Kennst Du Rogue Legacy?

Rogue, Roguelike, Roguelite, Roguelikelike… wer soll da noch durchblicken? Der Markt für das Genre könnte […]

Rogue, Roguelike, Roguelite, Roguelikelike… wer soll da noch durchblicken? Der Markt für das Genre könnte als übersättigt bezeichnet werden und dennoch finden sich immer wieder neue Formeln, die das Format des Originals Rogue (1980) aufgreifen, umkrempeln und bis zur Unkenntlichkeit verändern.

Rogue war eines der ersten Rollenspiele auf digitalen Systemen und schrieb als solches Geschichte. Kennzeichen war ein unmenschlicher Schwierigkeitsgrad, zufällig generierte Dungeons und Permadeath. Ein erfolgreicher Lauf hing in erster Linie vom Glück ab, dass das Spiel auf dem Weg bis zum Ende hinreichend gute Ausrüstung platzierte, bevor der Spieler von den Bewohnern des Verlieses gewaltvoll niedergemacht wurde. Graphik gab es zu der Zeit noch nicht wirklich, darum wurden alle Spielelemente als ASCII-Zeichen dargestellt. Bis heute werden einige Roguelikes noch ausschließlich im minimalistischen Retro-Stil programmiert.

An dieser Stelle machen wir einen gewaltigen Zeitsprung zu Rogue Legacy (2013, PC), das auch für Sony-Systeme (2014) und die Xbox One (2015) portiert wurde. Besonders die PS Vita-Fassung hat es mir persönlich angetan, da der knifflige Plattformer für unterwegs einen besonderen Reiz ausübt.

Rogue Legacy wird manchmal als „Roguelite“ bezeichnet, da es keinen totalen Permadeath beinhaltet. Wenn man stirbt, wird ein geringer Teil des Fortschrittes auf den nächsten Charakter übertragen. Das Spiel löst dies auf elegante Weise, indem es den Nachfolger als Erben des verblichenen Helden einsetzt, der Papis / Mamis Goldvorräte erbt, um damit das Familienanwesen auszubauen und dabei Powerups, neue Klassen und dergleichen freizuschalten. Rogue Legacy baut stark auf seinen Humor auf, denn der neue Abenteurer kann eine Reihe von zufälligen Eigenschaften haben. Während ein schwuler oder cholerischer Held, der bei jedem eingesteckten Treffer vor sich hin flucht, kaum Auswirkungen hat, verändert Zwergwuchs die Hitbox und erlaubt das Durchqueren enger Schächte, ein Charakter mit OCD regeneriert Mana für das Zerschlagen von Einrichtungsgegenständen (wieso auch immer).

Rogue Legacy löst sich selbst vom Uropa insofern, als dass es kein rundenbasiertes Spiel auf einem Grid ist, sondern ein flotter und bunter Plattformer mit reichlich Fallen und Gegnern, dessen Angriffsmuster man sich bestens merken sollte, speziell bei den Bossen. Im Laufe eines Runs prügelt man sich so durch fünf verschiedene Gebiete, zahlreiche Untote mit Palette Swaps und doofen Humor. Dabei ist es gar nicht von Anfang an das Ziel, das Dungeon zu meistern, sondern genug Gold und Erfahrung für den Nachfolger zu sammeln, damit dieser ein klein wenig stärker wird. Speedrunner schaffen es zwar ohne zu sterben, aber dafür ist das Spiel gar nicht ausgelegt.

Ich kann Rogue Legacy nur wärmstens empfehlen, denn es ist ein durchdachtes Spiel, das die gnadenlose Natur von Roguelikes in ein humorvolles (wenn man es denn mag) Paket mit reichlich Stützrädern für die weniger Geschickten schnürt und immer spannend bleibt. Natürlich bekommt meine Tochter, die lesbische Barbarenkönigin, all meine Knete und Runen, wenn mein farbenblinder Shinobi mit schwachem Puls kurz vor dem Boss den Löffel abgibt, aber die Wände verschieben sich wieder und sie muss mit einem neuen Dungeon zurechtkommen, sofern sie nicht den Architekten bezahlt, der das Schloss fixiert. Lediglich besiegte Bosse bleiben tot beziehungsweise lassen sich zu einem besonders tückischen Rematch mit fixem Helden herausfordern. Trotz der simplen Natur eines Prügel-Plattformers muss man dauernd taktische Entscheidungen treffen. Erweisen sich diese als dumm, kann das ein paar Generationen Fortschritt zunichte machen.

 

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