Während Codemasters über die Jahre durchaus mal andere Spiele entwickelt hatte, so liegen ihnen die Rennspiele doch am meisten im Blut. Codemasters sind die Könige in Sachen Rally, damals mit Colin McRae Rally und heute mit der Mischung aus dem Arcadelastigerem Dirt und der Hardcore-orientierten Sim Variante Dirt Rally. Mit der Formel 1 Lizenz konnten Sie schon mehrere Jahre zuverlässig umgehen und mehr als andere die strategischen Elemente des Sports auf und abseits der Strecke vermitteln. Vergleichsweise immer etwas im Schatten dagegen waren bei Codemasters immer die “traditionelleren” Autorennen.

Nicht dass das gegen ihre Qualität spricht: Die “TOCA” Serie genießt zurecht Kultstatus indem es die britische Tourenwagenmeisterschaft in kompromissloser Härte simulierte und auch Konsolenspielern “echte” Rennsimulation bot, und mit der Fortführung in TOCA bzw. DTM Race Driver experimentierte man mit einer Reihe von zusätzlichen exotischen Rennserien sowie einer “Story”-Kampange erfolgreicher als viele andere Rennspielentwickler.

Auf den Rallye Reboot DIRT folgte dann in der letzten Konsolengeneration die entsprechende Straßenrennvariante GRID, die solide wenn auch etwas arcadelastigere Rennsim-Action bot und mit dem “Flashback” System, in dem man Fehler und Unfälle “zurückspulen” kann ohne das Rennen neu starten zu müssen sogar die vielleicht wichtigste Innovation in modernen Rennspielen lieferte. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Konkurrenz in Form von Gran Turismo, Forza und Need For Speed (die ungefähr um die Zeit auch mit RennSPORT-ablegern flirteten) etwas zu massiv, um sich einen ähnlichen Spitzenplatz wie bei den Rallye Spielen zu sichern.

Jetzt in 2019 dann überraschte Codemasters mit einer recht kurzfristigen Ankündigung eines GRID Semi Reboots. Zugegeben, viel geändert hat sich weder am Spiel noch an der Marktlage. Aber in gewisser Weise liegt dort vielleicht ein versteckter Reiz.

Also ja GRID, oder GRID 2019. Wie zuvor kämpft man sich durch verschiedene Motorsport Varianten in unterschiedlichen fiktionalen Serien mit realen Rennautos auf teils erfunden, teils realen Strecken (wie es sich für ein britisches Rennspiel gehört sind selbstverständlich Silverstone und Brand’s Hatch vorhanden), und wie zuvor sieht es dabei sehr gut aus. Gut, mit den messerscharfen High-Budget Looks eines Forza und Gran Turismo kann es sich nicht ganz messen, aber auch ohne riesige Exklusivtitel Resourcen versteht Codemasters sehr gut wie man Rennspiele ansehnlich und flüssig aussehen lässt.

Wesentlich auffälliger ist der Unterschied zwischen den beiden Renngiganten jedoch beim Umfang, wo GRID hoffnungslos überrundet ist. Die 65 Fahrzeuge diverser Klassen bieten Abwechslung aber sind natürlich kein Vergleich zu den hunderten Vehikeln der Forza Serie und selbst das für sich selbst abgespeckte Gran Turismo Sport dominiert in der Selektion. Etwas enttäuschender fällt die Zahl der Strecken aus, die mit 13 Locations mit Strecken in verschiedenen Konfigurationen selbst für GRID Verhältnisse ziemlich niedrig ist. Mit Langzeitplänen in Form von mehreren DLC “Saisons” steht da vielleicht in Zukunft Besserung an, doch selbst diese vage Hoffnung hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.

Doch die empfundene Abspeckkur wenn man GRID gegenüber der Konkurrenz vergleicht hat einen unübersehbaren Vorteil da wo es für viele am wichtigsten ist. Schon allein weil man gefühlt schneller zu dem kommt was für Rennspiel Fans am wichtigsten ist. Mit verschiedenen Rennserien im Einzelspieler und dem Online Multiplayer sowie auf das absolut notwendigste Reduzierte “Rennstall”-Management, dass in GRID als spiritueller Nachfolger der “Race Driver” Serie einstmalst wichtiger war, kommt man schneller ins Rennen als bei der Konkurrenz. Zwar müssen ab und an neue Autos gekauft werden und auch ein Wechsel des KI Teamkollegen, der eigene Charakteristiken mitbringt und abhängig von dessen Positionierung ein bisschen Geld beisteuert, lohnt ab und an. Aber man hält sich nicht auf mit Umfangreichen Trainings und Qualifikationen, geschweige denn der endlosen Sammelorgie und den etwas fragwürdigen “Ereigniskarten” eines Forza Motorsport 7.

Und auch auf der Strecke wirkt GRID oftmals fokussierter als die Big Budget Konkurrenz. Wie angedeutet, ist keine Rennsimulation zu erwarten, sondern eher etwas irgendwo zwischen Forza und Forza Horizon, mit ein bisschen Spielraum in wie weit man es in die eine oder andere Richtung bewegen möchte. Alles in allem fährt es sich im Spiel mit einem Fokus auf Spaß über Realismus, aber ist ausgewogen genug um ein wenig zu fordern, wenn man denn so will. Die diversen Fahrzeugklassen, Strecken sowie das gelegentliche Regenrennen bieten merkbare Unterschiede und fordern ein bisschen Anpassungsvermögen, aber das Spiel ist sich nicht zu schade mit auf Zentimeter-tiefergelegten GT Prototypen durch holperige Stadtkurse in Havana zu jagen.

Was jedoch GRID wirklich einen distinktiven Geschmack liefert ist die äußerst unterhaltsame Fahrer KI. Wie in seligen Tourenwagenzeiten sind sich die KI Kollegen nicht zu schade sich mit Karosseriekontakt zu raufen und aggressiv um Positionen zu kämpfen (wer halbwegs gut mit Rennspielen umgehen kann sollte direkt einen höheren Schwierigkeitsgrad wählen), anstelle sich wie eine Perlenkette an der Ideallinie aufzuknüpfen. Und auch hier agiert das Spiel differenziert im Computerspieler Benehmen und gibt sich je nach Strecke und Fahrzeug auch mal etwas professioneller, aber kommt niemals charakterlos daher und ist sich auch nicht zu schade hin und wieder auch ohne Spielereinfluss mal spektakuläre Unfälle zu verursachen. Diese Art von freudig-”uncharmanter” Persönlichkeit erlebt man dann vorallem im sogenannten “Nemesis” System. Haut man einem speziellen Konkurrenten etwas zu oft und etwas zu hart ins Heck und in die Seiten, werden diese für das Rennen als “Nemesis” markiert und machen es fortan zu einer Priorität, dem Spieler eins auszuwischen und riskieren auch mal eigene Umstände, um auszubremsen und abzudrängeln. Auch wenn es etwas schade ist, dass diese Feindseligkeit selten länger als ein Rennen hält, ist es immer ein Brüller zu sehen wenn ein Computerfahrer mal so richtig das innere Arschloch raushängen lässt und sich so benimmt wie, sein wir mal ehrlich, die meisten von uns wenn sie gegen KI Rivalen fahren.

Und wenns zu frustig wird kann man immernoch ein Stück zurückspulen und es besser machen, wie schon im ersten (Race Driver) Grid.

GRID ist jetzt für PC, PS4 und Xbox One erhältlich

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Umfang
4
KI
10
Look und Feel
8
Jan Markus Mäuer
Jung, Sexy, Tödlich, pathologisch Verlogen

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