Test – Die Säulen der Erde Buch 1: Aus der Asche

Verlag Bastei Lübbe sowie Entwicklerschmiede und Publisher Daedalic Entertainment haben sich zusammengetan um Gamern die Geschichte des Romans Die Säulen der Erde näher zu bringen.

Ken Folletts Roman Die Säulen der Erde erschien bereits 1989 und wurde 2010 in einer deutsch-kanadischen Filmkooperation als Mehrteiler auf den Bildschirm gebracht. Nun versucht sich Daedalic am mittelalterlichen Stoff. Das erste Buch „Aus der Asche“ umfasst sieben Kapitel und ist das erste von Dreien. Buch zwei „Wer den Wind sät“ soll noch dieses Jahr erscheinen. 2018 wird die Geschichte dann mit Buch drei ihr Ende finden. Doch kann die selbstbetitelte Interactive Novel auch überzeugen, wenn man das zugrunde liegende Buch nicht kennt?

Handlungsort ist das mittelalterliche England des 12. Jahrhunderts,  genauer die Grafschaft Shiring. Im ersten Buch übernehmt ihr die Kontrolle von drei Charakteren. Der erste ist Tom Builder, der mit seinen beiden Kindern und Frau Agnes auf dem Weg in die Stadt ist. Auf dem Weg dorthin treffen sie im Wald auf die ausgestoßene Ellen und ihren Sohn Jack. Gemeinsam macht sich die Gruppe auf den Weg nach Shiring, in welcher Tom Arbeit als Steinmetz sucht. Im anderen Teil der Grafschaft steuert ihr den geistlichen Bruder Philip, der im kleinen Örtchen Kingsbridge ankommt und sich mit den Angelegenheiten der Kirche auseinandersetzen muss.

Die Kathedrale in Kingsbridge ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte

Kernpunkt des Spiels ist natürlich die Geschichte. In Telltale-Manier bewegt ihr eure Charaktere in den verschiedenen Gebieten umher, löst kleine Rätsel (wobei diese äußerst simpel sind), müsst Quicktime-Events lösen und lernt nach und nach die anderen Charaktere kennen. Wie es sich für solch ein Adventure gehört, könnt ihr in den Dialogen zum Teile eigene Entscheidungen treffen, teils habt ihr nur begrenzt Zeit dafür. Am Ende jedes Kapitels wird dann ein Fenster mit den jeweiligen Entschlüssen gezeigt. Diese haben entweder bereits im nächsten Kapitel oder erst später kleine oder größere Auswirkungen auf bestimmte Aspekte im Spielverlauf. Richtungsweisend war bisher aber noch keine meiner Entscheidungen. Ob sich dies ändert, kann erst abschließend nach Buch drei gesagt werden. Schätzungsweise wird dies aber nicht der Fall sein. Meist sind die Entscheidungen eher bei den Nebengeschichten zu finden. Beispielsweise habt ihr früh im Spiel die Option einen Charakter zu verpfeifen, weil er stielt. Später erfahrt ihr, dass er des Ortes verwiesen wurde.

Die meisten Entscheidungen sind leider recht belanglos. Vielleicht ändert sich dies in Buch 2

Spielerisch macht Daedalic hier also absolut nichts neu, die Betitelung „Interactive Novel“ trifft es daher auch ziemlich gut. Das ist aber auch nicht schlimm, denn die Story ist hervorragend inszeniert und wird sehr gut erzählt. Einen großen Teil tragen die tollen Sprecher bei. Sowohl die deutsche als auch die englische Synchronisation ist hervorragend. Meine persönliche Empfehlung ist die englische Variante, da der Dialekt des britisch-englischen so natürlich hervortritt. Des Weiteren ist auch die Grafik ausgezeichnet und passt zur dunklen Geschichte. Die handgezeichneten Hintergründe und Figuren erinnern an alte Disney-Filme oder Cartoons. Im Vergleich zu Spielen wie Deponia ist hier eine Art Aquarellstil zu finden, der deutlich düsterer und realistischer gehalten ist. Daedalic gelingt es dadurch die erwachsene Handlung gut wiederzugeben und das Mittelalter so darzustellen wie es war: Dreckig und Brutal. Nachteil ist aber, dass die Gesichtszüge der Charaktere sehr steif sind und Lippensychnronität natürlich gänzlich fehlt. Bei einer Länge (oder Kürze) von knapp drei bis vier Stunden lässt sich das glücklicherweise noch verzeihen.

Der düstere Stil passt zum mittelalterlichen Setting

Generell läuft Die Säulen der Erde zum Großteil technisch fehlerfrei, etwas das man von den Telltale-Titeln meist nicht behaupten kann. Während des Spielens konnte ich keine Bugs feststellen, allerdings wirken bestimmte Animationen ab und zu etwas hakelig. Negativ auffallend sind leider kleine Pausen zwischen den Sätzen während der Dialoge. Die Steuerung mit dem DualShock 4 hingegen ist angenehm umgesetzt und lies mich Maus und Tastatur nicht vermissen. Euer Inventar ist bequem mit dem rechten Analog-Stick auswählbar, euren Charakter bewegt ihr mit dem Linken. Zudem ist es möglich die interessanten Bereiche per L2 zu markieren, über R2 könnt ihr euch zudem schnell fortbewegen, ähnlich dem Doppelklick bei der Maus.

Fazit

Eine Gesamteinschätzung und Wertung des Spiels lässt sich erst machen, sobald alle drei Bücher veröffentlicht wurden und das Spiel als Ganzes vorliegt. Dennoch kann ich bisher sagen, dass die Inszenierung und Erzählung in Kombination mit graphischem Stil sowie Synchronisation ein gutes Gesamtpaket abgeben und mir Lust auf mehr machen. Ich freue mich die Geschichte in Buch 2 weiterzuspielen und den dritten Protagonisten Aliena spielen zu können.
Positiv
  • Viele Entscheidungen...
  • Synchronsprecher hervorragend
  • Stil hübsch
  • Gute Inszenierung und Erzählung
Negativ
  • ...die keine Auswirkungen haben
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