Quantic Dream – Vorwürfe eines „toxischen“ Arbeitsplatzes, Sexismus & Homophobie

Französische Zeitungen und Webseiten präsentieren langwierige Vorwürfe gegen das Studio

Letztes Wochenende veröffentlichten gleich drei französische Publikationen Insider Berichte über unschöne Zustände im Französischen Entwicklerstudio Quantic Dream, den Machern von Heavy Rain, Fahrenheit, Beyond: Two Souls und dem kommenden Detroit: Become Human.

Nach den Aussagen von 15 momentanen und ehemaligen Mitarbeitern der Entwicklerschmiede sei das Studio ein „toxischer“ Arbeitsplatz mit unangemessener Kommunikation seitens des Managements, überwältigender Arbeitslast und fragwürdigen Vertragspraktiken. Laut „Le Monde“ beschwerten sich bereits im Frühjahr letzten Jahres fünf Mitarbeiter über erniedrigende Fotomontagen diverser Mitarbeiter, die seit 2013 innerhalb der Firma kursierten. Insgesamt sollen über 600 Bilder existieren, die unter anderem homophobe und/oder rassistische Beleidigungen gegenüber diverser Mitarbeiter darstellen inkl. Game Director David Cage. Dies seien jedoch laut den Beschwerden nur die Spitze des Eisberges in einer Reihe von bereits genannten Arbeitslasten, sexueller Belästigungen insbesondere bei Betriebsfeiern und gelegentlichen rassistischen Aussagen.

Potenzielles Indiz für Ärger hinter den Kulissen bei Quantic Dream könnten laut „Le Monde“ auch daher ersichtlich sein, das es besonders zwischen 2015 und 2016 sehr viele Personalwechsel gab, mit Begründungen wie „Depression“ und „Burnout“ bei den Kündigern.

Auch wurden intern bereits vor der Veröffentlichung des Trailers der Paris Games Week zum kommenden Spiel Detroit: Become Human, Anmerkungen über die in diesem Trailer gezeigten misogynistisch wirkenden Szenen gemacht, welche schließlich auch in der Öffentlichkeit kritisiert wurden. Diese seien jedoch von Cage, mit dem es „schwierig“ sei zu arbeiten, kategorisch abgelehnt worden. Cage sei ein „Autokrat“ und soll selbst oft unangemessene Aussagen und schmutzige Witze über weibliche Mitarbeiterinnen, Darstellerinnen und seine Frau gemacht haben.

Quantic Dream selber äußerte sich zu den Vorwürfen geschockt und lehnte diese kategorisch ab. Guillaume de Fondaumière, einer der Firmen-Chefs, ist laut eigener Aussage „wütend“ über die Aussagen und würde „sämtliche legalen Schritte nutzen, um seine Ehre zu verteidigen“. Auch David Cage lehnte die Vorwürfe ab und nannte sie „absurd“. Zu den Vorwürfen von rassistischen und homophoben Äußerungen verteidigte er mit seiner Zusammenarbeit mit Ellen Page (Beyond: Two Souls), die selbst homosexuell ist und für die Rechte der LGBT Community kämpft, sowie dem Schauspieler und Aktivisten Jesse Williams, der in den USA für zivile Rechte kämpft. An dieser Arbeit solle man seinen Charakter werten.

Es sollte jedoch erwähnt werden, dass Ellen Page, wenngleich schon seit langem aktive Feministin und Veganerin, sich selbst erst 2014 outete, ein Jahr nach Erscheinen von Beyond: Two Souls.

 

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Kommentare
Jan Markus Mäuer 15. Januar 2018 um 11:17 Uhr

In meiner eigenen Meinung ist es schwer, bei diesen Vorwürfen neutral zu bleiben. Man muss sich ja am Ende nur die Spiele angucken, die quasi pflichtmäßig sehr seltsame Szenen haben, in denen weibliche Charaktere nackt oder in Unterwäsche sind, egal ob diese zum Plot beitragen oder auch nicht.
Und „schwierig“ zu sein passt ja in David Cage’s Bild des Auteur-Künstlers, das er so sehr sein will. Ganz davon ab, das in der Vergangenheit da schon seltsame Sachen vorkamen, wie Cage’s stalker-artiger Recherche nach Ellen Page’s Kinderfotos, und dem Leak ihres digitalen Nacktmodells durch Hacks in Beyond: Two Souls, das scheinbar ohne Wissen der Darstellerin erstellt wurde.
Ein pochen auf gerichtliche Schritte sowie der Versicherung, dass „man ja viele von den Schwulen kennt und Freunde mit denen ist“ haben da auch eher negative Aussage als gewollt.

Fairerweise muss ich eingestehen, das ich persönlich schon seit langem eine sehr negative Meinung von Quantic Dream habe, aber gleichzeitig finde ich auch, dass man vielleicht öfter alleine am Produkt die Intentionen und die Arbeitsweisen von Spieleentwicklern hinterfragen sollte.
Und da will ich auch eigene Favoriten von ausschließen…ohne im Moment da was vorzuwerfen…wundern wenn unschöne Aussagen über Kojima an die Öffentlichkeit kommen würden würde es mich nicht…

Schlagwörter:detroit become human