Test – Alien: Isolation

  In Alien: Isolation nimmt der Spieler die Rolle von Amanda Ripley an, der Tochter […]

 

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In Alien: Isolation nimmt der Spieler die Rolle von Amanda Ripley an, der Tochter von Ellen Ripley, die in den Filmen von Sigourney Weaver gespielt wurde. Es findet 15 Jahre nach den Ereignissen des ersten Films Alien (1979) von Ridley Scott statt, der an Bord des Schiffes Nostromo spielte. Amanda ist auf der Suche nach ihrer Mutter und erklärt sich bereit, an einer Expedition zur rostigen Weltraumstation Sevastopol teilzunehmen, auf der sich vermeintlich der Flugschreiber der Nostromo befindet. Weyland-Yutani hat ein Interesse daran, das Verschwinden des Frachters vor vielen Jahren aufzuklären und Amanda möchte wissen, was mit ihrer Mutter geschah und wo diese verblieben sein könnte. Bei der Ankunft an der Sevastopol wird klar, dass die Kommunikation dort abgeschaltet ist und die Crew sieht sich gezwungen, die Station per Weltraumspaziergang zu betreten. Doch bereits da geht etwas schief und Amanda wird vom Rest der Mannschaft abgeschnitten.

Atmosphäre

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Alien: Isolation greift die Stimmung von Ridley Scotts Klassiker auf vielen Ebenen auf. Völlig offensichtlich ist natürlich der Aufbau der Raumschiffe und der Raumstation. Die Torrens, mit der die Crew herkommt, sieht der Nostromo überraschend ähnlich, wie der geneigte Kenner vielleicht feststellen mag. Besonders die beiden ikonischen Bereiche, Küche und medizinische Station, stechen sofort hervor. Einer der Charaktere merkt nebenbei an, dass es sich um eine ähnliche Baureihe von Frachter handelt. Egal, wo man sich hinbegibt: Der Science Fiction-Stil der 70er wurde konsequent aufgenommen und fortgesetzt. Auf der Sevastopol gibt es reichlich Kontrollräume und Konsolen und jede davon ist völlig glaubwürdig im Stil des Originals gehalten. Für Fans des Filmes ist das eine sehr spannende Sache, man bleibt oft stehen und guckt sich die Ausstattung an.

Im Film von 1979 trat die namensgebende Kreatur erst nach sehr langer Zeit auf, womit der Regisseur mit dem Zuschauer spielte. Jeder, der sich Alien ansah, wusste vermutlich sehr wohl, worum es sich bei dem Xenomorph handelt. Umso unerträglicher ist die spannende Leere, wenn das Biest etwa eine Stunde lang überhaupt nicht erscheint, klassiche filmische Stilmittel jedoch dauernd Jumpscares oder ähnliches suggerieren. Auch Alien: Isolation arbeitet auf diese Weise und erzeugt damit eine sehr dichte wie spannende Atmosphäre. Es war schon ein sehr erhabener Moment, als das Xenomorph mir das erste Mal begegnet ist. Creative Assembly haben in diesem Punkt der Präsentation großes Geschick bewiesen und jeder Fan von Alien dürfte von dem Ergebnis begeistert sein.

Gameplay

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So viel zur Präsentation. Doch ist Alien: Isolation nicht nur ein Museum für Filmfreunde, sondern ein Spiel. Gameplaytechnisch stehen die Stealth-Elemente klar im Vordergrund. Da das Xenomorph körperlich Amanda in jeder Hinsicht überlegen ist, muss man seine Schläue und Geduld ausspielen, um eine Chance zu haben. Ich kann mich noch genau erinnern, was der Creative Assembly-Mitarbeiter zu mir bei der Demo gesagt hat:

“The first thing you want to do is to crouch.”

Entsprechend gemächlich ist das Tempo des Spieles, denn dauernd versteckt man sich beim geringsten Anzeichen eines Kontaktes hinter Deckung oder klettert in Schränke. Interessant dabei ist jedoch, dass das Alien nicht gescriptet handelt, wie zuerst vermutet. Stattdessen ist es manchmal impulsiv, reißt Schränke willkürlich auf, guckt unter Tische und dergleichen. Es kann vorkommen, dass man ihm um Haaresbreite entkommt, nur getrennt von einem Millimeter Spindmetal, er davongeht und plötzlich aufspringt und zurückkehrt. Wehe dem, der ungeduldig aus dem Schrank stieg…

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Diese Schleichpassagen sind enorm spannend, können mitunter jedoch frustrieren. Es gibt kein freies Speichern, was dazu führt, dass stets Fortschritt auf dem Spiel steht. Es entstehen Durststrecken, die erfordern, dass der Spieler ein Missionsziel, etwa das Aufsammeln einer Keycard, erreicht und zum Speicherpunkt zurückkehrt, ohne entdeckt und grausam gefressen zu werden. Insgesamt sind die Speicherpunkte eine gute Entscheidung, da freies Speichern jegliche Spannung zerstören würde. Zugleich ist es aber auch eine Gratwanderung, denn schließlich wollen die Punkte fair verteilt sein. Meiner Ansicht nach ist diese Balance gelungen, allerdings sehr knapp, denn häufig sah ich mich zähneknirschend nach dem Nottelefon suchen, das aber zum Glück auffällig piept.

Der größte Kritikpunkt an der Schleichmechanik ist jedoch, dass es sich “gamey” anfühlt, man also nicht hundertprozentig in die Spielwelt hineingezogen werden kann, da es immer noch spürbar ein Spiel ist. Während das Katz-und-M

aus-Spiel zuerst glaubhaft rüberkommt, fragt man sich irgendwann: Wieso ist das Alien immer genau dort, wo ich auch bin? Das Spiel gibt keine Erklärung, wieso das Alien stundenlang den Bereich um Amanda abpatrouillieren könnte, jedoch sofort seine Route wechselt, wenn der unentdeckte Spieler zwei Räume weiterzieht. An dieser Stelle wird das Script spürbar und entzieht der ansonsten makelfreien Spielwelt Glaubwürdigkeit.

Abgesehen vom Alien gibt es noch weitere Gegner, die frischen Wind ins Spiel bringen, nämlich Menschen, deren Motive vielseitig sein können, und die Working Joe-Androiden. Durch den Uncanny Valley-Effekt erscheinen diese Synthetischen fast genauso albtraumhaft wie das Xenomorph selbst. Im Gegensatz zum Alien lassen sich alle anderen Gegner durchaus durch Waffenanwendung besiegen, dennoch ist das Verstecken und Umgehen zumeist die klügere Herangehensweise. Zum Arsenal gehören übrigens neben einer Brechstange, einem Flammenwerfer und konventioneller Schusswaffen vor allem auch selbstgebaute Granaten, etwa Blendgranaten oder Elektronikstörer.

Fazit

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Alien: Isolation punktet grandios in Sachen Atmosphäre und Originaltreue dem Film gegenüber. Die Inszenierung von Scotts 70er-SciFi überzeugt an jeder Ecke vollends und ist ein richtiger Genuss, auch wenn man den Film nicht gefühlte hundert Male gesehen hat. Wo das Spiel jedoch schwächelt ist jedoch das Verhalten des Xenomorph. Die Präsentation des Aliens ist zwar genauso elegant wie der Rest der Station Sevastopol, jedoch steht sich das Spiel selbst durch eine Verengung des Patrouillengebietes auf den näheren Umkreis des Spielers im Weg, da somit mit der ansonsten gewaltigen Immersion gebrochen wird. Diese Makel sind jedoch nicht gravierend genug, um Alien: Isolation den Status als gelungenen Stealth-Horror abzusprechen. Fans von Scotts Filmen werden voll bedient, alle anderen kommen auch mal in den Genuss der Furcht vor dem (nahezu) perfekten Jäger.

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