Deals, Sales, Rabatte und alle rasten aus

Es ist seit einigen Tagen wieder soweit: Steam Summer Sale! Preiset Lord Gaben, die letzten […]

Es ist seit einigen Tagen wieder soweit: Steam Summer Sale! Preiset Lord Gaben, die letzten Euros im Portemonnaie werden bereitwillig für die Gunst des Steam-Gottes eingetauscht. Qualitätsware wird zu lächerlich geringen Preisen an den Kunden gebracht und die Vorfreude entwickelte schon eine Art Kult um Valve-Chef Gabe Newell. Während Steam mit Sicherheit das prominenteste Beispiel radikaler Sales im PC-Sektor ist, ist es nicht das einzige: GOG.com, Greenmangaming, Humble Store und Konsorten haben auch alle ihre eigenen Sales. Im folgenden ‚Mein Senf zu‘ möchte ich kurz über den Stellenwert von Extremausverkäufen im digitalen Vertrieb von PC-Spielen diskutieren.

Nur knapp einen Monat nach Release wurde Wolfenstein: The New Order um 50% reduziert.

Ich möchte mit einem simplen und hochaktuellen Beispiel beginnen. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels, den 28. Juni 2014, findet man auf Steam Wolfenstein: The New Order für 24,99 Euro (50% Rabatt). Dieses Spiel erschien vor gerademal einem Monat, den 20. Mai 2014, zum Vollpreis und besucht man den Steam Hub, das Forum zum jeweiligen Spiel, schlagen viele Kunden einen klaren Ton an: ‘Wieso ist es bereits so stark reduziert? Wieso tritt man Tag 1-Käufer mit Füßen?’

Die Botschaft, die für viele auf diese Weise kommuniziert wird, ist die, dass Tag 1- Käufe nicht lohnen; warten hingegen schon.

 

Wolfenstein ist nicht der einzige Fall solcher starken Rabatte kurz nach Erscheinung, nur der jüngste. Ich beobachte seit Jahren in der PC-Szene, bei Freunden, in Foren und bei mir selbst, den Trend, Spiele an Tag 1 links liegen zu lassen. Wieso sollte ich nun 45 Euro ausgeben, wenn es in drei Monaten nur noch 20 sind? Diese 45 Euro kann ich in der Disko doch sogar noch mit Stil für ein paar Drinks verprassen. Vollpreis halte ich einfach für unattraktiv, besonders wenn es ein Sprung ins kalte Wasser ist. Mein letzter Vollpreiskauf geschah aus blinder Loyalität einer Serie gegenüber, die ich gut fand: Dead Space. Nur war der dritte Teil leider eher Abfall.

Ich spiele doch eh tagein, tagaus nur Counter-Strike, da macht mir die Wartezeit, bis Dishonored für lächerlich kleines Geld zu haben ist, nichts. Oder ich kaufe mir für die Zwischenzeit ein paar Indies im Daily Deal, die für Appel und Ei weggehen, während sich die Entwickler vermutlich gerade in einer kalten Garage mit Zeitungen zudecken, weil ich dekadenter Esel zu geizig war, einen Zehner springen zu lassen und lieber wartete, bis eine Perle mit Herzblut und Liebe für magische 2,49 Euro zu haben war.

Oh Mighty Gaben!

Und genau an diesem Punkt ist mir klargeworden, dass ich Teil der Herde bin. Ich sehe mich als elaborierten Spieler, der mit einer gewissen Expertise an die Szene rangeht, insbesondere was Produktionen aus kleineren Studios angeht. Dennoch gehöre ich zu einem Mob, der sich zombiegleich auf die grünen Rabattschildchen auf Steam stürzt, sobald diese auftauchen und das Werk von Monaten oder Jahren billiger als eine Schachtel Zigaretten weggeht. Mir ist klargeworden, dass wir Spieler eine Verantwortung für die Industrie und das ganze Medium tragen. Ich fühle mich immer reichlich dämlich, wenn ich im Kontext Videospiele mit einer Begeisterung und Hingabe über Verantwortung und die Zukunft rede, wie andere sie eher bei Politik oder anderen Themen von tatsächlichem Belang angemessen fänden, aber ich kann nicht anders. Videospiele sind für mich eine wichtige Kunstform und längst nicht mehr Nerdtopic.

Meine Botschaft ist nicht, dass ihr alle den Schrott, den EA euch als den nächsten Hit verkaufen will, blind kaufen sollt, um Gabens Imperium ins Schwanken zu bringen. Was ich mitteilen möchte, ist, dass man sich Gedanken machen sollte, ob ein Spiel sein Geld vielleicht nicht durchaus tatsächlich wert ist, besonders wenn es dabei um Indies geht. Oftmals entstehen diese unter äußerstem finanziellen Druck während sich ein Videospiel-Hobbyist wie Du und ich seinen Traum erfüllen möchte. Es macht mich dann traurig, wenn ich solche Spiele erst im Sale kaufe und nicht schon vorher.

CD Project RED, die Macher der Witcher-Spiele und Betreiber von gog.com (good old games), haben sich 2012 in einem Interview mit Rockpapershotgun zur krassen Entwertung des Mediums Videospiel durch extreme Sales im Stile von Valve geäußert. Sie appellieren an einen Mittelweg bei Ausverkäufen, bei dem nicht der Eindruck der Wertlosigkeit eines Spieles kommuniziert wird, aber der dennoch experimentierfreudige Spieler reizen soll, Neues auszuprobieren und Blindkäufe zu wagen.

”(…)I think that you need to reach a happy medium between giving someone a chance to take a risk without feeling like they’ve gotten a bad deal, and pricing things so cheaply that you tell gamers, ‘this game I made isn’t worth very much.’ “

Ich schließe mich in diesem Sinne gog.com an und komme zu dem Schluss, dass Sales für den Kunden etwas Großartiges sind: Ich kann einen Haufen Spiele kaufen, die ich zum Katalogpreis vermutlich nie angerührt hätte, da mir das Risiko zu hoch ist, mich zu verbrennen. Dass eine gewisse ‘Steam-Müdigkeit’ auftritt und meine Bibliothek schneller wächst als ich sie spielen kann, ist eine ganz andere Sache und die will ich an dieser Stelle nicht weiter anschneiden. Sicherlich sind Sales für die großen Publisher auch eine gute Sache, denn es werden gewaltige Umsätze gemacht, obwohl die Stückpreise unter Wert sind.

Am Herzen liegen mir letzten Endes eher die Indie-Developer oder kleine Publisher, die oftmals ums Überleben kämpfen. Vielleicht sollte man diese auch außerhalb des Gaben-Wahns etwas unterstützen, wenn man etwas für den Markt außerhalb von Call of Duty und Assassin’s Creed übrig hat.

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