Test – Little Nightmares

Eins, zwei, Six kommt vorbei….. Kindheitsängste als interessantes Hintergrundthema für ein Spiel!

Wenn Tim Burton ein Spiel gemacht hätte – ich glaube, es wäre Little Nightmares geworden. Die Atmosphäre, die schrägen Gegner, alles schreit geradezu nach Burtons abgedrehtem Stil – allerdings in der schauerlichen Atmosphäre eines Albtraums aus der Kindheit gepackt. Dabei versteht das Spiel sich eher als Physik-Puzzle-Plattformer. Man schlüpft in die Rolle des kleinen Mädchens Six, die versucht, aus einem schaurigen Albtraum zu entkommen. Hilfe erhält sie dabei keine – Sie greift, springt und klettert nur in ihrem gelben Regenmantel bekleidet durch ein Schiff (was übrigens durch die Schunkelei der Kamera sehr schön in Szene gesetzt wird!), um ihrer gedanklichen Horrorwelt zu entkommen.

Das Schiff „Schlund“ besteht dabei aus fünf unheimlichen Kapiteln. Ihr führt Six dabei unter anderem durch ein Gefängnis, die Werkstatt eines Puppenmachers und eine Küche mit ziemlich seltsamen Köchen. Diese Gebiete sind sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt, allerdings sind besonders die Abschnitte, in denen ihr lediglich das Innere des Schiffs seht, sehr eintönig, da ihr permanent die gleichen metallischen Wände und Böden vorgesetzt bekommt. Stimmungsvoll sind sie dennoch alle male, so großartig ist das Schattenspiel des Spiels.

Spielerisch vermisse ich persönlich die Abwechslung – häufig muss man lediglich einen Käfig, eine Box oder einen Stuhl irgendwo hin ziehen, um eine Etage höher weiter zu klettern oder aber an eine Türklinke zu kommen. Hin und wieder muss man auch einen Gegenstand gegen einen Knopf werfen. Warum nicht mehr Rätsel im Stile des „Wursträtsels“ in der Küche eingefügt worden ist, bleibt ein Geheimnis für sich. Genauso nervig fand ich die vielen Trial and Error Passagen, gerade beim Puppenmacher, der eigentlich blind ist, aber es trotzdem immer wieder schafft, mich zu finden, weil ich einfach nicht den physikalischen Hintergrund des Raumes auf Anhieb verstehe. Schön ist gerade in diesem Abschnitt, dass es geräuschvolle Möglichkeiten gibt, um den Blinden abzulenken. So gesehen, wird hier insgesamt großes Potenzial verschenkt. Und das bei einer Spielzeit von gerade einmal vier bis fünf Stunden.

Auch die Sprungpassagen können gerade mit der Tastatur wirklich Nerven kosten – vor allem, wenn der Checkpoint ein bis zwei Räume zuvor liegt und man ein „altes“ Rätsel nochmals lösen muss. Kurzerhand auf das Xbox Gamepad gewechselt – Nervt auch. Die Steuerung an sich ist hier genauer, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund fing das Pad (ich habe zwei unterschiedliche Xbox One Pads benutzt) an zu vibrieren und hörte erst auf, wenn ich via Alt + Tab aus dem Spiel gewechselt bin. Auch die hin und wieder schlecht gewählte Kameraperspektive tut ihr übriges, um mir die Geschicklichkeitstests zu versauen.

Ganz großes Plus gibt es für die Schleichetappen, in denen ihr die grotesk anmutenden Bewohner des Schiffes umlaufen müsst. Hier ist es grundsätzlich spannend, da es manchmal Millimeter sind, die eine Hand an euch vorbei schrabbt – Spannung hoch zehn! Leider gab es auch hier Situationen, bei denen Six aus mir völlig unbegreiflichen Gründen entdeckt wurde. Dabei saß ich in einer Kiste außerhalb der Sichtweite meines Gegners. Ab und an artet eine solche Szene auch in eine wilde Verfolgungsjagd aus, die euren Herzschlag doch ein wenig erhöhen sollte.

Versteht mich nicht falsch, die Kritikpunkte sind alle Meckern auf hohem Niveau! Mir hat das Spiel durchaus Spaß gemacht, aber einen Aufreger über das ungenutzte Potenzial muss es einfach geben!

Auf Seiten der Grafik ist an Little Nightmares nicht viel auszusetzen – die Umgebung ist stimmig in Szene gesetzt und gerade die Schatten, die eure flackernde Feuerzeugflamme wirft, bringen nochmal einen großen Stimmungsbonus. Schade ist hier, dass eben hauptsächlich die Farbe „metallisches Grau“ dominiert, wo man doch gerade bezüglich des Hauptthemas der kindlichen Ängste viel mehr hätte herausholen können. Alice war trotz bunter Farben ebenso schaurig.

Die Klangkulisse ist großartig, ebenso der Soundtrack, dessen Stücke selten, dafür äußerst stimmig eingesetzt werden. Ich kaufe Six jederzeit ab, dass sie auf einem surrealen Schiff im Gefängnis sitzt – es quietscht und knirscht überall. So stelle ich mir eine unheimliche Umgebung vor!

Getestet wurde die PC-Version.

 

Fazit

Es hätte so schön, so kreativ, so anders sein können - Little Nightmares macht vieles richtig, aber leider nicht genug, um sich von den Vorbildern wie Limbo abzuheben. Gerade die schiere Anzahl an Stellen, an denen man sich "nur" auf die Suche nach einem Hebel oder einer Kiste zum klettern macht, machen das Spiel sehr einseitig. Auch hätte man aus dem Thema von kindlichen Albträumen mehr rausholen können. Insgesamt ein sehr gutes Spiel mit einigen tollen Rätseln, aber auch häufig sehr undurchsichtig, warum nicht mehr aus dem Thema geholt wurde.
Positiv
  • Stimmiger Tim Burton Grafikstil
  • Teilweise sehr intelligente Rätsel
  • Tolle Soundkulisse
  • Spannende Verfolgungsjagden
  • Atmosphäre
Negativ
  • Suche den Hebel "Rätsel"
  • Steuerung ungenau
  • Checkpoints unschön gesetzt
  • Szenerie eintönig
  • Trial-and-Error Passagen
  • "Wie konnte mich meine Nemesis jetzt sehen?!"
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Kommentare
Marco Mühlen 27. April 2017 um 15:37 Uhr

Trotz der Macken werde ich mir das Game mal zulegen.
Meine Version kommt dann morgen. Freu mich drauf. 😀

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