Test – Deponia Doomsday

Es gibt Titel, die werden bereits über ein Jahr vor Release auf Presse-Events vorgestellt und […]

Es gibt Titel, die werden bereits über ein Jahr vor Release auf Presse-Events vorgestellt und es gibt solche Titel wie Deponia Doomsday, von dessen Release die meisten wohl erst vergangene Woche gehört haben werden. Still und heimlich hat das Team rund um Jan „Poki“ Müller-Michaelis einen neuen Teil der eigentlich abgeschlossenen Reihe geschaffen, auch um sich ein bisschen mit den Fans zu versöhnen, die über das Ende von Goodbye Deponia nicht wirklich glücklich waren. Nun kann man sagen: Held Rufus ist zurück und sein Abenteuer ist größer als alles, was davor lag. Wir haben uns angeguckt, ob auch das vierte Deponia noch zu überzeugen weiß.

Anders als die klassische Deponia-Trilogie ist Doomsday eher eine Art Nebengeschichte, die in die bestehende Story eingeflochten wurde, statt ein Pre- oder Sequel im klassischen Sinne. Die Geschichte beginnt einige Jahre in der Zukunft auf dem mittlerweile eingefrorenen Schrottplaneten Deponia. Für Neulinge der Reihe sei kurz gesagt: Auf dem angeblich unbewohnten Planeten wurden überall Sprengtürme installiert um die Arche der oberen Gesellschaftschicht, Elysium, mit einer Explosionswelle aus dem Orbit zu schleudern. Durch die Ereignisse der Deponia-Trilogie ist es dem Deponianer Rufus und seiner elysianischen Begleiterin Goal gelungen, die Sprengung zu verhindern. Wir übernehmen die Kontrolle über unseren Helden und leiten nun die Explosion selbst ein. Als Deponia schließlich explodiert, erwacht Rufus in seiner Heimatstadt Kuvaq aus diesem prophetischen Albtraum.

Urknall: Rufus verhindert die Zukunft zu verändern, in der er Deponia sprengt.

Und täglich grüßt das Schnabeltier

Kenner der Serie werden gleich merken, dass die Ereignisse hier noch vor dem Geschehen des ersten Teils liegt. Rufus ist noch glücklich mit Toni zusammen und die beiden planen mit einem Ballon nach Elysium zu flüchten. Dass ihr Planet gesprengt werden soll, ahnen beide noch nicht. Die ganze Geschichte beginnt damit, dass der Zeitreisende McChronicle mit seinem Zeitmaschine-Auto Tonis Kristallgläser-Sammlung über den Haufen fährt. Klar, hier muss dringend die Vergangenheit korrigiert werden und so reisen die beiden ein paar Minuten in die Vergangenheit. Rufus merkt, dass er durch Metall- und Strohimplantate im Kopf befähigt ist, sich an zukünftige Ereignisse zu erinnern und so beginnt eine Reise durch die Zeit, bei der auf eine Katastrophe eine noch viel größere folgt.

Partner wider Willen: Mit McChronicle steht Rufus ein neuer Begleiter zur Seite.

Deponia Doomsday bietet von allem, was die Serie ausmacht, ein wenig mehr: mehr Schauplätze, mehr Charaktere und vor allem viel, viel mehr dumme Einfälle von Berufstollpatsch Rufus. Dabei wird bis auf ein oder zwei Locations überraschend wenig recyclet und alles wirkt frisch und neu. Im Übrigen schafft es Rufus nun auch zum ersten Mal bis nach Elysium und trifft dort unter anderem auf Goal und ihren Verlobten Cletus, bevor diese überhaupt ihre Expeditionsreise nach Deponia angetreten haben. Wie man es von unserem „Helden“ nicht anders erwarten würde, liegt die Arche wenig später in Schutt und Asche und im Endeffekt endet alles in einer Verfolgungsjagd durch Zeit und Raum, in der Rufus und McChronicle den Schaden, den sie selbst verursacht haben, wieder auszubügeln.

Endlich auf Elysium: Leider währt die Freude darüber anfangs nur kurz.

Altbewährtes bleibt

Wie bei den meisten Point ’n‘ Click-Adventures, erfindet auch Deponia Doomsday das Rad nicht wirklich neu, es bietet aber eine Reihe sehr verquerer Rätsel, die es zu lösen gilt. Häufig ist der einzige Ausweg, alle Gegenstände miteinander zu kombinieren, bis sich plötzlich die Lösung offenbart. Hinzu kommt aber glücklicherweise die Tatsache, dass der Titel zwar quer durch die Zeit springt, in seinem Verlauf aber stets linear bleibt. Anders als zum Beispiel bei Day of the Tentacle muss man kaum Gegenstände durch die Zeit schicken, damit man an anderer Stelle weiterkommt. Stattdessen gibt es klar definierte Kapitel, die häufig in einer Zeitschleife enden, der es zu entkommen gilt. Einige Male wird die Zeit zurückgespult und Rufus verliert dabei jeglichen Fortschritt. Diese unfreiwilligen Zeitsprünge passieren mehrfach im Spiel und führen dazu, dass die Spielzeit um ein oder zwei Stunden gestreckt wird, ohne dass etwas Neues passiert. Alles in allem wirkt das Spiel jedoch straff mit größerem Fokus auf Action und so treten immer wieder Passagen mit Zeitlimit oder „Clicktime Events“ auf.


In der sogenannten „Zwischenzeit“ ging die Zukunft verloren.

Grafisch gibt es genretypisch eigentlich kaum etwas zu meckern. Die Animationen sind flüssig, es gibt zahlreiche Cutscenes. Der Dreh- und Angelpunkt für ein gutes Adventure bleibt aber natürlich das Writing und es ist wieder großartig absurd und selbstironisch. Der Humor ist die meiste Zeit auf den Punkt gebracht: Von Konjunktiv bis Futur II weiß Deponia in allen Lebenslagen mit der Komplexität der deutschen Sprache zu brillieren und Seitenhiebe auf andere Adventures kommen nicht zu kurz. Zwar gibt es auch eine englische Sprachausgabe, doch wer wirklich das ultimative Poki-Erlebnis haben möchte, der spielt selbstverständlich auf Deutsch. Monty Arnold ist die Rolle des Rufus auf den Leib geschneidert und er liefert, wie auch die Sprecher der anderen Hauptpersonen, abermals einen hervorragenden Job. Als einziger Kritikpunkt wäre vielleicht zu nennen, dass sich einige Textpassagen, ob mit oder ohne Zeitschleife, recht häufig wiederholen.

 

Fewlock-Alarm: Grässliche Humanoide haben die Welt von Deponia überflutet.

Fazit

Ist Deponia Doomsday nun also tatsächlich das Ende, was sich viele Fans gewünscht haben? Die Frage muss vermutlich jeder für sich selbst beantworten, doch wer bereits an der ursprünglichen Trilogie seinen Spaß hatte, der wird hier definitiv nicht enttäuscht. Einige Charaktere von „früher“ trifft man auf der Reise wieder. Auch das Element der Zeitreise wurde gut umgesetzt und so gibt es zwar keine unterschiedlichen Handlungsstränge oder alternative Enden wie bei Steins;Gate, aber diesen Anspruch hat der Titel auch gar nicht. Netterweise sind aber auch Neulinge willkommen, denn der Großteil der Handlung ist eigenständig und bedarf keiner Vorkenntnisse. Daedalic läuft erneut zur Höchstform auf und wer sich von absurder Logik nicht abschrecken lässt, der sollte sich Rufus‘ neuestes Abenteuer nicht entgehen lassen.

Deponia Doomsday erscheint zunächst nur digital bei Steam und als Beilage der Computer Bild Spiele, aber sowohl eine echte Box-Version als auch eine Konsolenversion sollen bald folgen.

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