In der von Toshihiro Nagoshi geschrieben Geschichte ist wieder einmal der Handlungsort das fiktive Stadtviertel Kamurocho in Tokyo. Dort arbeitet Protagonist Takayuki Yagami, verkörpert und gesprochen vom japanischen Schauspieler Takuya Kimura, als Verteidiger in einer kleinen Kanzlei. Ein außergewöhnlicher Sieg vor Gericht rückt den jungen Anwalt ins Rampenlicht der Medien. Im japanische Rechtssystem eine Seltenheit, da laut Spiel 99,9% aller Fälle vor Gericht mit einer Verurteilung enden. Ein Freispruch ist daher die Ausnahme. Die positive Stimmung ist allerdings nicht von langer Dauer, da der freigesprochene Klient nach der Freilassung mordet. Scheinbar handelte es sich bei ihm wirklich um einen Serienkiller, was dazu führt, das Yagamis Strafverteidigerkarriere entgleist.

Nach einem Zeitsprung von drei Jahren finden wir Yagami, zusammen mit Kollege Masaharu Kaito, einem Ex-Mitglied des Tojo-Clans, dabei vor, wie sie jemanden beschatten. Yagami betreibt nun seine eigene Detektei, die Kamurocho Yagami Detective Agency, und hält sich mit kleineren Aufträgen über Wasser. Allerdings treibt ein weiterer Serienkiller in Kamurocho sein Unwesen. Dieser hat während der letzten Monate Yakuza-Mitglieder ermordet und ihnen die Augen ausgestochen. Durch eine Verkettung mehrerer Umstände wird der Detektiv in den Fall hereingezogen und muss die Mordserie aufklären.

Im Vergleich mit den letzten Yakuza-Titeln, der sich schwer vermeiden lässt, fallen einige positive Neuerungen und generelle Änderungen auf, die natürlich am veränderten Spielprinzip liegen. Eine der auffälligsten Neuerung ist das Beschatten. In diesem Modus müsst ihr Ziele durch Kamurocho verfolgen, ohne entdeckt zu werden. Manchmal muss vorher über die First-Person Sicht erst die korrekte Zielperson anhand von äußerlichen Attributen ausfindig gemacht werden. Während des Beschattens zeigt eine Leiste am oberen Rand an, wie alarmiert das Ziel ist. Versteckt ihr euch rechtzeitig und werdet nicht gesehen, erhöht sich die Leiste auch nicht. Ist der Balken jedoch voll, scheitert die Mission. In einem normalen Spiel sollte das aber eigentlich nicht passieren, da die Mechanik sehr simpel und nicht wirklich anspruchsvoll ist. Glücklicherweise wird das Beschatten auch nicht zu häufig eingesetzt, sodass kein Gefühl von langweiliger Repetition entsteht.

Generell kommen die meisten Neuerungen aufgrund der neuen Gameplay-Elemente zustande. Neben dem Beschatten steht Yagami auch eine Drohne zur Verfügung, mit der Ziele in Gebäuden beobachtet werden können. Natürlich kann die Drohne auch für Rennen benutzt werden. Ein ganzer Drohnen Grand Prix findet sich sogar im Spiel wieder. Ressourcen, die auf der Straße aufgesammelt werden können, sind nützlich, um das fliegende Gerät aufzurüsten, um in den Rennen zu bestehen. Herrlich, was sich die Entwickler wieder haben einfallen lassen.

Weiterhin habt ihr nun auch die Möglichkeit, in einigen Konversationen unterschiedliche Antwortmöglichkeiten zu geben. Wählt man die cleversten Antworten mehrmals hintereinander aus, belohnt der Titel mit einem SP-Bonus. Als Hilfe werden außerdem am Bildschirmrand die Anzahl der korrekten Entscheidungen angezeigt.  

Gänzlich neu ist außerdem Yagamis Kampfstil, beziehungsweise die beiden Kampfstile. Ähnlich wie in Yakuza Zero stehen dem Protagonisten zwei Stile zur Verfügung. Zum einen ist da der Kranich-Kampfstil, welcher bei Gegnergruppen überzeugen kann, da er mit schnellen Angriffen ein großes Areal abdeckt. Mit seinen schnellen Schlägen und Tritten sowie ausgefallenen Bewegungen erinnert er ein bisschen an den Breakdance Stil von Goro Majima aus Yakuza Zero. Der Tiger-Kampfstil dagegen ist für den Kampf Mann gegen Mann zu bevorzugen, da dort mit mächtigen Combos auch Deckungen durchbrochen werden können.

Des Weiteren ist Judgment der erste Titel der Ryu Ga Gotoku Studios seit Yakuza auf der PlayStation 2, der wieder mit englischer Sprache aufwartet. Zwar ist die englische Synchro in Ordnung, Puristen werden aber weiterhin bei der japanischen Tonspur bleiben.

Die bekannten Heat-Actions sind in veränderter Form nun als EX-Actions vorzufinden. Außer dem Namen hat sich an ihnen aber nichts geändert. Noch immer sind es brachiale Angriffe, die bei den Gegnern großen Schaden anrichten. Während einige davon exakt aus den Yakuza-Teilen entnommen wurden, sind andere gänzlich neu und fügen sich fabelhaft in Yagamis Stil ein.

Während in den vorigen Spielen das unendliche Rennen noch eine freischaltbare Fähigkeit war, ist dies in Judgment von Anfang an freigeschaltet. Generell wurde die Bewegung deutlich verbessert. Yagami kann beispielsweise Hindernisse wie kleinere Zäune oder Mauern während des Rennens überspringen und auf den Häusern des Viertels im Parcour-Stil Wege hinter sich bringen.

In Yagamis Detektei findet ihr ab einem gewissen Punkt eine Pinnwand, auf der Nebenmissionen zu finden sind. Neue Missionen werden im Verlauf des Spiels freigeschaltet. Als Teil der Hauptgeschichte könnt ihr die erste Nebenmission in Kapitel 2 annehmen. Um mehr Nebenfälle freizuschalten, müsst ihr Freundschaften mit bestimmten NPCs schließen. Dafür könnt ihr ihnen beispielsweise ein Item geben oder eine Aufgabe für sie erfüllen. Dadurch füllt sich dann eine Freundschaftsleiste. Dies ist auch nützlich, um besondere EX Actions auszuführen, die dann an bestimmten Orten in der Stadt möglich sind. Da Yagami Detektiv ist, versteht es sich natürlich von selbst, dass jegliche Informationen zu den Fällen ordentlich abgelegt werden. In der Case Files App können daher jederzeit jegliche Informationen zu Fällen eingesehen werden. Dazu gehören beispielweise die Verdächtigen, Opfer, Beweise und weitere Details. Außerdem werden dort sowohl für Haupt- als auch Nebenmissionen alle nötigen Erkenntnisse hinterlegt. Kommt man bei der Story oder Nebenmissionen mal nicht weiter, lohnt sich also ein Blick in die App. Hat man länger nicht mehr gespielt, hilft das Menü außerdem dabei, das Gedächtnis etwas aufzufrischen.

Wie gewohnt vom Ryu Ga Gotoku Studio finden sich etliche SEGA-Titel in den fiktiven Arcade-Hallen. Mit von der Partie sind PuyoPuyo, Fantasy Zone, Virtua Fighter 5 Final Showdown und Fighting Vipers. Aber auch analoge Spiele wie der UFO Catcher, Darts, Shogi, Mahjong in verschiedenen Versionen oder Baseball im Batting Center sind vorhanden. Ein großartiges neues Minispiel ist VR Dice & Cube. Im Mario Party Stil wird mit Würfeln bestimmt wie viele Felder ihr auf einer Karte fortschreitet. Je nachdem auf welchem Feld ihr landet, gibt es unterschiedliche Events. Ihr könnt beispielsweise Geschenke bekommen, die dann im echten Spiel Yen bringen, Kämpfe bestreiten, Bonus-Würfel sammeln und vieles mehr. Dieser kleine Modus wird im Laufe der Story automatisch eingeführt und ist eine angenehme Abwechslung zur sehr ernsten Hauptgeschichte.

Fähigkeiten werden diesmal nicht mit Yen, wie in Yakuza Zero, sondern mit SP-Punkten erworben, die durch Kämpfe und das Beenden von Missionen erhalten werden. Manche Fähigkeiten benötigen für das Freischalten aber noch andere Konditionen wie das Finden von Lehrbüchern oder Abschließen von bestimmten Nebenmissionen. SP-Punkte können in drei Bereichen genutzt werden. Zum einen für Fähigkeiten, die die Lebensleiste erhöhen, eine höhere Combo-Schnelligkeit oder mehr Angriffskraft bieten. Außerdem gibt es noch ein Segment, das für neue Moves zuständig ist und eine Spezial-Kategorie. In dieser finden sich Fähigkeiten, die während des normalen Spielens nützlich sein können und das Schlossknacken vereinfachen.

Für großes Aufsehen sorgte übrigens der japanische Schauspieler Pierre Taki, der im März dieses Jahrs aufgrund von Kokainbesitzes und -missbrauchs verhaftet wurde. In der japanischen Gesellschaft ein großes No-Go, was dazu geführt hat, dass SEGA das Gesicht von Charakter Kyohei Hamura visuell vollends neugestalten musste und zusätzlich die Sprachaufnahmen gänzlich ersetzen musste. Dennoch kann der Titel pünktlich am 21.06. in den Regalen der europäischen Läden stehen.

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