Test – Imperator: Rome

Rom oder Karthago? Ptolemäisches Ägypten oder Seleukiden? Wir haben das neue Strategiespiel in der Antike getestet

Wer kennt es nicht, Spiele mit steiler Lernkurve, in die man so einiges an Zeit investieren muss, um als „gut“ zu gelten. Die Strategiespiele von Paradox Interactive gehören zur extremsten Art solcher komplexer Spiele. Es ist keine Seltenheit, dass man beispielsweise bei Europa Universalis IV auf Plattformen wie reddit mit 500 Spielstunden noch als Anfänger abgestempelt und erst ab 1000 Spielstunden auch die schwierigeren Startpositionen empfohlen bekommt. Zu tun hat dies mit einer geradezu absurd hohen Anzahl an Übersichten, Daten, Multiplikatoren, Buttons und Spielmechaniken, die allesamt miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig beeinflussen. Für Anhänger von Strategiespielen sollte dies aber kein unüberwindbares Hindernis darstellen, vor allem, wenn man ein wenig mehr Komplexität schätzt, als dies zum Beispiel Titel aus der Civilization Reihe bieten.

Imperator: Rome kann als Mixtur von diversen Aspekten aus Europa Universalis IV, Crusader Kings II und Victoria II beschrieben werden. Als Spieler kontrolliert man eine Nation zwischen den Jahren 304 v. Chr. und 27 v. Chr., muss aber hierbei auch Charakter- und Populationsmanagement betreiben. Das Spiel findet in der bekannten Welt der römischen Republik statt, die Karte erstreckt sich von Britannien in Nordwesten, Nordafrika im Südwesten hin bis Indien im Osten und beinhaltet rund 7000 Städte. Wie bei Paradox Titeln üblich ist hierbei jede Nation spielbar. Wer also nicht das römische Reich nachbauen will, kann sich ebenso daran versuchen, das Reich Alexanders wieder zu vereinen, das in den Diadochenkriegen in das ptolemäische Ägypten, das Seleukidenreich in Persien, Makedonien und das von den Antigoniden beherrschte Kleinasien zerfallen ist, oder gleich Karthago spielen und den Namensgeber von Imperator: Rome von der Karte löschen. Auch diverse Stämme in Iberien, Gallien, Germanien und Britannien sind spielbar und verfügen über eigene Mechaniken, die sich von den Republiken oder Monarchien zum Teil deutlich unterscheiden.

Technische Anforderungen und Performance

Als technische Mindestanforderungen werden ein älterer i3, 4GB RAM und eine GTX 460 empfohlen. Auch die empfohlene Hardware besteht nur aus einem i5 der Ivy Bridge Reihe, 6GB RAM und einer GTX 660. Das Spiel ist also nicht sonderlich hardwarelastig und sollte sowohl auf älteren Maschinen als auch auf nicht gaming dezidierten Rechnern laufen. Auch der nur wenige Gigabyte große Download sollte keine Einschränkung darstellen. Auf dem verwendeten Rechner mit einer GTX 1080 und einem Ryzen 5 1600 lief Imperator stabil mit mindestens 60 fps, auch in 4K Auflösung. Im Gegensatz zu anderen Spielen, ist das Interface, in UHD gut lesbar, da Paradox eine UI Skalierung implementiert hat. Außerdem sollte das Multiplayererlebnis reibungslos funktionieren. Von der Community organisierte Multiplayer-Runden in anderen Paradox Titeln sind verbreitet und auch im Dev Clash, der auf Twitch übertragen wurde, gab es bis auf einzelne Out-of-Sync Fehler keine gröberen Fehlfunktionen.

Der westliche Teil der Karte zu Beginn des Spiels

Spielerlebnis

Als Ressourcen dienen bei Imperator: Rome wie in den vorherigen Paradox Titeln wieder Geld, ein Pool aus Reservisten, mit denen dezimierte Regimenter wieder aufgefüllt werden, sowie vier verschiedene Arten von Machtpunkten, auch Mana genannt. Neben den zivilen Machtpunkten, die unter anderem für Erfindungen genutzt werden, gibt es rhetorische Machtpunkte, die für diplomatische Aktionen mit Charakteren sowie äusländischen Mächten verwendet werden können, und religiöse Machtpunkte, die für Omen und zur Konvertierung der Einwohner genutzt werden. Schließlich gibt es noch militärische Machtpunkte, welche für Armeetraditionen verwendet werden, wovon jedes Land abhängig von der Kultur drei verschiedene zur Auswahl hat. Bei den lateinischen Traditionen, aus denen beispielsweise Rom wählen kann, werden in einem Baum schwere Infanterie, in einem anderen leichte Infanterie und in einem dritten Baum die Marine gestärkt. Karthago und die indischen Reiche besitzen Traditionen die Elephanten stärken und die britischen Stämme können ihre Streitwagen verbessern.
Bei den Einheiten, aus denen man seine Truppen zusammenstellen kann gibt es leichte und schwere Infanterie, Bogenschützen, leichte und schwere Reiterei, berittene Bogenschützen, Streitwagen, Kamele und Elefanten zur Wahl, die jeweils Boni und Mali gegen andere Einheiten haben. So sind beispielsweise Elefanten gut gegen leichte Infanterie oder schwere Infanterie gut gegen leichte Reiterei. Bei der Zusammenstellung der Truppen sind also die eigenen Ressourcen, der Vorrat an Gold und das Einkommen zur Finanzierung sowie die Truppenkomposition der verschiedenen Gegner relevant, die man in der näheren Zukunft bekämpfen will.

Die italienischen militärischen Traditionen

Apropos Ressourcen – In Imperator gibt es über 20 Handelswaren, von denen in jeder Stadt eine Einheit erzeugt wird. Jede Provinz erhält abhängig von den dort beherrschten Städten Boni von den dort erzeugten Ressourcen. Neben Boni für Bevölkerungswachstum und Zufriedenheit gibt es auch strategische Ressourcen. Ohne Eisen lassen sich keine schweren Infanteristen bauen, ohne Pferde logischerweise keine Reiterei und ohne die Handelsware Elefanten können keine Elefanteneinheiten gebaut werden. Wie kommt man nun an die Ressourcen, die man am dringendsten benötigt? Je nach Regierungsform, Größe des Reiches und Provinzedikten hat man Slots für Handelsrouten, auf denen man mit eigenen Provinzen oder ausländischen Reichen handeln kann. Die andere Möglichkeit ist natürlich Expansion. Imperator: Rome ist ein klassischer Mappainter. Auch wenn kein Spielziel vorgegeben ist, so ist die Eroberung der Welt doch das, was das Spiel interessant und unterhaltsam macht.

Die Regierungsposten als Römische Republik

Neben dem Führen von Kriegen, was den Großteil der Spielzeit einnimmt, sind vor allem die Interaktion mit Charakteren im Reich, das Management der Fraktionen im Senat bzw. der Regierung, das Management der Einwohner der Provinzen sowie die Organisation von Handelswaren Dinge, die die Spielzeit füllen. Vor allem bei den Interaktionen mit Charakteren wird es einige Zeit dauern, bis man die eigene Strategie optimiert hat. Die Abwägung zwischen den Charakterstatistiken, deren Loyalität zum Staat sowie deren Familien- und Fraktionszugehörigkeit sind Dinge, über die man sich den einen oder anderen Gedanken machen muss. So stellt sich unter anderem die Frage, welche Positionen man Charakteren geben will. Neben 8 Regierungsposten gibt es 4 Positionen für Forscher, die die Technologielevel erhöhen, Gouverneure für Regionen, die Provinzedikte bestimmen, sowie Positionen als Generäle und Admiräle für die eigenen Truppen. Macht man sich bei den falschen Leuten unbeliebt, kann es schnell dazu kommen, dass diese eine Revolte anzetteln und man mitten im Expansionskrieg nur noch Kontrolle über das halbe Territorium hat und man sich nun neben dem externen Feind auch noch um einen Bürgerkrieg kümmern muss. Auch die Religion und Kultur der eigenen Bewohner muss man im Auge behalten. Expandiert man zu schnell und ohne Kontrolle, werden die Minderheiten schnell zur Mehrheit im Reich und können bei hoher Unzufriedenheit der Wirtschaft extrem schaden.

Übersicht über die Charaktere im Reich

Imperator: Rome erschien am 25.04.2019 und ist für 39.99€ in der Standard-Edition bei Steam, im Paradox Store sowie bei den bekannten Stores zu erhalten. Von uns gibt es ein

Fazit

Imperator: Rome besticht mit der Vielzahl an spielbaren Ländern, den sehr unterschiedlichen Mechaniken jener Länder und der Komplexität und Spieltiefe eines Globalstrategietitels. Für 39.99€ ist es zwar kein Schnäppchen, aber bietet durchaus die Möglichkeit für mehrere hundert Spielstunden voller Abwechslung. Die diversen Mechaniken können einen kompletten Anfänger durchaus etwas verwirren und überfordern, aber wer es schafft, sich durch die Anfangsphase zu spielen und sich an das Spiel zu gewöhnen, der wird fast garantiert Spaß haben. Das Basisspiel ist unterhaltsam, aber wer Paradox Titel kennt, der weiß, dass in Zukunft DLCs folgen werden, die weitere Mechaniken implementieren, das Grundspiel erweitern und ergänzen werden und frisch und up-to-date halten. Dies muss man nicht gutheißen, aber es ermöglicht dem Entwickler das Spiel auch Jahre nach Release am Leben zu halten.
Positiv
  • Spieltiefe und Komplexität
  • Große Auswahl an spielbaren Ländern
  • Preis-Leistungsverhältnis
Negativ
  • Day 1 Musik DLC
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