Test – Breached

Breached kombiniert schöne Optik mit einer entspannten Erkundungstour und einem Logbuch, das sich selbst erzählt. Wie schneidet der kleine Titel ab?

Breached von dem Studio Drama Drifters ist ein Experiment der Genreüberschneidung. Es ist ein kurzer und knackiger Titel, der sich der Erkundung von Landschaften bedient und gleichzeitig eine Art interaktive Novelle darstellt. Graphisch angetrieben wird das Spiel durch die Unreal Engine 4, die Breached ein Äußeres verleiht, für das es sich nicht zu schämen braucht.

Breached beginnt mit einer Textsequenz und es wird rasch klar, dass der Spielercharakter aus einem Kälteschlaf erwacht ist. In der Zwischenzeit ist die Welt, wie er sie kannte, untergegangen und besteht nur noch aus erbärmlich heißer Wüste und Ruinen. Nach kurzen Checks stellt er fest, dass einige Lebenserhaltungssysteme beschädigt sind und der Sauerstoff in acht Tagen zur Neige geht. Dennoch ist man nicht ganz machtlos: Die Verbindung zu Drohnen innerhalb des Areals besteht noch, sodass Mineralien und Kapseln mit elektrischen Komponenten gesammelt werden können.

Wirklich interessant kommt die Handlung daher. Der Spielercharakter führt eine Art Logbuch, in dem er die Ereignisse, die zum Niedergang der Welt führten, anschneidet, aber nie wirklich ausführt. Man merkt rasch, dass die Erinnerung da ist, aber sie ihm unbequem ist. Daher muss sie durch das Verknüpfen von Stichwörtern und Themen erschlossen werden. Zu viel möchte ich nicht verraten, da alles Weitere aufgrund der Spieldauer sich bereits auf Spoilergebiet bewegt.

Gänzlich anders spielen sich die Drohnenpassagen. In diesen steuert man einen unbemannten Hover-Sammler durch die Einöden, immer auf der Suche nach Komponenten und Mineralien (zur Synthese von Treibstoff). Erschwert wird diese Aufgabe durch elektromagnetische Anomalien, die etwas an S.T.A.L.K.E.R. erinnern, und zunächst die Verbindung zur Drohne schwächen, sie letztlich aber auch gänzlich lahmlegen können, was zu einem massiven Zeitverlust führt. Während die Gebiete, die dabei bereist werden, graphisch ordentlich daherkommen und man sich fragt, wofür einige der seltsamen Strukturen wohl da sind, empfand ich die Sammelpassagen doch eher als Belastung und ich wollte zurück ans Logbuch, um mehr über diese Welt zu erfahren. Leider ist der Fortschritt gekoppelt an erfolgreiche Ausflüge ins Ödland, sodass man nicht darauf verzichten kann. Tatsächlich ist es möglich, das Spiel zu verlieren, etwa indem man es nicht schafft, innerhalb der gegebenen acht Tage die Sauerstoffversorgung sicherzustellen.

Unterm Strich bleibt Breached eine spezielle Erfahrung und ein Spiel, das einfach nur existieren und keine bestimmte Zielgruppe bedienen möchte. Das Durchsuchen der Wüste nach Kapseln mag etwas ermüdend sein, dennoch bin ich der Ansicht, dass das Logbuch und die erzählte Geschichte den Aufwand wert sind. Einfach mal erkunden und lesen statt ballern und in die Luft zu jagen. Breached ist ein entspannter Titel, der nicht hetzt. Der Umfang auf dem Papier ist aber eher knapp: Ein Playthrough dauert je nach Gründlichkeit zwei bis vier Stunden und es gibt leider nur drei Gebiete zum freien Erkunden. Breached erschien am 22. Juni 2016 bei Steam für PC, Linux sowie OSX und kostet derzeit 7,99 Euro.

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