Test – Journey

Im Jahre 2012 bescherte uns das Entwicklerstudio thatgamecompany ein wirklich besonderes Videospiel. Journey hat nicht […]

Im Jahre 2012 bescherte uns das Entwicklerstudio thatgamecompany ein wirklich besonderes Videospiel. Journey hat nicht nur mich, sondern auch viele andere Spieler schlichtweg umgehauen. Nun erschien eine neue Remastered (und Crossbuy-) Version des wunderschönen Adventures.

Kein Interface oder HUD. Keine kleine Map in der unteren rechten Ecke des Bildschirms und auch kein Inventar. Kein rumgeballere oder Drachen die man besiegen soll. Ohne jegliche Hilfestellung sollt ihr dieses Spiel bestreiten. Und das klappt meiner Meinung nach einfach grandios.

Nun steht ihr in der Wüste. Vollkommen verloren im Nichts oder, je nach Sichtweise, in Vielem. Wirklich niemand sagt euch was ihr zu tun habt. Ihr seid eine lange, in Schleier verhüllte Gestalt mit einem “Lappen”, wie ich ihn die ganze Zeit über nannte, an eurem Rücken, der sich im Spieleverlauf noch als nützlich erweisen wird. Aufgrund der Tatsache, dass ihr hoffnungslos isoliert von jeglicher Zivilisation oder menschlichen Kontakt seid, zieht ihr gewissenlos los in die Dünen ins Abenteuer. Ihr seht am Horizont einen Berg, den ihr als Spieler einfach nur interessant findet. Ob wegen seiner merkwürdig geformten Spitze oder weil es einfach das einzige greifbare Ziel auf dem Bildschirm ist sei dahingestellt. Instinktiv wisst ihr: Ihr müsst zu dem Berg.

So geht ihr los und findet euch doch recht schnell in einer Ruine vor, die ihr erst einmal erkundet. Dabei findet ihr andere merkwürdige “Lappen” die ihr befreien müsst. Diese zeigen euch den besten Weg, den ihr fortan bestreiten müsst. Auf eurem Weg zum Berg werdet ihr weitere mysteriöse Stoffe befreien und werdet sogar mithilfe der netten Lappen, die ihr befreit zum fliegen aufgefordert. Nicht immer wisst Ihr warum oder wohin ihr gehen müsst, aber instinktiv folgt ihr einfach euren neuen Begleitern in Form von bemusterten Stoff und kommt immer wieder an kryptischen, steinernen Platten vorbei. Diese werden euch einiges über die Vorgeschichte zum Spiel erzählen und werden euch so manches mal zum staunen bringen.

Es ist schwer über ein so besonderes Spiel zu schreiben, ohne wirklich viel zu spoilern. Deswegen beschränke ich mich auf das wesentliche und wichtigste. Was besonders auffällt ist die wunderbare Musik komponiert von Austin Wintory. Sie entführt euch vollkommen geschickt in das Setting und lässt euch nicht mehr los auf eurer Reise an die Spitze des Berges. Im Laufe des Spielen werdet ihr sogar eine emotionale Bindung zu eurem Charakter aufbauen, was vom Entwickler durchaus beabsichtigt wurde. Der Spieler soll am eigenen Leibe erfahren, wie es ist sich isoliert und vollkommen orientierungslos zurecht zu finden. Das einzige Ziel vor Augen ist der Gipfel des Berges.

Um knifflige Rätsel zu lösen könnt ihr aber auch bei bestehender Internetverbindung einen anderen Spieler treffen der euch helfen kann. Dabei wird auf jegliche Kommunikation verzichtet und ihr müsst euch durch bloßes “anschauen” oder umherirren zurechtfinden. Der Name des Spielers wird ebenfalls erst am Ende des Spieles im Abspann gezeigt. Jedoch lässt sich die ultimative Erfahrung der Isolierung erst durch alleiniges durchspielen machen, so habe ich es jedenfalls empfunden.

Das Setting und die Atmosphäre ist so dermaßen großartig inszeniert, dass euch das Spiel kaum loslässt und sich eine Art Sucht entwickelt, die euch zwingen möchte, das Spiel bis zum Gipfel zu spielen. Tatsächlich braucht ihr nur runde drei Stunden um das komplette Spiel durch zu spielen. Doch es lohnt sich und es ist definitiv eine der besseren Alternativen zum aktuellen Fernsehprogramm am Sonntagabend.

Immer wenn ihr künstlerisch wertvoll und voller Elan die Sanddünen heruntergleitet und den Sonnenschein genießt, der den Sand überall erstrahlen lässt, verspürt ihr den Drang etwas los zu lassen und euch treiben zu lassen. Es ist ein Kunstwerk und kein Videospiel in dem Sinne. Es geht nicht um Gegner töten oder das lösen von Quests, sondern einzig und allein um das Ziel. Das Ziel die Spitze des Berges zu erreichen und so das Mysterium zu lösen, welches euch auf eurem Abenteuer die ganze Zeit mitnimmt.

Doch genug der vielen malerischen Worte. Kommen wir zur technischen Umsetzung. Definitiv ist das Spiel perfekt ausbalanciert und es kommt nie zu Abstürzen oder Grafikfehlern oder gar Bugs. Die Grafik lässt sich sehen und beeindruckt zunehmend bei erkunden der Spielewelt. Einzig die Textur des Sandes, die der Textur des Schnees gleicht, lässt zu wünschen übrig. Die Ähnlichkeiten zwischen der Textur des Sandes und der des Schnees gleichen sich zu sehr und man erkennt, dass der Sand eigentlich nur glänzender, beiger Schnee ist. Trotzdem lässt mich das kalt und ich genieße das Setting zu sehr als dass ich mich mit solchen Nichtigkeiten (wie es in dem Moment definitiv ist) befasse. Die Steuerung ist einfach und clever gehalten. Viel gibt es nicht zu beachten und ihr kommt nie in den Konflikt nicht zu wissen, was ihr drücken müsst um eine Aktion durchzuführen. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.

Fazit:

Menschen die sich gerne ein künstlerisch wertvolles und emotionales Meisterwerk wünschen in der Videospielbranche kommen hier auf ihre Kosten. Mit Journey bekommt man hier kein gewöhnliches Videospiel geboten und es zeigt sich mal wieder, dass Indie-Games durchaus eine Daseinsberechtigung haben und mehr Beachtung verdient haben. Journey wurde zum best verkauften Titel im Playstation Network und verdient den Titel des besten Indie Games zurecht. Die Musik, die den Spieler das ganze Abenteuer über mitnimmt und einen in den Bann reißt lässt keine Wünsche offen und das Ende auf der Spitze des Berges hat es in sich. Dabei kommt man während des ganzen Abenteuers ständig an seine emotionalen Grenzen und muss sich Situationen stellen, die ich so in keinem anderen Videospiel (oder sogar Film) bisher gesehen habe. Ich bin beeindruckt und kann jedem begeisterten Spieler und Menschen die ansatzweise etwas mit Kunst anfangen können, dieses Spiel nur empfehlen!

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