Der letzte Titel für eine stationäre Konsole von Bend Studio erschien 2007 mit Syphon Filter: Logan’s Shadow. Danach entwickelte Bend nur noch für die PSP und PS Vita, wenn auch nicht viel. Am 26.04 erschien nun mit Days Gone nach über sieben Jahren endlich wieder ein Konsolentitel des Sony-eigenen Entwicklers.

In Days Gone übernehmt ihr die Rolle von Deacon St. John, einem Ex-Biker, der in der postapokalyptischen Welt des US-Bundesstaates Oregon zusammen mit Kollege Boozer um sein Überleben kämpft. In einer der ersten Szenen, die wir sehen, wird eine schwer verwundete Sarah in einen Helikopter geladen, um zu einem Camp gebracht zu werden. In der Gegenwart, rund zwei Jahre nach Ausbruch einer Pandemie – welche Menschen in sogenannten „Freaker“ verwandelt – erfahren wir schließlich, dass sie verstorben ist und Deacon und Boozer nun alleine durch die Welt fahren müssen. Im Gegensatz zu normalen Zombies sind Freaker übrigens laut Entwickler keine Untoten, sondern durch die Pandemie veränderte Menschen (oder Tiere). Mit diesem Wissen startet ihr also in die düstere Welt von Days Gone.

Protagonist Deacon wird in Third-Person-Sicht durch die offene Welt manövriert, entweder zu Fuß oder auf dem Motorrad. Direkt in der Einstiegsmission wird Bikerbruder Boozer schwer verwundet und muss nun erst von Deacon aufgepäppelt werden, bevor die beiden ihren Plan, nach Norden zu fahren, durchführen können.

Die Missionsstruktur von Days Gone ist etwas gewöhnungsbedürftig. Schließt ihr eine der Aufgaben ab, ist ein gewisser Prozentsatz der übergreifenden Mission erfüllt. Die Mission kann dann allerdings nicht direkt weiterverfolgt werden. Über Funk bekommt ihr erst die neuen Ziele mitgeteilt. Das ist vor allem dann störend, wenn ihr gerade keine aktiven Aufträge habt und in der Gegend herumfahren müsst, bis sich das Gespräch, respektive die Mission, aktiviert. Danach muss die Mission allerdings oftmals noch beim Questgeber abgeholt werden, was weitere Zeit kostet. Hier wäre ein anderes System deutlich spielerfreundlicher gewesen. Oft vergehen also mehrere Minuten, bis ihr über die weiteren Schritte benachrichtigt werdet. Außerdem gibt es keinen wirklichen roten Faden, sondern etliche Aufträge, die miteinander verwoben sind und alle irgendwie zum Hauptplot aber auch zur Charakterbildung beitragen. Das möchte ich aber weniger negativ darstellen, da so jede Aufgabe ihre Wichtigkeit besitzt.

Zwischen den ganzen Aufgaben gibt es des Öfteren auch immer wieder längere Cutscenes, die sich mit der Vergangenheit von Deacon und seiner Frau Sarah beschäftigen. Diese spielen sowohl vor dem Ausbruch als auch kurz danach und stellen dem Spieler die Beziehung der beiden Charaktere dar.

Neben den Missionen, die sich schwer in Haupt- und Nebenmission einteilen lassen, gibt es auch viele kleinere Aktivitäten. Dazu gehören beispielsweise das Räumen von Zonen, die durch die Krankheit infiziert sind und in denen die Freaker ihre Nester gebaut haben. Die kleinen Nester können durch Molotovs zerstört werden, wobei jedes Mal Gegner aus diesen hervorkommen. Zwischen drei und fünf von diesen Nestern müsst ihr vernichten, um ein Gebiet von der Seuche zu befreien. Des Weiten könnt ihr Outposts von Nero, einer fiktiven Organisation im Spiel, erkunden und Spritzen finden, die permanent euren Fokus, die Gesundheit oder Ausdauer erhöhen. Natürlich spaziert ihr dort nicht einfach rein. Vielmehr muss vorher die Station erst einmal geöffnet werden. Dafür fehlt in einem Generator, der für die Stromversorgung des Lagers zuständig ist, Benzin. Ein Kanister mit eben diesem muss also gefunden werden und schließlich in den Generator gefüllt werden. Aber Achtung: Sobald die Station wieder mit Strom versorgt wird, werden auch die Lautsprecher wieder aktiviert und geben laute Geräusche von sich, was wiederum Gegner anlockt. Es lohnt sich also vorher alle Lautsprecher zu sabotieren, um so unbehelligt dem Looten nachzugehen.

Außerdem zeigt die große Karte von Days Gone auch immer wieder Fragezeichen. Diese weisen auf neue Ereignisse und kleinere Missionen hin. So findet ihr beispielsweise ein herrenloses Motorrad am Wegrand und geht mit Hilfe der Survival-Sicht, ähnlich des Witcher Senses aus The Witcher 3, Spuren nach. Dabei kann es vorkommen, dass ihr in einen Hinterhalt gelockt werdet oder aber die Fallensteller überrascht und deren Camp findet. Werdet ihr allerdings von ihnen gefangen müsst ihr aus einer Zelle entkommen, eure Waffen wiederbeschaffen und könnt euch gleichzeitig an den Gegnern rächen.

In Deacons Arsenal befinden sich Primär-, Sekundär- und Spezialwaffen sowie verschiedenen Wurfgegenstände wie Molotovs, Granaten, aber auch Nahkampfwaffen stehen zur Verfügung. Diese nutzen sich mit jedem Schlag etwas ab und müssen daher regelmäßig gegen neue ausgetauscht werden. Sie sind aber vielzählig in der Spielwelt zu finden. Im späteren Spielverlauf könnt ihr im Skillbaum außerdem die Option freischalten, die Waffen mit Materialien wieder zu reparieren. Zerbricht die Waffe dann doch, habt ihr jedoch immer das Messer zur Verfügung, was recht schwach, dafür aber unzerstörbar ist.

Seid ihr des Kampfes überdrüssig oder einfach den zahlreichen Feinden überlegen, kann vor den meisten auf dem Motorrad geflüchtet werden. Runners, die infizierten Wölfe, sind aber so schnell, dass sie mit der Geschwindigkeit des Motorrads standhalten können. Dafür habt ihr wiederum die Option, mit eurer Sekundärwaffe vom Fahrzeug aus auf sie zu schießen. Dies ist auch bei Verfolgungsjagden äußerst nützlich. Habt ihr keine Munition mehr, könnt ihr die Gegner beispielsweise auch rammen, was dann bei Motorradverfolgungen nützlich ist.

Die bereits genannten Fähigkeiten finden sich ferner in drei Kategorien. Im Survival -Pfad könnt ihr beispielsweise freischalten, mehr Pflanzen oder Fleisch von Tieren zu bekommen, längere Zeit in der Survival-Vision zu bleiben oder schneller Ausdauer zu regenerieren. Die Fernkampffähigkeiten beinhalten zum Beispiel das Senken des Rückstoßes der Schusswaffen oder das Freischalten eines Fokus-Modus, der per Knopfdruck während des Zielens aktiviert werden kann und eine Slow Motion aktiviert. Insgesamt gibt es pro Pfad fünf verschiedene Stufen mit je vier Skills. Die nötigen Erfahrungspunkte bekommt ihr durch das Töten von Gegnern oder Abschließen von Missionen.

Das Spiel bietet einige verschiedene Gegnertypen, wie die Swarmer, welche die häufigsten Monster sind, die ihr treffen werdet. Daneben finden sich noch die Newt, eine Art „Kinder-Zombies“, die euch eher aus dem Weg gehen. Kommt ihr ihnen aber zu nah, greifen auch sie an. Auch menschliche Gegner in Form von Nahkämpfern und Fernkämpfern sind vertreten.

Beim Kampf gegen die menschlichen Gegner lohnt sich das Schleichen immens. Mit Ferngläsern könnt ihr diese markieren, sodass sie stets sichtbar sind. Steinewerfen hilft euch, Feinde abzulenken, Fallen wiederum schalten Gegner aus und lockern weitere an diese Stelle. Schleicht ihr euch von hinten an die Feinde an, könnt ihr sie per Knopfdruck auch direkt eliminieren. Kommt es dann doch mal zum Schusswechsel, ist es wichtig, immer in Deckung zu gehen, da Deacon nur wenige Treffer aushält. Vielfach wird in diesem Punkt die Schwerfälligkeit des Gameplays und Gunplays kritisiert. Ich hatte hier weniger Probleme und denke, dass bewusst auf eine Art Realismus gesetzt wurde. Deacon ist weder Supersoldat noch Killermaschine. Zwar hat er in einer Berg-Division der US Army gedient, Superkräfte hat er aber nicht. Daher passen Ungenauigkeit der Waffen, der saftige Rückstoss und das Wackeln beim Zielen sehr gut in die Welt von Days Gone.

Euer Bike ist übrigens auch ein weiterer wichtiger Aspekt des Spiels und das Hauptfortbewegungsmittel. Autos oder andere Fahrzeuge gibt es zwar, allerdings können diese nicht gefahren werden. Während der Reise wird es häufig vorkommen, dass euer Motorrad beschädigt wird. Mit Hilfe von Schrottteilen müsst ihr es dann reparieren. Auch diese finden sich zahlreich in der offenen Welt. Auch sollte auf den Tank geachtet werden. Es gibt im Spiel wenig nervigere Momente als auf eine der riesigen, unheimlichen Horden zu treffen und dann nicht genug Sprit zum Entkommen zu haben. Beim Mechaniker oder durch Benzinkanister könnt ihr den Tank daher jederzeit auffüllen. Der Mechaniker bietet euch zudem die Möglichkeit, das Gefährt hinsichtlich verschiedener Komponenten zu verbessern, die dann Nitro freischalten oder den Benzinverbrauch senken und die Geschwindigkeit erhöhen. Auch das Aussehen kann verändert werden. Spezielle Muster werden durch das Abschließen von Missionen freigeschaltet.



Technisch war Days Gone zu Release eine Katastrophe. Viele Bugs und Abstürze haben den Spielspaß deutlich gemindert. Nach mittlerweile neun Patches habe ich keinen schwerwiegenden Bug mehr gefunden und auch Abstürze waren nicht vorhanden. Graphisch war und ist der Titel eine wahre Augenweide, selbst auf einer Launch-PlayStation. Hier hat Sony Bend gute Arbeit geleistet. Vor allem die Charaktermodelle können mit vielen Details herausstechen. Auch was den Sound betrifft kann man bei Days Gone nicht meckern. Das Theme, welches im Hauptmenü und auch während des Spieles vernehmbar ist, weckt ein melancholisches Gefühl, das zur Endzeit-Stimmung vom Spiel hervorragend passt. Pistolen, Umgebung und Zombies geben realistische Soundeffekte von sich, die weiterhin der Atmosphäre zuträglich sind. Besonders hervorheben möchte ich zum Schluss die herausstechende Leistung von Sam Witwer (bspw. Darth Maul der Clone Wars Serie) als Deacon. Vor allem in den Selbstgesprächen profitiert der Charakter von der überzeugenden Darstellung seines Sprechers. Aber auch Sarah (gesprochen von Courtnee Draper bekannt bspw. als Elizabeth aus BioShock Infinite) und die vielen Nebencharaktere können mit überzeugenden Sprechern aufwarten.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Story
8
Technik
6
Musik
7
Lokalisation
9
Graphik
9
Lucas Rau
Fan von japanischen Rollenspielen sowie Adventures, gelegentlicher Pen & Paper-Spieler und ein Spitzenkoch.

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