Preview – Night Call

Serienmörder und andere Passagiere

Taxis hatten immer schon ein seltsam künstlerisches Appeal. Ein Fahrer und ein Passagier, für ein paar Minuten oder Stunden in der Karosserie eines Autos teilweise von der Welt isoliert. Die Intimität und die potenzielle Freiheit, sich einem Fremden anvertrauen zu können, nicht weil man ihm vertraut, sondern weil man sich nicht kennt und sich vermutlich nie wieder sieht.

 

Meine persönlichen begrenzten Erfahrungen in der realen Welt haben das zwar so bisher nie wiedergespiegelt, aber die Idee hat was. Das dachten sich auch die Entwickler von Monkeymoon und präsentieren mit Night Call eine Mischung aus Visual Novel und…ja was eigentlich? Managementspiel? Adventure?…die einen Taxifahrer in Paris auf eine breite Palette bunter Charaktere treffen lässt….und auf einen Mörder.

Letzteres ist ein Problem. Nicht unbedingt für die Gesundheit des Protagonisten, aber für die Freiheit: Ein Serienkiller ist nicht nur in Paris unterwegs, sondern auch mit dem eigenen Taxiunternehmen. Die Polizei ist ratlos, aber diese Verbindung, sowie die Tatsache dass der Protagonist als letzter das letzte Opfer gesehen (und gefahren) hat, macht ihm zum Hauptverdächtigen. Und so liegt es an ihm, nebenberuflich nach dem Killer zu fahnden, ihn abzufangen und ihn zu einem Geständnis zu bringen.

Schwierig…und stressig: Denn nur weil man auf Mörderjagd ist heißt es nicht, dass es keinen Job zu tun gibt. Und so gilt es einen Spagat zu finden: Gäste transportieren (und heimlich verhören), Routen planen, die einem womöglich auf die Spur des Mörders bringen aber auch ausreichend Einnahmen garantieren und nach der Schicht noch Beweise analysieren und Indizien finden. Wer sich zeitlich nicht managen kann, der lässt den Protagonisten unter Schlafmangel leiden und wie wir sicherlich alle wissen, trägt das nicht unbedingt zu einer vertrauensvollen Kommunikation bei. Kommt man dem Job nicht nach…naja, Taxifahren bringt nicht nur Geld, sondern kostet auch welches und die Finanzen sind knapp.

Das ich so passiv von “dem Protagonisten” rede, steht für eine ungewöhnliche Idee von Monkeymoon: Zwar hat man einen Grad an Kontrolle über den Protagonisten, doch der ist immernoch ein eigener Charakter. Und da wird es seltsam: Als Spieler weiß man manchmal mehr als der Protagonist, im speziellen über die Fahrgäste. Wer dem Protagonisten zu sehr das Allwissen der Erzählerstimme aufdrückt, kann ihn in schwierige Situationen bringen.

Visuell ist das Spiel in einem harten Schwarz/Weiß Film Noir Stil gehalten. Teils verträumte, teils sinistere animierte Eindrücke von Paris mischen sich mit dem eigentlichen Gameplay, was teils auf einer (originalgetreuen) Straßenkarte von Paris und eben oft in den Dialogszenen mit Blick auf die Rückbank des Taxis, wo sich im Laufe des Spiels diverse gestalten tummeln. Nicht alle sind potenzielle Mörder, oder thematisch als Charaktere an den Film Noir Stil gekettet. So sollen die Passagiere und ihre Geschichten teilweise auch mal dramatisch, gefühlvoll oder komödiantisch ausfallen. So wurde uns neben dem Passagier der kurzen Demo, ein gerade entlassener Ex-Knacki mit melancholischer Weltanschauung, auch ein aufgedrehtes Teenie Mädchen versprochen, das gerne Plots von Filmen spoilert (wenn man sie nicht davon abhält) oder sogar ein Geist aus vergangen Zeitaltern versprochen.

Die Story und die Dialoge sind dabei quasi “halb-linear”. Im Spiel wird man einem zufälligen Teil der vielen potenziellen Fahrgäste treffen, der Killer und seine Motive sind jedoch festgelegt. Dennoch wurde an Wiederspielwert gedacht: So wird es insgesamt drei verschiedene Killer im Spiel geben, einen per Playthrough. Und auch die Auswahlmöglichkeiten der Dialoge sollen genug Spielraum bieten, um unterschiedliches über die anderen Charaktere zu erfahren.

 

Night Call ist noch in einem recht unfertigen Stadium und es gibt noch viel zu tun, jedoch ist ein Release im nächsten Jahr für den PC angepeilt.

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Schlagwörter:gamescom , night call