Test – Dragon Age Inquisition: Trespasser

Voller Euphorie berichtete ich vor Kurzem von diesem DLC, dessen Release mit sehr vielen Informationen […]

Voller Euphorie berichtete ich vor Kurzem von diesem DLC, dessen Release mit sehr vielen Informationen gespickt angekündigt wurde. Der Trailer verspricht viel Spannung – emotional und story-technisch (“Why can’t one thing in this fucking world just stay fixed?!”). Ob sich die Ankündigungen und Ansprüche daran gehalten haben, erfahrt ihr in diesem Test.

Der Rat betreibt nahezu Leichenfledderei.

Die offizielle Beschreibung gibt Ausblick auf diplomatische Gefechte mit dem Exhalted Council, Kämpfe gegen die Qunari, die es aus rätselhaften Gründen auf die Inquisition und den ganzen Süden abgesehen haben, jede Menge Rätsel um die Geschichte von Thedas – und ein Wiedersehen mit folgendem Abschied von seinen Freunden. Und der Inquisition?

Genau das bietet es auch. Die Ratssitzungen im Winter Palace von Halamshiral beschränken sich zum Glück auf das Wichtigste, die große Action liefert also der Qunari-Plot. Doch wie kommt es dazu? Zwei Jahre nach dem Sieg über Corypheus werden die Einwohner und vor allem Adeligen von Orlais und Ferelden der Inquisition überdrüssig. Sie sehen keinen Nutzen mehr für diese nachdem die Bedrohung gebannt wurde, und wollen sie somit entweder in orlesianische Ketten legen oder am besten gleich aufgelöst sehen. Darum wird ein Rat, bestehend aus Botschaftern der Nationen, der Divine und den Führern der Inquisition gebildet, um über deren Schicksal zu entscheiden. Eingeleitet wird das Geschehen, wie auch die Vorgänger des DLCs, über den War Table; benötigt wird es Spielstand, mit welchem die Mainquest bereits beendet wurde. Empfohlen wird ein Einstieg ab Level 20. Hier sei gleich gewarnt: da dies einen nicht zu unterschätzenden Zeitsprung einleitet, kann hinterher auf alle anderen Regionen und Quests nicht mehr zugegrifffen werden. Offene Rechnungen sollten also am besten vorher beglichen werden.

Tatort Winter Palace: wer zu Hölle schmuggelt tote Qunari?

Dass es sich hier nicht nur um politisches Geplänkel handeln wird, war klar. Bereits nach der ersten Sitzung wird ein toter Qunari-Soldat mitten im Winter Palace aufgefunden; es gilt herauszufinden, wie er hierher gekommen sein kann. Nach etwas Stöbern und Schnüffeln stößt man auf einen aktiven Eluvian – die magischen Spiegel der alten Elfen – und betritt ihn kurzerhand, gefolgt von einer handvoll treuer Companions. Soll doch Josephine den Rat auf Abstand halten, wozu hat man einen hauseigenen Botschafter.
Durch ein scheinbares Labyrinth an Eluvians an Orten, die seit dem Untergang des elfischen Imperiums nicht mehr betreten wurden, verfolgt man also die Qunari – stößt dabei allerdings auf Leichen, die darauf hinweisen, dass nicht nur der Inquisitor an der Aufklärung deren Präsenz interessiert ist. Man hört und liest Gerüchte über Anwesenheit eines Agenten von Fen’Harel, dem Dread Wolf der elfischen Sagen – und viel akuter von einem Plan der Quanri namens “Dragonsbreath”. Je weiter man durch die Crossroads über die Eluvians vordringt und je mehr Spuren man nachgeht, desto verstrickter und undurchsichtiger scheint die Sache zu werden. Doch die Aufklärung muss bald erfolgen: das Mal an der Hand des Inquisitors wird spätestens seit zunehmendem Kontakt mit elfischer Magie immer stärker und scheint ein Eigenleben zu entwickeln, durch welches es seinen Träger langsam aber sicher umbringt. Außerdem ist da noch irgendwo der Rat, den selbst Josephine nicht ewig auf Abstand halten kann. Irgendwann muss eine Entscheidung über die Zukunft der Inquisition getroffen werden.

Viele Eluvians führen zu Kampfschauplätzen.

Wie auch schon in Dragon Age Inquisition: The Descent, ist die Story von Tresspasser sehr linear gehalten. Eigentlich weicht diese Vorgehensweise dadurch deutlich vom Stil des eigentlichen Hauptspiels und des ersten DLCs Jaws of Hakkon ab, weshalb es in der Community eher geteilte Meinungen dazu gibt. Es lassen sich zu viele interessante Orte finden, die nur darauf warten, erkundet zu werden. Da allerdings auch die Ankündigung des DLCs bereits versprach, der am storylastigsten der drei zu sein, macht der Aufbau durchaus Sinn – allzu häufig geht der eigentliche Faden in Jaws of Hakkon oder dem Hauptspiel in der Flut von Nebenquests verloren, doch dem Inquisitor rennt nun die Zeit davon.
Stattdessen kann man als Spieler seinen Jäger- und Sammlertrieb noch immer an kleinen Entdeckungen abseits der Wege sowie den üblichen, obligatorischen Sammelobjekten ausleben. Im Winter Palace selbst lassen sich jede Menge überteuerte Hundekuchen für Cullens neuen Mabari, als auch verschiedenste kleine Gegenstände mit ihren Geschichten finden, in den Crossroads gibt es legendäre Ausrüstung über versteckte Eluvians zu erbeuten.

Fragen über Fragen – vor beeindruckendem Panorama.

Apropos Eluvians: die Vielzahl und vor allem optische Vielfalt an verschiedenen Orten, die man darüber bereisen kann, ist mehr als nur bemerkenswert. Dabei sind es nicht nur uralte elfische Ruinen, die seit dem Untergang deren Imperiums keiner mehr gesehen hat, sondern sogar vergessene zwergische Minen oder – weniger verlassene – Stätten der Qunari. Das alles detailreich ausgearbeitet und von atemberaubender Landschaft umgeben. Ein Highlight dürfte hier schon rein historisch die Vir Dirthara sein, eine nahezu zerstörte Bibliothek der Elfen in einer Zwischendimension ähnlich den Crossroads.
Darin liegt auch eine große Stärke der Erweiterung: die viele (elfische) Lore, die es zu entdecken gibt, und welche mehr als nur ein Weltbild im Universum von Dragon Age zerstören dürfte. Bioware setzen da an, wo sie mit Inquisition begonnen haben. Die wahre Geschichte der alten Elfen, die bisher als Mysterium hingenommen wurde, scheint sehr viel mehr Bedeutung für den Aufbau der Welt zu tragen, wie es scheint. Somit ist es auch kaum verwunderlich, dass auch ein wichtiger Charakter wieder auftaucht: Solas. Und der hat einige Fragen zu beantworten.

Doch nicht nur Solas bekommt seinen Auftritt. Mit jedem Charakter, mit welchem man sich im Laufe des Hauptquests angefreundet hat (d.h. wessen Companion-Quest man abgeschlossen hat), gibt es ein Wiedersehen. Diese sind mitunter auch am Wichtigsten im DLC, da es als ein Abschied und ein letztes großes Abeteuer mit diesen konzipiert ist. Es gibt also genug lustige, traurige, philosophische und nostalgische Gespräche, um noch etwas Zeit mit den Charakteren zu verbringen. Von den Romanzen nicht zu schweigen: insbesondere diejenigen, welche mit Sera oder Cullen angebändelt haben, dürfen sich auf eine sehr schöne Überraschung freuen. Die Geliebten von Solas hingegen sollten sich weiterhin auf Enttäuschungen gefasst machen. Denn dieser hat noch deutlich größere Pläne für diese Welt, als allen lieb sein dürfte.

Bioware haben nichts von ihrem subtilen Humor verlernt.

Die Kämpfe sind sehr ausgewogen in ihrem Schwierigkeitsgrad, es gibt nur wenige wirklich ernstzunehmende Hindernisse. Insbesondere Spieler, die schon in Dragon Age 2 auf die Qunari getroffen sind, werden hier auch von nichts Neuem überrascht werden. Dafür dürfen immer wieder kleinere Rätsel gelöst werden, um etwas Abwechslung in die Routine zu bringen.

Auch die Atmosphäre in Trespasser weiß zu überzeugen. Mit neuer Musik hinterlegt, in neue Orte eingebettet und von alten Freunden begleitet bietet es eine ganze Palette an Gefühlen an. Insbesondere der Anfang ist reinstes Training für Bauchmuskeln, die Story bringt viel Spannung und Staunen, und zum Ende hin durchaus auch Traurigkeit; denn es ist genau das: ein Ende von Inquisition.

Fazit

In den etwa sechs bis acht Stunden Spielzeit bietet Trespasser mehr Lore, Story und Emotionen als erwartet. Bei Nachfrage in der Community waren vor allem die wirklich gelungenen Interaktionen mit Gefährten und Romanzen, aber auch die vielen bahnbrechenden Entdeckungen in Hinsicht auf die Elfen beliebt. Ob ein eher offenes Ende für die Erweiterung tatsächlich passend war, stellte sich als eher zwiegespalten heraus. Es ist ein Ende und sicher ein Abschied von der Inquisition: doch die Entscheidungen sind in ihrer Auswirkung nicht so unterschiedlich, wie es zunächst klang. Doch das Spielerlebnis selbst, kann von einem Charakter zum nächsten sehr unterschiedlich sein, wie ich feststellen konnte. Wer sich also für die Inquisition das erwartet hat, was das Citadel DLC für Mass Effect 3 war, sollte die 14,99 Euro definitiv investieren. Es gibt ein Abenteuer zu erleben, Freunde zu treffen, eine Welt zu retten, Abschied zu nehmen und deutliche Zeichen für den nächsten Teil zu sehen. An dieser Stelle geht mein Dank an die Gruppe Dragon Age: Inquisition Germany, welche mich mit zusätzlichen Meinungen und Erlebnissen zur eigenen Erfahrung versorgt hat.

Kommentare
Ronja Stobrawe 14. September 2015 um 22:20 Uhr

Vielen Dank. 🙂 Vor allem eingefleischte Fans stoßen hier auf eine geballte Ladung Story, die mich in keinster Weise enttäuscht hat.

Erika Reichert 14. September 2015 um 21:50 Uhr

Sehr gut beschrieben, wenn ich den DLC nicht hätte kaufen wollen würde ich es spätestens jetzt trotzdem tun 🙂