlich nicht einmal genauer auffallen, aber hier ist selbst die helfende Hand ein wenig gruselig.
Und es ist schwierig, das in entsprechende Worte zu fassen, denn man kann kaum die Erfahrung in VR entsprechend erklären, wenn man so etwas noch nicht ausprobiert hat – sei es nun PlayStation VR, Oculus Rift oder HTC Vive.

Wie ist der aktuelle Stand?

Resident Evil 7 ist nicht das einzige Spiel, welches für virtuellen Horror sorgt. Es gibt noch andere Titel, die ebenso für VR entwickelt worden sind und uns das Gruseln lehren wollen.

Bei Here They Lie handelt es sich um einen kleinen Indie-Titel, der schon für eine gewisse Zwiespältigkeit gesorgt hat. Technisch kann es selbstverständlich nicht einem der großen Vertretern des Genres mithalten, sorgt aber atmosphärisch schon für ganz düstere Töne.
Wir bewegen uns durch eine Schwarz-Weiß-Umgebung, wo wir einer Dame in einem gelben Kleid hinterher laufen. Monstern müssen wir dabei ausweichen, wir können uns allerdings nicht wehren. Ein durchaus interessanter Titel.

Einen ganz anderen Weg geht dabei Until Dawn: Rush of Blood. Während wir im Original Spiel Until Dawn noch in klassischer Slasher-Film-Manier den Horror erlebten, reisen wir in dem VR-Ableger durch eine Art Geisterbahn.
Das ist eine durchaus clevere Lösung, da ein gewisses Achterbahnfahrt-Gefühl nun ebenso dabei ist. Das kombiniert damit dann das VR-Erlebnis mit Achterbahnfahrt und Horror. Zumal man das Spiel im Sitzen spielt (man kann natürlich auch stehen, bietet sich hier aber nicht an), hat man tatsächlich das Gefühl, im Spiel zu stecken.

In Rush of Blood sitzt man in einer Geisterbahn

Für HTC Vive und Oculus Rift gibt es auf Steam Emily Wants to Play. Hier gehen wir durch ein scheinbar verlassenes Haus und erleben traditionellen Horror. Wie in bekannten Horror-Filmen passieren übernatürliche Dinge in den Räumen und jagen uns mit gezielten Jump-Scares gehörig Angst ein.

Genauso klassisch gruselt es sich auch in Affected – The Manor. Im Namen gebenden Herrenhaus spielen mit einem Ouija board und erleben ebenso erschreckende Dinge in den verschiedenen Räumlichkeiten.
Besonders cool dabei: Die Events sind immer wieder anders und an unterschiedlichen Stellen, so dass man immer wieder ein anderes Erlebnis hat.

Alien: Isolation ist schon so ein sehr intensives Horror-Erlebnis gewesen und das ganz ohne VR.
Doch es scheint wohl eine VR-Version des SciFi-Horrortrips geplant zu sein. Da wir von Segas Alien-Spiel sehr angetan waren, würde uns eine entsprechende Umsetzung natürlich sehr freuen.
Mal das Alien leibhaftig vor einem stehen zu haben wäre schon eine sehr interessante Erfahrung.

Die Zukunft des Horrors

Viele VR-Spiele haben ein großes Problem, welches nicht nur die Horror-Spiele betrifft: Die Fortbewegung. Wenn wir uns tatsächlich bewegen, laufen wir Gefahr, den Fernseher oder andere Dinge umzuwerfen.
Optimal ist natürlich dann, wenn man im Sitzen spielen kann. Die Lösung von Until Dawn: Rush of Blood ist die Fahrt in einer Geisterbahn oder bei der Kitchen-Demo die Tatsache, dass man alles auf einem Stuhl sitzend erlebt. Da ist die Immersion einfach perfekt umgesetzt.
Was kann man also tun, um das Problem zu umgehen? Da ist die Kreativität der Entwickler gefragt! So könnte man beispielsweise eine Figur spielen, die im Rollstuhl sitzt oder man wacht als Patient gefesselt in einer Klinik auf (man denke da an die Anfangsszene von Metal Gear Solid 5).

Kojimas P.T. hat gezeigt, wie gut Horror funktionieren kann.

Aufgrund der intensiven Erfahrung in VR wird es vermutlich wesentlich mehr Horror-Spiele geben, die sich in der Ego-Perspektive spielen lassen. Das ist nicht nur eine Lösung für die ansonsten über der Figur schwebenden Kamera, sondern sorgt auch für ein besseres „Mittendrin-Gefühl“.
So ist die Perspektive im kommenden Resident Evil 7 ebenso danach ausgerichtet wie anderer Gerne-Vertreter. Natürlich schwebt immer noch das Gerücht herum, dass Capcom hier ein wenig an dem Erfolg von Kojimas P.T. anknüpfen wollte, welches sich ebenso sehr stark für ein VR-Spiel geeignet hätte.

Motion Sickness ist noch ein großes Problem von VR-Brillen. Gerade Action-Spiele leiden besonders darunter, da es viele schnelle Bewegungen gibt, die den Spieler schnell überfordern.
Da haben es Horror-Spiele teils etwas leichter. Horror funktioniert nur gut, wenn alles ruhig und unheimlich ist und man nicht wild durch die Gegend ballert.
Anders ist allerdings der Horror durch Panik, wie er in Resident Evil 4 eingeführt wurde. Dabei läuft man panisch schnell vor etwas weg und man erlebt ebenso schnelle Bewegungen, vermutlich sogar schlimmer als in anderen Action-Spielen.
Setzt man das allerdings dosiert in Horror-Spielen ein, kann man durchaus die perfekte Mischung aus Horror und Panik erzeugen. Das betrifft auch nicht nur das Spielen mit einer VR-Brille.

Und was wünschen wir uns nun für den Horror mit VR?
Einfach nur gute Spiele.

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