Test – Diaries of a Spaceport Janitor

Müllsammeln auf einem verrückten Weltraumhafen – Geht das ausgefallene Konzept auf?

Mittlerweile erscheinen täglich bis zu ein Dutzend neue Titel auf Steam. Natürlich befindet sich darunter einiges an Müll, aber kaum eines der Spiele hat wohl Müll als zentrales Thema wie Diaries of a Spaceport Janitor von Sundae Month. In dem, wie die Entwickler es nennen, „Anti-Adventure“ kümmern wir uns darum, dass der Weltraumhafen auf Xabran’s Rock sauberbleibt. Wir haben uns die Gummihandschuhe angezogen und uns den Titel näher angeguckt.

Titel wie Diaries of a Spaceport Janitor leben von ihrer Schrulligkeit, was man sehr schnell auch bei den Namen verschiedener Orte und Personen merkt, die manchmal kaum mehr eine Aneinanderreihungen von Lauten sind. Auch mit den verschiedenen Arten von Müll, den wir als namenloser Hausmeister-Bot auflesen, können wir erstmal nicht viel anfangen. Könnte Gegenstand X viel wert sein und kann man den kurzen Itembeschreibungen wirklich trauen? Sicherlich ist es stellenweise nicht leicht den Überblick zu behalten, aber genau das ist vermutlich auch gewollt und man fühlt sich sprichwörtlich wie auf einem anderen Stern. Hilfsmittel wie ein Questlog, Wegweiser und farblich gekennzeichnete Distrikte helfen sehr bei der Orientierung, sodass dennoch kein wirklicher Frust aufkommt.

Unser erster Tag im Spiel beginnt schon ziemlich katastrophal. Auf Grund von verheißungsvollen Schätzen unterhalb der Stadt begeben wir uns in die Kanalisation, nur um uns dort einen Fluch einzufangen. Fortan begleitet uns ein fliegender und schreiender Totenkopf auf Schritt und Tritt. Als wäre unser Leben nicht schon schlimm genug, denn tagein und tagaus sammeln wir den Müll anderer ein, um ihn gegen lächerlich wenig Geld zu verbrennen oder für uns selbst zu behalten. Auch unsere Wohnung ist eine bescheidene Bruchbude und hin und wieder sind wir froh, wenn wir auf der Straße etwas zu Essen finden, was noch nicht gänzlich vergammelt ist. Um den Schädel wieder loszuwerden, müssen wir in klassischer Adventure-Manier drei Prüfungen bestehen, die uns quer durch den Weltraumhafen von Xabran’s Rock führen. Der eigentliche Spielzyklus bleibt aber stets gleich: Arbeiten, Essen, Schlafen, denn nur so können wir die Energie für den eingebauten Müllverbrenner auffüllen. Ein wichtiger Aspekt ist auch noch, dass die Nacht tatsächlich endlos weiterläuft bis man wohlgenährt ins Bett geht. Vorher dürfen wir jedoch noch das namensgebende Tagebuch führen und den Tag und die Erlebnisse auf unsere Art Revue passieren lassen. Die Uhren auf Xabran’s Rock ticken halt ein wenig anderes und es verwundert wenig, dass die Woche dort neun statt sieben Tage hat, jeder davon einer der örtlichen Göttinnen gewidmet.

Neben Geld und Hunger gibt es noch zwei andere Parameter, die es zu beachten gibt, die aber im Spiel selbst nicht direkt erklärt werden. Zum einen gibt es einen Glückswert, den wir steigern können wenn wir Kerzen vor den Statuen der neun Göttinnen platzieren, und einen Wert über unser Wohlbefinden. Hin und wieder wird unser armer Roboter krank, die Sicht und Lesbarkeit schwindet und man muss sich ein „Update“ laden. Gender Change nennt es das Spiel, doch rein äußerlich machen die verschiedenen Optionen keinen Unterschied. Vielleicht also doch nur Placebos? Ein Aspekt, den ich persönlich ein bisschen frustrierend fand, war dass man hin und wieder von Gangstern angepöbelt und ausgeraubt wird, doch bei der Bank gibt es glücklicherweise immer wieder Geld für einen. Sehr gut gefallen hat mir dann wiederum das ganze Basar-System und die dutzenden Stände, die alle kaufbaren Gegenstände in ihrer Auslage präsentiert haben. Doch Obacht: anders als in vielen anderen Titeln kaufen Händler nicht jeden Schrott sondern nur Sachen, die sie auch selbst verkaufen werden. So lohnt es sich zumindest für die häufigsten Fundstücke ein paar Dealer zu kennen.

Vom Gameplay her könnte der Titel kaum einfacher sein. Gesteuert wird wahlweise mit Gamepad oder auch mit Maus und Tastatur. Näheren wir uns einem interessanten Punkt, erscheint eine kleine Sphäre darum und wir können mit Druck auf die Aktionstaste interagieren, doch mehr braucht es im Fall von Diaries of a Spaceport Janitor auch gar nicht. Vielmehr lohnt es sich ein bisschen treiben zu lassen und die schillernde Spielewelt einzusaugen. Wer Titel wie Bernband oder The Real Texas mag, der wird auch hier sicherlich glücklich werden. Von der Präsentation her gibt es eigentlich nichts auszusetzen, vorausgesetzt natürlich man mag die, mit Ausnahme unseres Begleiterschädels, pixeligen 2D-Charaktere in einer 3D-Welt. Nicht ganz selbstironisch lauten die Grafikvoreinstellungen in der Unity-Konfiguration dann auch „Bad“ und „Worse“, doch keine Sorge, im Spiel selber lassen sich auch Dinge wie Anti-Aliasing aktivieren. Es zeigt sich auch, dass das Spiel gar nicht so hässlich ist, wie es tut, und besonders nachts oder an verregneten Tagen, wenn Wasser über den Bildschirm läuft, zeigt sich das atmosphärische Potenzial am besten. Auch in Sachen der Akustik ist das Spiel von ziemlich hoher Qualität mit einem passenden Soundtrack. Jede Woche hat einen Feiertag, an dem verschiedene kleine Bands die Bühnen der Stadt erobern und viele Besucher zu sich locken und oft sind es solche kleinen Dinge, die eine große Wirkung haben.

Fazit

Ob Diaries of a Spaceport Janitor einem Spaß macht, ist wohl eine sehr individuelle Sache. Man muss sich im Klaren sein, dass der Großteil nur aus Herumlaufen, Müllsammeln und Verkaufen besteht, doch die ganze Atmosphäre, die dabei herrscht, und die tolle Präsentation machen es in meinen Augen zu einer runden Sachen. Am Preis wird sich vielleicht der ein oder andere stören, aber gerade wenn die Tage bald wieder kürzer werden, kann man sich super abends mit einem Tee/ Kakao/ Grog ein paar Stündchen in fremde Welten entführen lassen.

Diaries of a Spaceport Janitor ist bei Steam für 9,99 Euro erhältlich, wobei es bis zum 23. September noch 20% Rabatt gibt.

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