Test – No70: Eye of Basir

Fragmente der Vergangenheit, Fragmente eines besseren Spiels.

Spiele, die in momentanen „Trend-Genres“ angesiedelt sind, bringen recht eigene und eigenartige Erwartungshaltungen mit sich. Heben sie sich in irgendeiner Form von der Norm anderer Spiele ab, kann das oft dabei helfen, anderweitige Probleme eines Titels zu überdecken. Gleichzeitig jedoch schafft die Flut an Konkurrenztiteln oft hohe Maßstäbe in den grundlegenden Aspekten eines Spiels. Atmosphärische, kleine Horror-Adventures sind ein gutes Beispiel für solch ein momentanes „Trend-Genre“. Und No70: Eye of Basir demonstriert recht gut, wie ein Spiel unter solchen Erwartungen profitieren und leiden kann.

Im neuen Spiel des jungen, türkischen Entwicklerstudios Oldmoustache Game Works erforscht man in der Rolle der Brüder Erhan und Aras Ereignisse in dem Haus, in dem sie aufgewachsen sind, die den beiden in ihrer Kindheit verborgen geblieben sind. Dabei spielt besonders ein mysteriöses Okular eine besondere Rolle, sowohl in der Geschichte des Spiels als auch im Spiel selber. Wie in Spielen dieser Art recht üblich, erfährt man mehr über die Handlung in dem man Fragmente von alten Briefen, Büchern und ähnlichem findet. Doch obwohl einige interessante Grundlagen durch die beschriebenen Orte und Charaktere geschaffen werden, ergibt sich aus diesem nie ein klares Ganzes und endet abrupt und ohne echte Auflösung.

Was Technik und Gameplay betrifft kann No70: Eye of Basir verhältnismäßig durchaus beeindruckend sein, jedoch leider meist nur für kurze Augenblicke. Konstant lobenswert sind Musik und Sounddesign des Spiels, die mit stimmungsvollen Effekten, einem exzellenten Titelsong und einer sehr professionellen englischen Synchro (etwas, unter dem osteuropäische Spiele oft besonders leiden) überzeugen können. Optisch nutzen die Entwickler effektiv die Stärken der verwendeten Unreal 4-Engine mit effektiver Beleuchtung und stimmigen Assets, jedoch leiden diese mit enttäuschender Regelmäßigkeit unter Grafik-Bugs und der sehr limitierten Spielwelt, die die Illusion des Ganzen stört. In Screenshots und kurzen Ausschnitten kann das Spiel optisch überzeugen, setzt man sich jedoch länger damit auseinander, wird der Eindruck schnell getrübt.

Ein ähnliches Bild ergibt sich im Spiel selber. Es gibt einige gute Momente im Spiel, besonders auf die Weise in der sich Umgebungen während dem Erforschen verändern können, doch diese fühlen sich wie sehr gute Ideen in einem unterdurchschnittlichem Ganzen an. Dank dem Aufbau des Spiels ist das besonders offensichtlich. Während das erste und das dritte Kapitel des Spiels mit guten Ideen und Set-Pieces aufwarten, ist dies nur insgesamt etwas weniger als die Hälfte des Spiels, mit einem zweiten Kapitel das nicht nur einen merklich geringeren Gruselfaktor hat, sondern auch spielerisch fast ausschließlich auf den Schwächen des Spiels basiert. Namentlich ist dies das exzessive Backtracking, das das Spiel nutzt. Konstant bewegt man sich in den Levels des Spiels vor und zurück, nicht selten von einem Ende der jeweiligen Karte zur anderen, um Objekte und Informationen in einer sehr strikten Reihenfolge aufzusammeln. Das raubt dem Spiel nicht nur viel Atmosphäre, es macht es auch umso frustrierender da die zu findenden Dinge oft nicht leicht zu erkennen sind und häufig anderswo Dinge auslösen, die weder großartig im Zusammenhang mit dem Objekt stehen, noch sehr gut vom Spiel kommuniziert werden. Damit ist es wahrscheinlich, dass man als Spieler in diesem sowieso schon sehr Backtracking-lastigem Spiel einige „Ehrenrunden“ dreht, weil man nicht genau weiß, was als nächstes zu tun ist.

Nach etwa zwei bis drei Stunden sollte man dann zum Ende kommen, die sich wegen den genannten Problemen bereits viel zu lang anfühlen und den Aufwand nicht gerade belohnen. Ein weiteres, kostenloses DLC-Kapitel ist angekündigt (neben VR-Support und Gamepad-Steuerung, was beides schon irgendwie vorhanden ist aber nicht wirklich funktioniert) und angesichts der Struktur des Spiels könnte es durchaus der beste Teil des Spiels werden. Doch diese vage Hoffnung spricht eher für die Makel, die bereits vorhanden sind.

No70: Eye of Basir ist für Windows via Steam erhältlich. Kompabilität zu HTC Vive ist in Arbeit.

Fazit

In mehr als einer Hinsicht fühlt sich No70: Eye of Basir wie ein Prototyp an, mit einer handvoll guter Ideen und Szenen verpackt in einem unterdurchschnittlichen Ganzen, das sich nach dem momentanen Stand noch ziemlich unfertig anfühlt. Es verspricht Potenzial für das Entwicklerstudio, doch wenig für den eigenen Wert.
Positiv
  • Einige gute Ideen
  • Exzellentes Sounddesign
  • Einige hübsche Szenen
Negativ
  • Langweiliges, frustrierendes Gameplay
  • Konfuse Story ohne Abschluss
  • Wirkt allgemein noch sehr unfertig
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