Test – Deus Ex Mankind Divided

Adam Jensen ist zurück! Wir verraten euch im Test wie sich Deus Ex Mankind Divided schlägt.

Wir schreiben das Jahr 2029. Nach den Geschehnissen aus dem Vorgänger Deus Ex: Human Revolution ist die Welt gespalten. Wer den Vorgänger nicht gespielt hat und es auch nicht möchte, kann sich ein von Square Enix bereitgestelltes 12 Minuten langes Zusammenfassungsvideo anschauen. Dies wird in dem Fall auch dringend empfohlen, knüpft die Story doch direkt an diese Ereignisse an. Augmentierte, auch Augs oder Optis genannt, Menschen mit mechanischen und sehr leistungsfähigen Prothesen, werden ausgestoßen, in Ghettos gepfercht und wie Aussätzige behandelt. Das Leben, wie es einmal war, existiert nicht mehr. Die Euphorie, die einst über diese technischen Errungenschaften herrschte, gehört längst der Vergangenheit an.

Adam Jensen, Protagonist der Deus Ex-Titel von Eidos Montreal, arbeitet mittlerweile für Interpol. In ersten Gesprächen erfahren wir, dass er tatsächlich der einzige Augmentierte zu sein scheint, der dort im aktiven Dienst arbeitet. Generell ist der Arbeitsmarkt rar, eine Dame erzählt uns im Laufe des Spiels beispielsweise, dass es eine einzige Firma gab die Augs einstellt und zum Dank erhielt der Chef der Firma Todesdrohungen. Schöne neue Welt!

Erste Einsatzbesprechung, vorne rechts – Adam Jensen

Das Spiel schafft es, diese Atmosphäre gelungen einzufangen. So laufen wir als Adam Jensen durch die Straßen Prags und erleben die Trennung am eigenen Leib. Ständig werden wir nach unseren Papieren gefragt, während Nicht-Augmentierte gemütlich vorbei schlendern. Im Hintergrund tauchen immer wieder Szenen der Unterdrückung auf, so wird ein Mann gefesselt und gedemütigt, nur weil er keine Papiere vorzuweisen hat. Man fügt sich, ordnet sich unter, steigt brav in den hinteren Wagon der U-Bahn ein, nicht in den vorderen, dort dürfen nämlich nur „Natürliche“ rein. Versuchen wir es, werden wir nach der Fahrt eindrücklich auf unseren Fehler hingewiesen und dürfen erneut unsere Papiere vorzeigen. Um dieser unliebsamen Störung zu entgehen, steigen wir künftig in den hinteren Wagon ein, zu den anderen Augs.

Papiere bitte!

Generell reagieren die Passanten auf die Geschehnisse um sie herum, kommentieren laufende Ereignisse oder verfallen in Panik, wenn in ihrer Gegenwart geschossen wird. Etwas ernüchternd hingegen ist die Reaktion der Bewohner bei einem Einbruch. Oft stehen die Leute munter daneben während Adam die Wohnung leer räumt und sich in ihre Computer hackt. An diesen Stellen wirkt die sonst so detailverliebte Welt recht leblos.

Das Hacken selber funktioniert ähnlich wie im Vorgänger.

Die Spielmechanik selber ist recht solide. Wir können uns entscheiden unsere Gegner leise auszuschalten, sie zu umgehen oder sie ganz brachial über den Haufen zu schießen. Letzteres funktioniert einfacher als noch beim Vorgänger, dennoch verpasst man einen Teil der Spielatmosphäre, wenn man sich seinen Weg nur mit Waffengewalt bahnt. Beim Schleichen möchte einem das Spiel ein wenig an die Hand nehmen und zeigt im entsprechenden Modus immer an, welche Möglichkeiten es gerade gibt und welche Knöpfe dafür zu drücken sind. Letzteres wirkt bisweilen ein wenig deplatziert und es wäre schön, gäbe es eine Option diesen Hinweis auszuschalten.

Der Rollenspielaspekt besteht aus dem Aufrüsten und Aufwerten der Augmentierungen. Durch Abschließen von Missionen, dem Hacken von Terminals oder auch nur durch das Entdecken von Schleichwegen bekommt der Spieler Erfahrungspunkte. Mit jedem vollen Satz erhält man einen „Praxis“-Punkt, der, bei ausreichender Menge, neue Eigenschaften und Fähigkeiten freischaltet. So können wir beispielsweise das Ikarus-Landesystem aktivieren, das es ermöglicht, aus großer Höhe zu springen ohne sich zu verletzen.

Die vielen Nebenmissionen können durch das Durchstreifen der Stadt entdeckt werden. Oftmals ist es jedoch dem Spielgeschehen zuträglich diese zu erfüllen, können sie zum Beispiel dafür sorgen, dass ein vormals blockierter Weg nun frei ist und eine Hauptmission auf diese Weise leichter erreicht werden kann. Dem Spieler wird also auch hier die Wahl des Vorgehens gelassen und es ist nicht immer einfach sich zu entscheiden!

Wie schon der Vorgänger lebt das Spiel von den Entscheidungen, die der Spieler trifft. Moralische Zwickmühlen, deren Ausgang nicht immer direkt ersichtlich sind. Diese werden über ein Dialogfeld auf dem Bildschirm angezeigt, wie auch bei normalen Gesprächen, sofern wir eine Entscheidung treffen können oder einfach nur versuchen, mehr Informationen aus unserem Gegenüber herauszuholen. Das Prinzip funktioniert auch ziemlich gut und überzeugt durchweg durch die grundsolide Synchronisation. Die deutschen Sprecher machen hierbei wieder einen ziemlich guten Job.

Die Optik selber erinnert stark an Human Revolution, Spieler dieses Teils werden sich direkt heimisch fühlen. Aber dennoch sieht es wesentlich besser aus und lässt einen schnell in die Cyberpunkwelt eintauchen.

Schöne Aussicht mit Lichtreflexen.

Fazit

Wer schon Human Revolution mochte, wird um Deus Ex: Mankind Divided nicht herum kommen. Auch Neueinsteiger der Serie können bedenkenlos zugreifen, denn das kurze Einführungsvideo verschafft zumindest einen groben Überblick über die vorangegangenen Ereignisse, wenn sich auch das Spielen des Vorgängers durchaus lohnt! Das Spiel bietet sehr viele Stunden Spielspaß, in denen geschlichen, gehackt und erkundet werden darf. Freunde der Stealth Action werden hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Der Rollenspielaspekt ist nicht allzu stark gewichtet, macht jedoch von dem, was er bietet, ebenfalls einen guten Eindruck. Wer nun also Lust hat in ein dystopisches Prag im Jahr 2029 einzutauchen, dem sei dieser Titel nur wärmstens empfohlen.

Getestet wurde die PlayStation 4 Version.

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