Test – Lost Horizon 2

Es war einmal im Jahre 2010. Das deutsche Entwicklerstudio Animation Arts hatte sich schon früher mit den […]

Es war einmal im Jahre 2010. Das deutsche Entwicklerstudio Animation Arts hatte sich schon früher mit den Titeln Geheimakte Tunguska und Geheimakte 2: Puritas Cordis einen Namen gemacht, als sie beschlossen mit dem Point ’n‘ Click-Titel Lost Horizon ein paar neue Dinge auszuprobieren. Das Resultat war quasi wie ein guter, alter Abenteuerfilm zum Nachspielen. Der britische Ex-Soldat Fenton Paddock hat damals den Weg zum sagenumwobenen Shambala gefunden, die Welt vor den Plänen einem Nazi-Orden gerettet und dabei seine Zukünftige Kim Wuang kennengelernt. 5 Jahre sind seit dem ersten Lost Horizon vergangen und ganze 20 Jahre für den Hauptcharakter Fenton. Mittlerweile wieder im Dienste Ihrer Majestät beginnt die Reise für ihn 1956 in Port Said.

Der Feind im Osten

Eigentlich sollte es ein Routine-Einsatz für Fenton und seinen Partner werden: Sie sollen die bewachte Hafenstadt infiltrieren und der Einsatzleitung die Koordinaten des feindlichen Hauptquartiers übermitteln, damit dieses aus der Luft zerbombt werden kann. Dabei geht jedoch einiges schief und am Ende findet sich der Held in bester Indiana Jones-Manier unter einer umgedrehten Badewanne wieder. Bei seiner Flucht aus der Stadt trifft er auf die Mossad-Agentin Anna, die ihm davon erzählt, dass sie Fentons Tochter Gwen bei ihren Ermittlungen getroffen hat. Leider nahm das Treffen kein glückliches Ende und Gwen wurde gefangen genommen und verschleppt. Diese Ereignisse spielen wir in zwei Rückblenden nach – sowohl mit Anna als auch später mit Gwen im Team. Die Spur führt Fenton und seine neue Bekannschaft schließlich Richtung Moskau, wo Sowjets an einer gewaltigen Waffentechnologie, die auf die Wikingerlegenden zurückgeht, forschen. Welche Wendungen die Story, die quer durch Europa führt, dann noch nimmt, wollen wir natürlich an dieser Stelle nicht verraten. Die Handlung und die Thematik waren durchaus frisch und interessant und auch die tolle Synchro hat zum Spielerlebnis beigetragen, allerdings ist Lost Horizon 2 alles in allem ein wenig flotter und kondensierter gehalten, so dass sich einige Fans sicher über die knapp 7 Stunden Spielzeit wundern werden – an kaum einen Ort bleibt man länger als eine Dreiviertelstunde. Kenner des Vorgängers können sich auf die ein oder andere Anspielung freuen, auch wenn diese wirklich sehr dezent gehalten sind.

Liebesgrüße aus Moskau? Wohl kaum, denn von hier aus versuchen die Sowjets die Weltherrschaft zu erringen.

Neue Engine, neue Features

Bereits zu Beginn des Abenteuers fallen ebendiesen Kennern einige Änderungen auf. Die alte Engine wurde komplett ersetzt und nun setzt man bei Animation Arts auf Unity 5. Das bedeutet auch, dass im Gegensatz zum ersten Lost Horizon die handgezeichneten 2D-Hintergründe nun durch 3D ersetzt wurden. Das Spiel wirkt optisch, verglichen mit anderen Unity 5-Titeln, ein wenig altbacken im Bezug auf die Charaktere und ihre Animationen, aber dafür sind zumindestens die einzelnen Bildschirme hübsch designt – besonders gegen Ende des Spiels. Der Enginewechsel bringt aber auch ein paar positive Neuerungen mit sich: So hatte man in der Entwicklung nun die Möglichkeit eine dynamischere Kamera zu nutzen und eine Steuerung mit Tastatur oder Gamepad umzusetzen, auch wenn ich letzteres Feature nicht genutzt habe. Ebenfalls neu ist die Ein-Button-Steuerung mit der Maus. Aus zahlreichen Adventuretiteln ist ein Bedienschema bekannt, bei dem man die linke Maustaste zum Interagieren und die rechte zum Ansehen benutzt. Bei Lost Horizon 2 gibt es (außer im Inventar) nur noch die linke Maustaste für beides und auf der rechten Maustaste liegt eine Hotspot-Anzeige, die alle wichtigen Punkte im Level anzeigt. Die neue Bedienung fällt kaum negativ aus und ist für Einsteiger vermutlich sogar angenehmer. Für diese wurde im Übrigen auch eine Komplettlösung direkt ins Spiel integriert.

Ein Vorteil von Unity 5 – Viele Bildschirme glänzen mit einer tollen, stimmungsvollen Beleuchtung.

Ebenfalls vereinfacht wurden die Inventarrätsel, bei denen man auf das neue „Basteltisch“-System setzt. Hierbei werden die Gegenstände, die man zur Lösung braucht, in logischer Reihenfolge kombiniert. Hat man bestimmte Gegenstände noch nicht, so sieht man das auch. Leider wurde das Feature nicht konsequent durchgezogen und an ein oder zwei Stellen kommt es dann doch zum „Alles-mit-allem-Kombinieren“. Alle Änderungen beim Gameplay erinnern nun mehr an ein Mobile Game, was besonders deutlich bei den haptischen Elementen deutlich wird. Viele Objekte lassen sich anfassen, Räder lassen sich per Hand drehen oder von Plaketten lässt sich Rost abreiben. Hier haben sich die Entwickler unter anderem vom Hosentaschen-Adventure The Room inspirieren lassen und sogar eine Passage mit Quicktime Events wurde eingebaut. Während die einen diese Abwechslung sicher schätzen, werden Puristen sicher nicht ganz so glücklich damit sein. Insbesondere die eingebauten Erkundungs- und Schleichpassagen haben aus meiner Sicht aber das Gameplay angenehm aufgelockert, der QTE-Abschnitt war jedoch auch für mich eher befremdlich.

Mehr Übersichtlichkeit – Auf diesem „Basteltisch“ setzen wir aus vier Inventaritems zwei Ballons zusammen.

Fazit

Lost Horizon 2 kann mich als Freund des Vorgängers überzeugen. Grafisch ist der Titel zwar nicht mehr auf dem gleichen Niveau wie andere, aktuelle Veröffentlichungen, dafür sind die meisten Rätsel aber interessant und bringen einem zum Grübeln. Mein größter Wermutstropfen ist leider, wie damals auch bei Geheimakte 3, die Spiellänge, welche kaum länger ist als die klassische Indiana Jones-Trilogie. Für Neulinge und Gelegenheitsspieler sollte das aber kein Problem darstellen, denn trotz seiner kurzen Dauer ist das Spiel toll vertont worden und es gibt kaum längere Hänger im Storyablauf.  Verschiedene spielbare Charaktere und abwechslungsreiche Aufgabenstellungen sorgen ebenfalls dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Lost Horizon 2 ist aktuell nur auf DVD erhältlich und zwar zu einem Preis von 35 – 40€.

Aufgrund einiger Bugs in der Erstausgabe des Spiels wird das Herunterladen eines Day One-„Patches“ empfohlen. Dieser ist 3 GB groß und enthält sämtliche Spieldateien, sodass die DVD nur noch fürs Starten benötigt wird. 100% bugfrei war es nach der Installation zwar nicht, aber die kleinen Fehlerchen sind mir nicht unangenehm aufgefallen.

Ermittlungen in Bayern – Die Agentin Anna ist nur einer der insgesamt vier spielbaren Charaktere.

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