Test – Danger Zone

Auf dem Highway in die Nostalgie-Zone fahren Spieldesign und Spektakel in unterschiedliche Richtungen.

Entwicklerstudio Three Fields Entertainment lebte seit es auf der Bildfläche aufgetaucht ist unter einem Schatten der Erwartungshaltung. Nicht ohne Grund, natürlich. Immerhin wurde das Studio von drei Ex-Criterion Mitarbeitern gegründet – allesamt beteiligt an mehreren Teilen des viel geliebten Arcade-Racer Franchises Burnout – kurz nachdem klar wurde, dass der neue Besitzer des Studios EA kein Interesse hatte, die Reihe fortzusetzen. Nachdem ihr Debüt-Titel Dangerous Golf versuchte, die Mechaniken von Burnouts “Crash”-Spielmodus in Golfball-basierte Verwüstung von Küchen, Toiletten und Tankstellen zu transferieren, reagierte die Erwartungsvolle Spielerschaft zu einem großen Teil wenig überzeugt. Und so scheint, nach einem kurzen Ausflug in die virtuelle Realität, Three Fields schlussendlich mit Danger Zone dem Druck nachzugeben und liefert ganz ohne Vorhalt einen echten spirituellen Nachfolger von Burnouts Crash-Modus.

Die Mechaniken sind recht schnell erklärt: Man steuert ein Auto vorsätzlich in viel befahrene Kreuzungen, Gegenverkehr oder andere Variationen von dichtem Verkehr, verursacht so idealerweise eine Massenkarambolage und wird anschließend an dem entstandenen monetären Schaden gemessen. Wichtig dabei ist jedoch noch, das nach einer individuellen Mindestanzahl beschädigter Fahrzeuge (oder dem Einsammeln von Powerups) das eigene Fahrzeug in die Luft gesprengt werden kann. Nicht nur verursacht das höheren Schaden, man kann darüber hinaus das eigene brennende Wrack nochmal durch die Luft steuern und sich in mehr Verkehr zu werfen.

Burnouts Crash-Modus lebte von seinem Chaos, kämpfte jedoch entsprechend immer damit die strukturierten Parts seines Gameplays auszubalancieren. Zwischen den diversen Sequels war oftmals entweder zu großer Fokus auf das Einsammeln von Medallien-Powerups in den Leveln anstelle von Karambolagen zu verursachen oder es war andersherum ein Glücksfall, ob die verursachte Zerstörung für Highscores ausreicht oder nicht.

Mit vollem Fokus auf seine Crash Puzzles, schafft Danger Zone als spiritueller Nachfolger die bisher beste spielerische Balance. Das Einsammeln von Powerups ist immer noch wichtig um in den Leaderboards aufzusteigen und in den Levels Gold oder gar Platinum zu holen, aber es ersetzt nicht die Notwendigkeit, selbst möglichst viele Fahrzeuge zu rammen. Sicherlich ist immernoch ein Zufallsfaktor vorhanden, doch mehr als je zuvor ist es eine Herausforderung, im Zick-Zack zwischen Verkehrsspuren ideale Kettenreaktionen zu verursachen und gibt dem Spieler ein Level an Kontrolle um Taktiken in den diversen Szenarien zu erzeugen. Wer Geschicklichkeits- und Puzzlespiele liebt, bei denen man Levels immer und immer wieder wiederholt um sich selber, wird hier einiges finden in das es sich zu vertiefen gilt.

Wer sich jedoch einfach nur an dem anarchischen Spaß erfreuen möchte, wie ein Kleinkind mit seinen Spielzeugen Autos ineinander zu rammen, wird jedoch vermutlich schnell die Lust an dem ganzen Verlieren. Natürlich werden hier dank Unreal Engine 4 unter der Haube krachende Soundeffekte, bildschirmfüllende Partikeleffekte und wild umherfliegende Autos, Trucks und Toiletten (Hey, irgendwas müssen die Laster transportieren) geboten. Doch trotz allem merkt man dem Titel dann doch sehr an, dass es sich um einen günstigen Titel mit niedrigem Budget handelt.

Zunächst wäre da die Sache, das nur eine Spielumgebung geboten wird. Anstelle früherer Burnout-Titel, wo diverse Abschnitte der verschiedenen Rennstrecken als Crashmodus-Level zweckentfremdet wurden, spielt sich hier als in einer als “Simulation” präsentierten virtuellen Lagerhalle ab, in der die verschiednenen Level eingeblendet werden. So wirkt das Spiel etwas farblos, auch wenn es die meiste Zeit dem Spiel nicht allzu sehr schadet, da es nun mal um die Crashes und Explosionen geht, und der Simulationsaspekt des ganzen ein paar spielerische Möglichkeiten eröffnet, die nicht strikt an Realismus gebunden sind….auch wenn ich mir dann hier tatsächlich in späteren Levels ausgefallenere Ideen gewünscht hätte, die das für sich ausnutzen.

Was dem Spiel jedoch aktiv schadet ist, dass sich die Crashes und Autowracks selber seit dem letzten Burnout-Titel in der letzten Konsolengeneration nicht weiterentwickelt haben. Während Titel wie Wreckfest oder die gamifizierte Autozerstörungs-Engine BeamNG.drive detaillierte Fahrzeuge mit realistischen und/oder unterhaltsamen Physikmodellen verbeulen, verbiegen, zerbrechen und auseinanderfallen, wirkt Danger Zone technisch hier zurückgeblieben. Abgesehen davon das es nur wenige Fahrzeuge gibt, sind diese auf ein sehr grundlegendes Schadensmodell reduziert und in der Hauptsache zumeist nur die Texturen der Vehikel von “neuwertig” zu “kaputt” wechseln. Selbst wenn man das Gameplay an sich genießt, verliert man schnell Interesse an den Crashes und Explosionen, die das Spiel eigentlich primär ausmachen sollten, da diese im Endeffekt einfach nicht beeindruckend genug sind. Die trockene, minimalistische Präsentation tut außer ein paar Scherzen in den Levelnamen und Nachrichten am Start eines Levels auch nicht viel, um das ganze audiovisuell interessanter zu gestalten.

Das Spiel ist in seiner Qualität stark in zwei Hälften gespalten. Zum einen bietet das Gameplay selber eine durchdachte, aufpolierte Mischung aus Geschicklichkeitsspiel und Puzzle, das Perfektionisten an den Bildschirm zu fesseln vermag. Zum anderen jedoch weiß das Spiel, in dem es darum geht möglichst viel Zerstörung zu verursachen, in diesem Aspekt nicht zu beeindrucken und ist schlicht zu nüchtern, dieses zentrale Element des Spiels zu inszenieren.

Fazit

Wer den Crash-Modus der Burnout-Serie für mehr liebte als ein bisschen Spektakel und Abwechslung zwischen den Rennen, wird sich an dem Gameplay genauso erfreuen wie obsessive Puzzlespieler. Wer sich jedoch an spektakulären Stunts und einzigartigen Crashes erfreuen will, wird sich hier selbst trotz des fairen Preises nie zufrieden fühlen.
Positiv
  • durchdachtes Gameplay
  • hoher Suchtfaktor
Negativ
  • visuell zu unspektakulär
  • trockene schlichte Präsentation
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