Test – Destiny 2

Das originale Destiny musste sich von Presse und Spielern viel Kritik anhören. Hat Bungie zugehört und die ultimative Destiny-Erfahrung geschaffen?

Bungies Destiny wurde 2014 als die MMO-Shooter-Erfahrung angepriesen und schließlich mit viel Hype im Gepäck veröffentlicht. Leider zeigte sich damals nur ein mittelmäßiger Titel, dem es an einer guten Geschichte und Inhalt fehlte. Mit Destiny 2 möchten die ehemaligen Halo-Entwickler nun zeigen, was sie durch den Vorgänger gelernt haben. Ist ihnen diesmal ein genreweisender Titel gelungen?

Erstellt einen neuen Charakter oder übernehmt Euren alten aus Teil Eins.

Ein großer Kritikpunkt im Vorgänger war die schlechte und einfallslose Story. In Destiny 2 ist diese zwar nicht weniger einfallslos, aber dafür deutlich besser und interessanter inszeniert. Euer Ziel ist es die drei Hüter Commander Zavala, Cayde-6 und Ikora zu finden, um mit ihnen zusammen den Turm von Bösewicht Ghaul zurückzuerobern. Dieser hat nämlich zu Beginn des Spiels das Hauptquartier der Menschen auf der Erde angegriffen, den Hütern das Licht gestohlen und den Reisenden unter seine Kontrolle gebracht. Neu und sonderlich stark ist die Prämisse nicht, dennoch schafft es das Spiel die Geschichte gut zu vermitteln und keine Langeweile aufkommen zu lassen. Die komödiantische Dynamik zwischen den Charakteren ist in meinen Augen ein großer Pluspunkt. Zwar wird eine ernste Geschichte erzählt, doch die teils an eine Komödie erinnernden Dialoge verleihen dem Titel eine Art Action-Comedy-Feeling. Dazu tragen natürlich vor allem die Synchronsprecher einen großen Anteil. Im Original finden wir Lance Reddick als Commander Zavala und Nathan Fillion als Cayde-6. Diese sind hervorragend und machen die kurzen Zwischensequenzen umso sehenswerter. Auch das Problem mit den Grimoire-Einträgen aus Teil 1 gibt es glücklicherweise nicht mehr. Interessante Lore findet sich nun im Spiel und kann mit Hilfe des Ghosts analysiert werden. Dafür findet ihr an gewissen Orten rechts oben am Bildschirm ein kleines Ghost-Symbol. Öffnet ihr den Navigator dann zeigt der kleine Helfer in die passende Richtung. Diese kleinen Lore-Fetzen zu sammeln ist zwar nicht äußerst relevant, gibt aber interessante Hintergrundinformationen.

Graphisch ist der Titel sehr schön anzuschauen und muss sich hinter anderen Genregrößen nicht verstecken

Um Ghaul letztlich zu stürzen, müsst ihr der Haupthandlung folgen. Dafür bekommt ihr eine kleine Anzahl an Missionen, die ihr in rund 6-8 Stunden abgearbeitet habt. Mal müsst ihr Codes stehlen, mal eine Station angreifen oder einen Verbündeten finden. Im Prinzip heißt das aber nur, dass ihr euch durch eine Horde von Gegnern schießt, um die Mission abzuschließen. Viel Abwechslung werdet ihr dabei leider nicht finden. Für einige ein Totschlagargument, für andere die Offenbarung. Warum? Das Gameplay ist perfekt. Selten hat ein First-Person-Shooter für so viel Laune gesorgt. Die Waffen fühlen sich spektakulär an, die Steuerung ist optimiert und muss sich auch vor einem Call of Duty nicht verstecken. Dazu trägt natürlich auch die Online-Welt bei. Ihr seid jederzeit mit den Bungie-Servern verbunden und trefft auf andere Hüter, die gerade ihren eigene Zielen nachgehen. Dabei können die spannendsten Situationen zu Stande kommen. Hervorzuheben sind hier vor allem die öffentlichen Events. Diese finden auf jedem Planeten verstreut in den verschiedenen Bereichen statt. Ungefähr alle fünf bis zehn Minuten können sie gestartet werden. Wie viele der Team-Aktivitäten gehören sie zu den spaßigsten Momenten im Spiel. Nicht selten kam es vor, dass ich während einer Mission durch einen sich verdunkelnden Himmel abgelenkt wurde und plötzlich in Mitten einer Schlacht von dutzenden Gegnern und vier anderen Spielern stand. Gerade diese Momente zeichnen Destiny 2 aus.

Die Public Events finden sich auf allen Planeten verstreut und können über eine Fahne gestartet werden

Neben den Einzelspieler-Missionen gibt es natürlich auch die Mehrspieler-Aktivitäten. Dazu gehört beispielsweise der PvP-Modus. Im Schmelztiegel tretet ihr gegen andere Hüter an. In verschiedenen Modi (die man seltsamerweise nicht selbst auswählen kann) gilt es im 4 vs. 4 gegeneinander anzutreten. Modi wie das klassische Team Deathmatch oder die Verteidigung von Punkten bringen weitere Stunden fürs Spaßkonto. Darüber hinaus bieten euch die Verlorenen Sektoren eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit. Auf allen Planeten finden sich bei genauerem Hinschauen Markierungen an gewissen Stellen. Diese deuten auf versteckte Bereiche hin. Erkundet ihr diese und tötet die Gegner und am Ende einen Miniboss, warten dort gute Belohnungen auf euch. Alle Nebenaktivitäten sind durchaus recht unterhaltsam, laufen aber immer nach Schema F ab. Tötet Anzahl X, begebt euch zu Punkt Y und tötet Gegner Z. Selten gehen die Nebenmissionen darüber hinaus. Das spiegelt sich vor allem im Endgame wieder. Das Grinden ist sehr lästig und vor allem zeitaufwändig. Zwar gibt es den Leviathan-Raid, einige Strikes und den PvP-Modus, aber dies nutzt sich schon nach wenigen Stunden ab. Eine Langzeitmotivation wie es die gängigen MMOs haben, finden sich bei Destiny 2 in dieser Form nicht.

Bei eurem Mentor könnt ihr drei sich wöchentlich ändernde Hauptmissionen noch einmal nachspielen. Wieso es nur drei Stück sind und nicht alle jederzeit wiederholt werden können ist mir ein Rätsel. Ebenso, dass sich im Schmelztiegel die PvP-Modi nicht mehr einzeln auswählen lassen, sondern zufällig gewählt werden. Das gleiche ebenfalls bei den Drei-Mann-Strikes. Auch dort wird sich in einer Liste eingetragen und zufällig der Strike ausgesucht. Meiner Meinung nach ein großer Rückschritt.

Das Grinden im Endgame kann sehr lästig werden. Aber irgendwann die guten exotischen Waffen oder Rüstungen zu haben spornt an

Gefällt euch das Spielprinzip aber, könnt ihr natürlich weitere Charaktere der drei unterschiedlichen Klassen hochleveln. Diese sind übrigens immer noch gleich. Noch immer gibt es den Titan, den Jäger und den Warlock. Auch die Rassen wurden nicht verändert. Lediglich Mensch, Exo und Erwachte können gewählt werden. Bungie hat sich tatsächlich nicht mal die Mühe gemacht, das Interface der Charaktererstellung zu ändern. Leider sieht es 1:1 gleich aus wie im Vorgänger. Und nicht nur dort wurde kopiert. Euer Menü, Gegnertypen, deren Animation sowie ganze Gebiete und deren Assets wurden einfach aus Destiny übernommen.

Verändert wurde aber das Verbessern der Waffen. Wollt ihr zum Beispiel eine Pulse Rifle verbessern, braucht ihr dazu eine andere Pulse Rifle. Dabei ist es egal ob diese im Primär- oder Sekundärslot liegt, lediglich der Typ muss gleich sein. Das ist vor allem dann nervend wenn ihr einfach keinen der benötigten Waffentypen findet und daher noch mehr Zeit aufwenden müsst. Dafür ist die neu eingeführte Clan-Mechanik wiederum eine gute Entscheidung. Tretet ihr einem Clan bei, könnt ihr durch verschiedene Aktivitäten wie Raids, Public Events, Strikes und mehr Erfahrungspunkte für den Clan-Rang verdienen, der euch für die Stufen unterschiedliche Belohnungen gibt. Dabei liegt das wöchentliche Limit pro Spieler bei 5000 Erfahrungspunkten, die bei regelmäßigen Spielen recht zügig erreicht sind.

Die Hauptmissionen lassen euch alle Planeten erkunden und sorgen für wenigsten sechs Stunden Unterhaltung

Letztlich ist Destiny 2 ein großer Schritt nach vorne und bietet Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger. Es wirkt fertiger, durchdachter, schlichtweg besser. Bungie hat aus den Fehlern des ersten Teiles gelernt und aufbauend darauf beispielsweise die Story leicht verbessert. Dennoch sind einige Schwächen zu finden. Die Hauptmissionen sind insgesamt sehr kurz. Mehr als sechs bis acht Stunden werdet ihr nicht beschäftigt sein. Dafür macht es aber verdammt viel Spaß. Wer also einen Action-Shooter für ein paar Stunden Unterhaltung sucht, ist bei Destiny 2 genau richtig. Mit Freunden holt ihr vermutlich noch einiges mehr an Spielzeit raus. Fans des Looten und Leveln werden bis zu einem gewissen Punkt voll auf ihre Kosten kommen. Und wer schließlich alle Missionen absolviert und das beste Equipment gefarmt hat, kann sich in den Schmelztiegel stürzen, um andere Spieler im PvP zu besiegen.

Fazit

Um auf die Einstiegsfrage des Testes zurückzukommen: Hat Bungie denn mit Destiny 2 nun einen genreweisenden Titel veröffentlicht?
Nun ja, auf den ersten Blick macht Destiny 2 nicht viel neu. Das fängt bei den Klassen und Rassen an, zieht sich weiter über die Menüs und sogar Texturen sind direkt aus dem Vorgänger übernommen. Tatsächlich findet man auch auf den zweiten Blick nicht viel neues. Es gibt neue Missionstypen, anderes Equipment, weitere Planeten und natürlich eine komplett neue Geschichte. Das hat zur Folge, dass sich das Gesamtpaket von Destiny 2 für mich nicht nach einem neuen Spiel anfühlt, sondern eher wie ein überdimensionaler DLC. Dennoch ist der Titel deutlich besser als der Vorgänger und macht vor allem richtig Spaß. Und irgendwie ist das doch die Hauptsache. Ob sich das nun lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil wurde gut unterhalten und kann ihn allen Freunden des ersten Teils empfehlen. Sucht ihr allerdings eine gute, fesselnde, aufwändig inszenierte Einzelspieler-Geschichte, seid ihr bei Destiny 2 fehl am Platz. Übrigens wurde vor wenigen Tagen mit "Der Fluch des Osiris" die erste herunterladbare Erweiterung angekündigt. Neuer Content sollte also in einigen Wochen verfügbar sein. Für den Season-Pass zahlt ihr dann allerdings nochmal stolze 34,99 Euro.
Positiv
  • Unterhaltsame und kurzweilige Geschichte…
  • Optimiertes Gameplay/Gunplay
  • Viele unterschiedliche Missionen…
  • Im Multiplayer eine wahre Freude
Negativ
  • … die aber verbesserungswürdig ist
  • Zu wenig Endgame-Content
  • … die eigentlich alle gleich sind
  • Style over Substance
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Kommentare
Stephan 22. September 2017 um 12:13 Uhr

Wie immer scheiß Test und alles nur von Playm geklaut.

    Jan Markus Mäuer 22. September 2017 um 14:44 Uhr

    Hi Stephan, Jan von Gamondo hier. Schade, dass dir der Test nicht gefallen hat. Gleichzeitig bitte ich aber darum zu bedenken, dass ein Test immer die persönliche Meinung eines Rezensenten wiederspiegelt und wenn du dieser nicht zustimmst, das eher eine Meinungsverschiedenheit als ein inhaltliches Problem ist. Wenn du jedoch inhaltliche Anmerkungen hast, sind wir, da spreche ich sicherlich für alle hier, für konstruktive Kritik immer offen.
    Dass etwas am Test von Playm „geklaut“ wurde, kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Tatsächlich scheinen da die Meinungen übers Spiel sogar eher etwas auseinanderzugehen…