TESTS

Chernobylite

Nach rund 2 Jahren Early Access erschien Chernobylite nun nach dem PC-Release Ende Juli auch für die Konsolen. Wie schlägt sich das Survival-Spiel im Test?

Lucas Rau · 20. Oktober 2021

Entwickler von Chernobylite ist The Farm 51, die vorher an Titeln wie Painkiller Hell & Damnation oder auch Get Even und Deadfall Adventures gearbeitet haben. Entwickelt für die Unreal Engine 4 gibt es den Titel für PC, Xbox One und PlayStation 4.

Veröffentlicht wurde der Titel im Early Access bereits am 19. Oktober 2019 für den PC. Der vollständige Release erfolgte nun am 28. Juli für den PC, am 28. September für PlayStation 4 und Xbox One. Aufgrund der Abwärtskompatibilität ist der Titel auch auf der Xbox Series S und X sowie der PlayStation 5 spielbar.

Wer noch mehr zum Spiel wissen kann, sollte in Folge 96 des GamondoCasts reinhören, in der der Titel besprochen wird.

Chernobylite spielt im Jahr 2016, 30 Jahre nach dem Unglück im Kernkraftwerk in Chernobyl. Der hauptsächliche Spielbereich, das radioaktiv verseuchte Gebiet, nennt sich Exclusion Zone. Dort spielt ihr den Physiker Igor Khymynyuk, der auf der Suche nach seiner Verlobten Tatyana Amalieva ist. Diese ist während des Atomunfalls auf mysteriöse Weise verschwunden. Man beginnt das Spiel mit einer Infiltration des zerstörten Kernkraftwerks, um die Ressource Chernobylite zu finden, die es ermöglicht, Raum und Zeit zu kontrollieren, und um mehr Informationen über Tatyana herauszufinden. Bei der Infiltration läuft jedoch einiges schief und der mysteriöse Black Stalker greift den Spieler an. Igor schafft es aber, sich in seine Basis zu flüchten und plant von dort aus, nun die Verschwörung um das Atomdisaster, den Black Stalker und das Verschwinden von Tatyana aufzudecken.

Da die erste Infiltration des Kernkraftwerks schiefging, müsst ihr euch als Igor erst einmal darauf vorbereiten. So benötigt ihr neben Mitgliedern, die gewisse Rollen erfüllen, auch ein Arsenal an Waffen und Ressourcen. Dafür schließt ihr Missionen ab, die ihr in der Basis auswählen könnt. Alternativ könnt ihr auch eure Gefährten auf diese Quest schicken. Diese haben je nach Schwierigkeit der Mission und ihrer Verfassung unterschiedliche Chancen, die Mission erfolgreich zu bestehen. Es ist außerdem auch möglich, dass die Kameraden während der Missionen versterben oder gefangengenommen werden. Primär sind die Missionen dazu da, Ressourcen verschiedenster Art wie Medikamente, brennbare oder elektrische Gegenstände, Vorräte und Munition zu sammeln, um eure Basis aufzubauen sowie euren Charakter oder Werkzeuge und Waffen zu verbessern. Dafür habt ihr während der Missionen eine Art Radar, mit dem ihr die Umgebung nach den jeweiligen Gegenständen scannen könnt und diese dann auch durch Wände sichtbar sind.

Dabei bietet der Titel keine Open World, sondern fünf kleinere Areale, die je nach Mission etwas unterschiedlich gestaltet sind. Die Bereiche sind je nach Können und Schwierigkeitsgrad recht schnell zu erkunden, bieten aber unterschiedliche Mengen von Gegnern und Orte zum Entdecken. Gefahren in Form von menschlichen und nicht-menschlichen Feinden sind während der Missionen immer wieder gegeben und müssen vorsichtig bekämpft werden, da Munition ein luxuriöses Gut ist. Es ist also besser, Kämpfen aus dem Weg zu gehen oder nach Möglichkeit die Feinde per Stealth auszuschalten. Später könnt ihr euren Waffen auch einen Schalldämpfer – und etliche weitere Upgrades – verpassen, um die Gefahr während den Entdeckungen zu senken.

Spannend werden die Missionen außerdem dadurch, dass sich immer wieder kleine Notizen und andere Dinge finden lassen, die Hinweise zum Verschwinden von Tatyana geben. So kommt der:die Spieler:in nach und nach neuen Erkenntnissen auf die Spur und trotz der immer gleichen Missionsstruktur wird es nicht langweilig.

Neben den Missionen ist ein weiterer großer Punkt des Spiels der Basenaufbau. Dort gibt es unterschiedliche Kategorien, um diese auszubauen. So gibt es etwa die Basisverbesserungen, welche etwa Generatoren, Schlafstellen, aber auch Strahlungsschutzgeräte und Luftfilter beinhaltet. Des Weiteren kann man sich auch um das Wohlergehen der Mitglieder kümmern, indem man die Basis beispielsweise mit Pflanzen oder Möbeln bestückt. Letztlich gibt es noch die Option, Gerätschaften und Werkbänke anzufertigen, mit denen sich Igors Ausrüstung aufwerten lässt oder die sich zum Erstellen neuer Items eignen. Da sich auch die Gefährten in der Basis befinden, ist es wichtig, am Ende des Tages Ressourcen fair zu verteilen, um die Überlebenschance jener zu erhöhen und die Zufriedenheit aufrechtzuerhalten.

Ansonsten läuft der Gameplayloop immer relativ ähnlich ab. Ihr weist euren Kameraden bestimmte Aufgaben zu, erledigt selbst eine Mission, sammelt dort viele Ressourcen und eventuell neue Mitglieder, kommt letztlich in die Basis zurück und erweitert diese oder arbeitet an euren Waffen und anderem Equipment. Bisher habe ich in circa 6 bis 7 Stunden meist immer ähnliche Dinge getan, finde aber durchaus meinen Spaß daran, die Gebiete in und um Pripyat zu durchstreifen, neue Teile der Geschichte zu entdecken aber auch nach und nach besser zu werden, um schließlich erneut das Kernkraftwerk mit meinem Trupp zu infiltrieren.

Zuletzt ist es interessant, dass Chernobylite auf eine non-lineare Erzählstruktur setzt. So gibt es immer wieder Entscheidungen zu treffen. Sei es eben bei der Verteilung der Nahrung, aber auch der Entwicklung neuer technischer Gerätschaften oder Waffen. Relevanter für die Geschichte sind natürlich die Entscheidungen während bestimmter Dialoge oder Handlungen, die die Geschichte in die ein oder andere Richtung lenken.

Graphisch präsentiert sich das Spiel an Stellen sehr schön, wirkt aber bei den Charaktermodellen teils etwas altbacken. Auch die Flora und Fauna sieht sehr ähnlich aus, Abwechslung gibt es wenig. Man merkt also hierbei, dass der Titel bereits 2019 im Early Access veröffentlicht wurde und demnach graphisch nicht mehr gänzlich zeitgemäß ist. Technisch läuft das Spiel auf der PlayStation 5 per Abwärtskompatibilität solide, aber nicht überragend. Interessierte können sich aber freuen, da native PlayStation 5 als auch Xbox Series X|S Versionen angekündigt sind.

Fazit:
Obwohl ich Chernobylite noch nicht beendet habe und das Spiel eher langsam angehe, kann ich es bisher allen Spieler:innen empfehlen, die sich gerne mit Survival-Spielen beschäftigen und nebenbei auch eine spannende Geschichte erleben wollen. Neben den Missionen bietet der Titel außerdem mit dem Ressourcen- und Basen-Management eine Art Sim-Charakter, der super zum Titel passt. Ein großer Faktor für mich war vor allem das interessante Setting und die oft sehr gelungene Atmosphäre.