Test – Agents of Mayhem

Die Agenten sind los und sorgen für krasse Action! Wie schlägt sich Agents of Mayhem?

Wir befinden uns in der nahen Zukunft. Die Luft ist sauber, die Autos leise und im Grunde gibt es kaum noch Verbrechen. Wäre da nicht Doctor Babylon, der mit seiner düsteren Organisation LEGION versuchen würde, die Welt zu unterwerfen. Dies gelingt ihm auch ganz gut, allerdings hat Persephone Brimstone sich ein Team zusammengestellt, mit dem sie dem Doctor die Stirn bietet: MAYHEM!

Willkommen in Seoul.

Und da kommen wir dann auch als Spieler schon direkt ins Geschehen. Unser Einsatzort ist Seoul in Süd-Korea, wo wir die Kontrolle über drei Agenten von MAYHEM nehmen, die wir im Verlaufe des Spieles stets durchwechseln können.
Nachdem wir eine Untergrundbasis von LEGION infiltriert haben, dürfen wir uns auch schon in bekannter Open-World-Mechanik in Seoul frei umsehen. Und es ist sehr angenehm, dass diesmal keine amerikanische Stadt Zentrum des Geschehens ist, sondern die große Metropole in Süd-Korea. Anders als in der Saint Row-Reihe der gleichen Entwickler, ist hier alles sehr bunt und natürlich asiatisch angehaucht. Gerade die klassischen Bauten der Stadt sind wunderschön dargestellt und vermitteln einem trotz futuristischer Umsetzung die koreanische Kultur.

Die asiatische Kultur wird in Teilen der Stadt sehr gut eingefangen.

Wie ist die optische Präsentation?

Der Look ist Volition besonders gut gelungen. Es handelt sich hierbei um einen Comic-Look, der auch stark an das Design von Overwatch erinnert, schön bunt und durchgestylt. Die Texturen mit ihren großflächigen, sauberen Farben unterstreichen das gepflegte Zukunftsbild, aber auch die bunte fernöstliche Kultur. Sehr schick!

Natürlich gibt es hier wie in den anderen Open-World-Spielen des Entwicklers auch wechselnde Tageszeiten und auch verschiedene Wetterlagen. Meistens ändern sich die Tageszeiten beim Starten einer neuen Mission, so dass es einen sehr abrupten Wechsel gibt. Auch das Wetter ändert sich meist beim Annähern von bestimmten Missionszielen, was zum Teil ein wenig irritiert, da man wieder Sonnenschein hat, wenn man sich wieder davon entfernt. Aber schön ist es immer.

Das Spiel ist fast durchgehend schick und optisch sehr schön gestaltet.

Aber auch die Effekte können sich sehen lassen. Explosionen wirken wuchtig und für den Comic-Look authentisch. Leider verliert man relativ schnell den Respekt vor den kräftigen Explosionen, da unsere MAYHEM-Agenten sehr robust sind und zudem noch durch einen Schutzschild geschützt sind.

Wie spielen sich die Agenten?

Das Gameplay ist zwar in typischer Open-World-Manier gehalten, bei den Gefechten fühlt es sich aber teilweise schon fast wie ein klassischer Arena-Shooter an. Dafür sorgt zum einem, dass die Mechaniken von Saints Row reduziert wurden und jeder Agent seine eigenen Fähigkeiten hat, somit auch nur eine fixe Waffe, die sich nicht wechseln lässt.

Die Charaktere lassen sich jederzeit wechseln und spielen sich unterschiedlich.

Da haben wir dann mit Fortune die typische schnelle Figur, die ihre Gegner schnell, aber nicht so hart trifft, und auf der anderen Seite Hardtack, der mit seiner wuchtigen Waffe enormen Schaden anrichtet, sich dafür allerdings nicht so schnell bewegen kann und auch seine Reichweite lässt zu wünschen übrig. Hollywood ist hingegen ziemlich ausgeglichen, da er sich einigermaßen schnell bewegen und auch gut austeilen kann.
Natürlich gibt es dann auch noch dutzende andere Agenten, die wir noch freispielen können. Dabei gibt es auch noch ziemlich ausgefallene Figuren, die sich jeweils mit freispielbaren Skins angepasst werden können. Und beim Design der Charaktere hat sich Volition sehr von den 80er Jahren inspirieren lassen, da wir hier Skins von Magnum, Thundercats oder den alten Turtles wiederfinden.

Was noch zu den besonderen Spielmechaniken gehört, ist das Springen. Unsere Agenten können nicht nur extrem hoch springen, sondern sogar in der Luft noch einmal weiterspringen. Das ist der klassische Doppelsprung aus Jump n‘ Run-Spielen. Die meisten der Figuren beherrschen sogar den Dreifach-Sprung. Das sorgt natürlich für ein ganz anderes Spielgefühl während der Kämpfe, wenn wir mit unseren Agenten wie ein Flummi durch die Gegend hüpfen, was aber durchaus viel Spaß macht und bekannte Shootouts interessanter gestaltet.

Es gibt coole Skins für die Figuren, die teilweise aus Serien aus den 80ern erinnern.

Und dann gibt es da noch die Schutzschilde. Jeder Agent verfügt über so einen, der einen vor Treffern schützt. Ist der Schutzschild verbraucht, erhalten wir erst richtigen Schaden. Allerdings regeneriert sich der Schild auch wieder automatisch, so dass wir in einer brenzligen Situation einfach das Weite suchen müssen, um uns zu erholen. Oder man wechselt in der Zeit einfach schnell den Agenten, der auf Knopfdruck dann direkt für die aktuelle Figur einspringt. In der Zeit kann der andere Agent auch seinen genommenen Schaden wieder regenerieren. Fällt die Energie allerdings auf Null, ist es vorbei mit dem Agenten und wir müssen mit einer kleineren Truppe vorlieb nehmen, bis wir ein MAYHEM-Symbol finden, welches einen Charakter wiederbeleben kann.

Um dem Spiel noch die nötige Würze zu geben, hat jeder Agent besondere Fähigkeiten und einen Super-Move. Während die Spezial-Fähigkeit (wie zum Beispiel Bomben werfen) im ARK angepasst werden kann und nach einem Cooldown immer verfügbar ist, muss für unsere Super-Fähigkeit erst die MAYHEM-Leiste gefüllt werden. Ist diese voll, können wir mit den beiden Schultertasten eine verheerenden Attacke ausführen oder uns für kurze Zeit aufpowern. In dieser kurzen Zeit läuft dann auch für den jeweiligen Charakter die passende Musik, so dass wir gleich auf bombastische Action eingestellt sind.

Zudem kann man jede Figur auch noch aufleveln. Jeder Charakter hat so sein eigenes Level-System, so wie die MAYHEM Agency auch selber. Für bestimmte Missionen müssen wir sogar die Agentur oder einen Charakter auf einem bestimmten Level haben, um weiterspielen zu können. Wie in einem Rollenspiel.

Die eigene Basis und die Figuren kann man aufleveln und neue Fähigkeiten entwickeln.

In geheimer Mission unterwegs

Ausgangspunkt ist immer wieder das ARK, der zentrale Stützpunkt der Organisation MAYHEM. Hier können wir neue Fähigkeiten (wie zum Beispiel schnellere Regeneration oder kürze Cooldown-Zeiten) erwerben, unser Fahrzeug verändern oder unser Team wechseln.

Zudem können wir auf dem ARK auch noch auf einer großen Karte die globalen Konflikte bestreiten. Dazu schicken wir einen unserer freien Agenten an bestimmte Punkte der Welt. Dann passiert alles vollkommen automatisch bis auf einige Basis-Stationen, die wir dann manuell infiltrieren müssen. Agenten, die wir allerdings weggeschickt haben, stehen uns dann natürlich währenddessen nicht mehr in Seoul zur Verfügung.

Wir können nur mit maximal drei Agenten gleichzeitig in eine Mission und nur mit denen, die nicht zur Konfliktlösung in andere Länder geschickt wurden.

Vom ARK aus springen wir dann auch in die jeweiligen Missionen, die wir im Spiel auch jederzeit beenden und wechseln können. Mit jeweils maximal drei Agenten beschreiten wir dann eine der zahlreichen Aufgaben.

Sehr viel Zeit verbringen wir dabei allerdings, einfach nur gegen feindliche Agenten von LEGION zu kämpfen, zumeist einfache Soldaten – „Kanonenfutter“. Die Vielfalt der Gegner ist optisch leider relativ spärlich, auch wenn es dort die schnellen fiesen Kämpfer gibt, Support-Einheiten oder gut gepanzerte Super-Soldaten, wirken sie oft sehr gleich.

Schlimmer ist , dass wir sehr oft in den gleichen Basen unterwegs sind. Zwar fahren wir an unterschiedliche Orte und infiltrieren dort eigentlich neue Untergrundbasen der Gegner, allerdings sind diese immer identisch. So spielen sich diese Abschnitte sehr repetitiv und können nach einiger Zeit durchaus langweilig werden. Gerade bei den Missionen, wo wir die neuen Agenten freispielen kehren wir immer wieder an diese Orte zurück.

In den Untergrundbasen von LEGION sind wir sehr häufig unterwegs.

Zum Glück gibt es da aber noch die besonders guten Hauptmissionen. Gerade ab der Hälfte des Spieles dreht Volition nochmal so richtig auf. Dort bekämpfen wir dann auch nicht nur einfaches Fußvolk, sondern die besonders starken Ober-Bösewichte. Vom verrückten Wissenschaftler über einen eingebildeten K-Pop-Sänger, der seinen Fans einer Gehirnwäsche unterzieht, bis hin zu einer virtuellen Girl-Group, die sich mit einem Schurken verheiraten möchte, der wiederum seinen Cyborg-Körper perfektionieren möchte. Da sind die Jungs und Mädels bei den Entwicklern echt kreativ geworden.

Und damit wir zu unseren Zielorten schnell hinkommen, gibt es neben den zahlreichen Fahrzeugen der normalen Bevölkerung, die wir in typischer Grand Theft Auto-Manier einfach übernehmen, noch die Möglichkeit, ein Auto zu rufen. Dieses fährt zu uns vollkommen automatisch und kann auch sprechen – wie ein anderes bekanntes Auto aus einer bekannten TV-Serie der 80er. Zudem können wir es auch austauschen und anpassen, sofern wir die entsprechenden Skins beziehungsweise Fahrzeuge freigeschaltet haben.

Fahrzeuge können wir jederzeit von der Bevölkerung „ausleihen“.

Die Autos steuern sich in Agents of Mayhem durchaus schwammiger als noch in den alten Saints Row-Spielen, allerdings können wir mit der Drift-Taste sehr locker und gekonnt um jede Kurve düsen und auch ein paar Fußgänger mitnehmen. Die nicht blutverschmiert durch die Gegend geschleudert werden, sondern wie alle anderen Gegenstände und Autos gelblich aufleuchten und einfach umfallen.
Auch die anderen Fahrzeuge auf den Straßen lassen sich mit unserem Fahrzeug ein wenig zu leicht wegschleudern, so dass es zum Teil selbst für den Comic-Look zu unrealistisch wirkt. Das mindert allerdings nicht den Spaß, sondern sorgt in den meisten Fällen für actionreiche Unterhaltung.

Der begehbare Teil der Stadt Seoul ist im Vergleich zu anderen Open-World-Spielen eher klein, dafür haben die Entwickler deutlich größere Gebäude entworfen, so dass die Stadt auch deutlich in der Höhe variiert auf mehreren Ebenen. Das passt nicht zur besonders gut zu den neuen Spring-Fähigkeiten, es frischt die Spielerfahrung auch noch auf auf.

Auch auf den Straßen ist es nicht ungefährlich.

Die Technik

Der Comic-Look des Spiels sorgt dafür, dass das Bild meist sauber und wunderschön aussieht. Vereinzelt gibt es Treppchenbildung, was aber sehr selten passiert.

Ist man allerdings mit dem Auto unterwegs und zündet dann noch den Boost, kommt die Technik durchaus ins Schwitzen. Dann kommt es zu Pop-Ups und Rucklern. Zwar wird es nie so tragisch, dass das Spiel unspielbar werden würde, trübt aber den sonst so schicken Gesamteindruck.

Das Spiel ist technisch sauber und kommt nur selten ins Stocken.

Auch soundtechnisch gibt man sich nicht die größte Mühe. Die Effekte klingen gut, Explosionen wuchtig und die Musik sorgt für die entsprechende Untermalung. Aber gerade beim Fahren im Auto hätten wir uns eine größere Vielfalt an Sendern und Musikstücken gewünscht. Aber wir sind ja in Seoul unterwegs, wo jeder nur K-Pop hört.

Für die Zwischensequenzen hat sich Volition was besonderes einfallen lassen: Diese sind durchweg in Comic-Animationen gehalten. Das passt zum Gesamtkonzept des Spieles, dafür sind diese Animationen meist nicht sonderlich flüssig, aber auch hier gut vertont und mit den humorvollen Dialogen.

Die Zwischensequenzen sind im Comic-Look und erzählen meist bizarre Geschichten.

Dafür sind die Dialoge umso besser. Die Stimmen sind fantastisch gut besetzt, gerade bei dem virtuellen Idol AISHA könnte diese Stimme direkt aus einem Anime stammen. Und der Wortwitz ist fast immer ein Treffer, seien es nun die Streiterein der beiden IT-Experten über Funk oder eine Durchsage in einer der Untergrundbasen mit der Frage nach einer Pizza-Bestellung. Der Humor funktioniert richtig gut und lässt da auch den ein oder anderen Makel des Spieles vergessen machen.

Besonders zu erwähnen sei hier noch, dass man fünfzehn verschiedene Schwierigkeitsstufen eingebaut hat, so dass jeder Spieler das Spiel ziemlich genau nach seinen Fähigkeiten anpassen kann. Das sorgt für weniger Frust und mehr gute Laune beim Spieler.

Agebts if Naygen ist ein durchaus gelungenes Spiel mit ein paar Makeln.

Fazit

Agents of Mayhem ist ein gelungenes Open-World-Spiel, welches streckenweise mit repetitiven Missiondesign zu kämpfen hat, aber auch mit besonders gutem Humor und einem erfrischend schickem Setting daherkommt. Es war eine sehr gute Idee Seoul als Stadt zu nehmen, da dieser Standort noch sehr unverbraucht ist und man dort die koreanische Kultur besonders mit K-Pop auf die Schippe nehmen kann. Das ganze sieht in dem Comic-Look dann nicht nur richtig schick aus, auch die neuen Gameplay-Mechaniken machen richtig Spaß.

Getestet wurde die PlayStation 4-Version des Spiels.
Positiv
  • Schicker Comic-Look
  • Gelungener Humor
  • Unverbrauchtes Setting
  • Viele unterschiedliche Charaktere
Negativ
  • Streckenweise abwechslungsarm
  • Gelegentliche Ruckler
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