Jeder Tag ist gleich. Man steht auf, geht arbeiten, geht nach Hause und schläft. Das einzige was man selber bestimmt ist wie viel Zeit man mit einem hirnlosen Clicker Spiel verbringt und ob man den sprechenden Goldfisch mit zur Arbeit nimmt oder ihn das Klo runterspült.

Das ist in etwa die Prämisse von Mosaic von Krillbyte, dessen zweites Spiel nach dem Horrorspiel aus hilfloser Babyperspektive Among The Sleep.
Mosaic ist anders, aber gleichzeitig auch nicht. Statt einem hilflosen Baby ist man ein hilfloser Normalo-Arbeitnehmer gefangen in einer dystopischen Work-Life Balance Situation, und statt Horror mit gruseligen Monstern ist es die existenzielle Angst eines Neoliberalen Alptraums.

Es ist ein lineares, rein storybasiertes Spiel, aber ein kleines bisschen mehr als ein reiner “Walking Simulator”. Zugegeben, die meiste Zeit verbringt man damit den Protagonisten in seinem schmerzhaft unmotivierten und schlafentzogenen Trott durch die finster erdrückende Stadt zu bewegen. Aber man simuliert außerdem die Arbeit des unbenannten Protagonisten in einer Art minimalistischen Strategiespiel, das bewusst umständlich und wenig spaßig ist jedoch nicht ganz so brutal nihilistisch wie man es aus anderen “Arbeitssimulatoren” wie Papers Please oder Cart Life kennt. Darüber hinaus verliert man sich immer wieder in Tagträumen, die wechselnd die deprimierte Isolation des Protagonisten oder dessen Wunsch, aus seinem Alltag auszubrechen in kleine Puzzlesegmente packt. Und man kann einen großen Teil der Zeit ein Handy rausholen, um unterschwellig sinistre Nachrichten aus der spätkapitalistischen Dystopie des Spiels zu lesen, weniger unterschwellig sinistre E-Mails, überwiegend von Bots und das oben genannte hirnlose Clicker Spiel namens “BlipBlop”, das noch simpler und nutzloser ist als die meisten anderen echten Clicker Spiele, aber in das man wie diese schnell erschreckend viel Zeit darin investieren kann.

Wie man vielleicht herauslesen kann, ist Mosaic nicht direkt “Spaß” und hat auch nicht die Intention, Spaß zu machen. Stattdessen ists ein finsteres, leicht satirisches Drama über die erdrückende Monotonie und sozialer Isolation in einer unangenehm authentischen vernetzten Welt. Und das kann einem durchaus schon nahe gehen, dank imposanter, wenn auch oft unsubtiler Bildsprache und umso subtileren Details. Die minimalistische “Low-Poly” Optik des Spiels inszeniert die Mitmenschen als gesichtslose Massen und die Stadt als brutale Monolithen zwischen grauen Schluchten und transformiert in den Tagträumen des Protagonisten zu bedeutungsvollen Bildern. Gleichzeitig sind es aber die Kleinigkeiten, wie das kontaktscheue Verhalten anderer Menschen, der angesprochene allzu familiäre Nachrichtenfeed oder auch ein besonders depressiver optionaler Ausflug in eine Tinder-ähnliche Dating App.
Hin und wieder kann die Steuerung unter anderem durch die statischen Kameraperspektiven und mangelnde Erklärungen in manchen Segmenten störrisch sein und ich habe den ein oder anderen visuellen Bug entdeckt, aber nichts was so sehr im Argen liegt das es mich aus der melancholischen Atmosphäre herausgerissen hätte.

Nur das Ende des rund vierstündigen Spiels konnte mich nicht überzeugen (minimalste Spoiler möglich): Auch wenn es löblich ist, das Krillbytes sonst sehr niederschlagendes Spiel versucht, auf einer hoffnungsvollen Note zu enden, die vielleicht sogar motiviert, sich selbst ein bisschen zu überdenken, ist der Abschluß der Geschichte sehr abrupt und schlicht. Und nachdem das Spiel hinreichend komplexe systemische Probleme im Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Technologie erforscht, unterschlägt es diese Schwierigkeiten im Finale und macht aus Selbstverwirklichung mehr eine reine Willensfrage, was eine doch etwas undurchdachte Schlussfolgerung ist.
Endgültig geht damit auch der Umstand einher, dass Mosaic nichts wirklich Neues zu erzählen hat. Ob dies schlussendlich ein Problem ist muss aber jeder für sich entscheiden, denn relevant ist es allemal und, wie erwähnt, unterlegt mit tollen Bildern.

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